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Zweibrücken: Verdi-Streik in Kitas, Eltern äußern Kritik und Verständnis

Kita-Streiks in Zweibrücken : Eltern zwischen Verständnis und Unmut

Der Tarifkonflikt zwischen Erzieherinnen und Arbeitgebern ist für alle Beteiligten herausfordernd. Auch für die von den Streiks betroffenen Eltern. Verdi sagt unumwunden: Es gibt viel Verständnis, aber auch Unmut, teils gar Pöbeleien. Auch an diesem Donnerstag sind – wie gestern – in Zweibrücken etliche Kitas von Arbeitsniederlegungen betroffen.

Es ist ein Konflikt, der von gleich drei Parteien Nervenstärke erfordert. Einmal von den Erzieherinnen und Erziehern. Dann von ihren Arbeitgebern, den kommunalen Trägern der Kitas. Und dann natürlich von den Eltern.

Seit März schwelt dieser Konflikt. Mehrere Male wurde auch in Zweibrücken in den Kitas die Arbeit niedergelegt. So auch aktuell. Am gestrigen Mittwoch wurde in einem großen Teil der städtischen Kitas gestreikt, entweder hatten die betroffenen Einrichtungen ganz geschlossen oder sie boten lediglich eine Notbetreuung an; am heutigen Donnerstag geht es mit den Ausständen weiter (wir berichteten am Mittwoch ausführlich).

Die Emotionen schlagen ob dieser wiederholten Streiks immer höher, wie uns Bürger aus Zweibrücken berichten. Und auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sagt auf Merkur-Anfrage unumwunden, dass von den Eltern – neben einigem Verständnis – auch Unmut geäußert werde. Zum Teil komme es leider gar zu Pöbeleien.

Ein Zweibrücker, der sich am Mittwoch an uns wandte und darum bat, seinen Namen nicht zu nennen, sagte, an der Kita Abenteuerland in der Grinsardstraße, die sein Kind betreue, habe es recht heftige Reaktionen gegeben. Er habe mit Eltern gesprochen, die zornig gewesen seien.

Der Zweibrücker sagte: „Die Nerven liegen mittlerweile bei einigen Eltern blank.“ Sicher könne man verstehen, dass die Erzieherinnen für verbesserte Rahmenbedingungen kämpften – aber der Konflikt werde auf dem Rücken der Eltern ausgetragen.

Die Kita Abenteuerland habe immerhin noch eine Notbetreuung angeboten. Am Dienstag habe man sich für den Folgetag dafür in eine Liste eintragen können. Die Kita habe für Kinder über zwei Jahren rund 25 Notbetreuungsplätze angeboten; der Leser schätzte, dass in der Kita in normalen Zeiten etwa 100 Kinder insgesamt betreut werden. 

Die 25 Plätze seien in Rekordzeit ausgebucht gewesen. Bereits in den frühen Morgenstunden seien die meisten schon vergeben gewesen, man habe kaum vernünftige Chancen gehabt, sich regulär einzutragen. Das zeige, wie schwer es für die oftmals berufstätigen Eltern sei, auf die Auswirkungen des Streiks zu reagieren.

Keine Frage: Es gibt etliche Eltern, die angesichts der Ausstände nur noch aufstöhnen. Auf der anderen Seite bekunden in den Sozialen Netzwerken durchaus auch Eltern Verständnis für die Arbeitsniederlegungen der Erzieherinnen.

Ein Vater schreibt etwa, die Betroffenen kämpften schon seit Jahren um eine angemessene Bezahlung, die Politik reagiere aber nicht entsprechend darauf. Daher liege die Schuld an den aktuellen Warnstreiks auch nicht beim Kita-Personal, sondern eben bei der Politik. Der Bürger schreibt weiter, die Erzieherinnen sollten in etwa das verdienen, was Lehrkräften gezahlt werde, die Kinder im Grundschulbereich unterrichteten. Das Fazit des Kommentarschreibers: Alle Eltern sollten der Politik Dampf machen, damit sie sich endlich auf die Erzieherinnen zu bewegten.

Solche Worte wird Jürgen Knoll gerne hören. Der Geschäftsführer von Verdi für den Bezirk Pfalz macht nämlich durchaus ein breites Spektrum an Emotionen bei den Erziehungsberechtigten aus. „Von Zