Verein muss für Kinderfasching 2024 Alternative suchen VTZ fühlt sich von Festlicht „ausgebootet“

Zweibrücken · Die VTZ macht dem Betreiber der Festhalle heftige Vorwürfe. Man habe den Verein regelrecht „ausgebootet“. Der traditionsreiche Kinderfasching könne 2024 deshalb dort nicht stattfinden. Festhallen-Pächter Festlicht (UG) weist den Vorwurf zurück.

 Majestätisch erstrahlt die Festhalle auf unserem Archivfoto zu abendlicher Stunde an der Saarlandstraße. Doch feierlich ist der VTZ bei diesem Anblick keinesfalls zumute. Die Vereinigte Turnerschaft ist in hohem Maße darüber verärgert, im kommenden Jahr in dem Komplex nicht, wie es Tradition ist, den alljährlichen Kinderfasching zelebrieren zu können.

Majestätisch erstrahlt die Festhalle auf unserem Archivfoto zu abendlicher Stunde an der Saarlandstraße. Doch feierlich ist der VTZ bei diesem Anblick keinesfalls zumute. Die Vereinigte Turnerschaft ist in hohem Maße darüber verärgert, im kommenden Jahr in dem Komplex nicht, wie es Tradition ist, den alljährlichen Kinderfasching zelebrieren zu können.

Foto: Mathias Schneck

Fastnacht ist noch in weiter Ferne – doch für die VTZ ist jetzt schon Aschermittwoch. Denn an Aschermittwoch herrscht Katerstimmung. Und in dieser Stimmung befindet sich der größte Verein der Rosenstadt bereits seit Montag.

Der Grund: Die VTZ (Vereinigte Turnerschaft Zweibrücken) kann im nächsten Jahr am Fastnachtssonntag nicht, wie dies langgeübte Tradition ist, den beliebten Kinderfasching in der Festhalle feiern. Das sorgte am Montag für erheblichen Unmut bei den Verantwortlichen des Vereins. Der geschäftsführende Vorstand machte aus seinem Herz denn auch keine Mördergrube.

Gisela Alt, Martin Graßhoff, Stefan Hodek, Winfried Tänzer und Steffi Urbschat gaben eine Pressemitteilung heraus. Und kritisieren in dieser mit deutlichen Worten den Betreiber der Festhalle, das Unternehmen Festlicht (UG).

Bereits seit den Nachkriegsjahren feiere die VTZ in der Festhalle am Faschingssonntag einen Kinderfasching. Ausgenommen beim Umbau der Festhalle und in der Coronazeit sei dieser ausgerichtet worden und stets „hervorragend besucht“ gewesen. „Der jeweilige Pächter der Festhalle konnte durch den Verkauf der Getränke und des Essens stets gute Einnahmen beim Kinderfasching erzielen.“ Doch nun die kalte Dusche, klagt der Verein: „Die jetzige Pächterin der Festhalle, die Festlicht Sandra Matheis UG (haftungsbeschränkt), hat dieser Tradition des VTZ-Kinderfaschings ein jähes Ende gesetzt. Für uns als Vorstand und die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Vereins ist dies ein Schlag ins Gesicht, den wir nicht verstehen können.“

Die VTZ habe „bereits unmittelbar nach der erfolgreichen Kinderfaschingsveranstaltung in diesem März“ dem Pächter signalisiert, „dass wir auch 2024 wieder einen Kinderfasching veranstalten wollen. Nach unserem formellen Antrag auf Reservierung der Festhalle für Faschingssonntag 2024 teilte uns ein Mitarbeiter von Festlicht lapidar mit, dass die Festhalle an diesem Sonntag an einen überregionalen Veranstalter vermietet worden sei“.

Durch Recherchen im Internet, so der geschäftsführende VTZ-Vorstand weiter, habe man festgestellt, „dass an diesem Tag ab 14 Uhr ein Dino-Rock-Konzert für Kinder und deren Eltern vorgesehen ist“.

Die VTZ ist empört und macht sich in ihrer Pressemitteilung Luft: „Zur Absage an uns fand keine Rücksprache, kein offenes Gespräch, nicht der Ansatz eines Bedauerns von Festlicht statt. Festlicht beendete eine jahrzehntelange Tradition unseres Vereins mit zwei dürren unpersönlichen Zeilen. Wir sind zutiefst enttäuscht und verärgert über dieses Vorgehen einer Pächterin, die im Auftrag der Stadt und somit der Bürgerinnen und Bürger tätig sein soll.“

 Verschlossene Türen am Heinrich-Gauf-Saal, dem großen Saal des Musentempels: Heinrich Gauf, ehemals Vorsitzender der VTZ, hatte sich einst dafür stark gemacht, dass die Festhalle saniert und nicht abgerissen wurde.

Verschlossene Türen am Heinrich-Gauf-Saal, dem großen Saal des Musentempels: Heinrich Gauf, ehemals Vorsitzender der VTZ, hatte sich einst dafür stark gemacht, dass die Festhalle saniert und nicht abgerissen wurde.

Foto: Mathias Schneck

Dem aber nicht genug. Man habe weiter herausgefunden, so die VTZ, „dass Festlicht nun doch nicht auf den Kinderfasching verzichten will“. Festlicht veranstalte am Faschingssonntag um 16 Uhr – also direkt nach der Dino-Rock-Veranstaltung – in eigener Regie einen Kinderfasching in der Festhalle. Der Verein zeigt sich wie vor den Kopf gestoßen: „Die VTZ ist überrascht, dass es die Vertragsgestaltung mit Festlicht offensichtlich zulässt, dass die Pächterin traditionelle Veranstaltungen ortsansässiger Vereine durch eine Eigenveranstaltung ausbootet. Wir glauben nicht, dass dieses Vorgehen im Sinne der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger ist.“

Sandra Matheis, die gemeinsam mit ihrem Mann Dirk das Unternehmen Festlicht (UG) führt (Anm.: UG steht für Unternehmergesellschaft, diese ist haftungsbeschränkt) zeigte sich am Montag auf unsere Anfrage sehr verwundert über die heftigen Vorwürfe der VTZ.

Sandra Matheis sagte, zur Erklärung müsse sie einiges voranstellen. Ihr Mann Dirk habe mit seinem Unternehmen Festlicht bereits als Bühnenmeister in der Festhalle gearbeitet, als diese noch vom vorangegangenen Pächter, Zweibrückens größtem Gastronomen und Hotelier Roland Zadra betrieben worden sei. Bereits damals schon habe ihr Mann zu Zadra gesagt, es sei schade, dass die klassischen Fastnachtspartys in der Festhalle an den Samstagen und Sonntagen nicht mehr stattfinden würden.

Festlicht, die zum 1. Juli 2022 als neuer Pächter die Festhalle von Zadra übernahmen, hätten bereits vorher zu Zadra gesagt, er möge in dem Belegungsplan der Festhalle eintragen, dass Festlicht für 2023 dort Fastnachtsveranstaltungen wie Gala, Prunksitzung, Party plane. Und er solle bitte gleich auch in dem Belegungsplan die Jahre 2024 und 2025 blocken.

„Es war Anfang 2022, vielleicht auch schon Ende 2021, als wir Roland Zadra baten, diese Termine für 2023, 2024 und 2025 zu blocken. Es gibt hierfür einen Belegungsplan, eine Excel-Tabelle, die einmal im Monat an alle Beteiligten verschickt wird, etwa an die Stadtwerke.“ Die Stadtwerke beispielsweise müssten wissen, wann was in der Festhalle geplant sei, dies sei für Fragen von Lüftung, Heizung und ähnlichem relevant.

Als das Unternehmen Festlicht zum 1. Juli 2022 einen fünf Jahre geltenden Pachtvertrag mit den Stadtwerken unterschrieb, sei auch der Belegungsplan mit den bis dahin vermerkten und geblockten Terminen an Festlicht übergegangen.

Soviel zur Vorgeschichte.

Sandra Matheis weiter: „Ende 2022 erhielten wir dann von der VTZ eine Anfrage – man wolle 2023 den Kinderfasching in der Festhalle durchführen.“ Festlicht, die an den Abenden zuvor ein Programm für Erwachsene arrangierten, gaben für den angefragten Sonntag, 19. Februar, grünes Licht: Die VTZ konnte also ihren Kinderfasching wie gewohnt an der Saarlandstraße feiern. Matheis merkt an: „Wir standen ja bereits seit dem Jahreswechsel 2021/2022 im Belegungsplan für die gesamten Fastnachtstage drin und hätten ,Nein‘ sagen können. Aber das taten wir nicht, der Kinderfasching konnte stattfinden. Wir haben das mit der VTZ auch so kommuniziert. Nämlich, dass das ein Zugeständnis von uns ist.“

Bereits einen Tag nach dem Kinderfasching, am Montag, 20. Februar, habe sie eine Dankesmail von der VTZ erhalten. Es sei alles toll gewesen, die geschmückte Festhalle – Festlicht habe extra die Dekoration von den Vortagen für den Kinderfasching hängen lassen – die Gastronomie, die Mitarbeiter von Festlicht vor Ort, alles sei sehr gut gelaufen. Matheis: „In der Dankesmail war keine Rede von 2024. Keine Anmerkung, dass man im kommenden Jahr wieder bei uns den Kinderfasching feiern wolle. Nichts.“

Am 27. März 2023 sei dann eine Agentur bei Festlicht vorstellig geworden. Diese habe Veranstaltungsstätten für die bei Kindern beliebte Show „Heavysaurus“ gesucht. Eine Show, bei der Dinosaurier die Hauptrolle spielen, Rocksongs mit deutschen Texten zum besten geben und das mit kindgerechtem, pädagogisch wertvollem Inhalt.

Die Agentur hatte dieses Jahr bereits für den 10. Februar einen Auftritt von Heavysaurus in der Festhalle gebucht und war laut Matheis äußerst angetan von der Spielstätte. „Wir kommen 2024 wieder“, hätten sie signalisiert.

Am 27. März 2023 machte die Agentur diese Ankündigung wahr: Und fragte für den Faschingssonntag, 11. Februar 2024 an. Nach einigen Verhandlungen wurde am 22. Juni 2023 laut Matheis schließlich final gebucht. Damit war klar: Die Dino-Rock-Show Heavysaurus findet am 11. Februar 2024 in der Festhalle in Zweibrücken statt.

Matheis weiter: „Am 12. September 2023 kam dann eine Reservierungsanfrage von der VTZ an uns. Man wünsche, am 11. Februar wieder den Kinderfasching in der Festhalle zu feiern.“

Matheis sagt, mit Blick auf die Korrespondenz ob dieser recht späten Anfrage: „Es kam von uns tatsächlich nur eine kurze Antwort. Dass es uns leid tue, aber der Termin ausgebucht sei. Was hätten wir denn auch groß schreiben sollen? Der Termin war mittlerweile vergeben. Und die VTZ hatte vorher ja nicht signalisiert, diesen Termin buchen zu wollen.“ Nach der Absage durch Festlicht sei dann noch eine kurze Antwort der VTZ gekommen, dahingehend, dass man verärgert sei. Und nun sei der Verein mit der Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen.

Und wie sieht es mit dem Ärger der VTZ aus, dass im Anschluss an Heavysaurus am Fastnachtssonntag um 16 Uhr eine Kinder-Disko stattfindet? Hätte man womöglich der VTZ diese Zeit ab 16 Uhr für den Kinderfasching zubilligen können? Matheis sagt, das würde unmöglich gehen. Bei Heavysaurus sei der große Saal der Festhalle unbestuhlt, dies bleibe für die Kinder-Disko im Anschluss so. Der Kinderfasching der VTZ sei bislang stets bestuhlt gewesen, er habe ein ganz anderes Konzept. Matheis: „Wir bräuchten mehrere Stunden, um nach Heavysaurus den Saal für den Kinderfasching wieder zu bestuhlen, das ist unmöglich zu schaffen.“

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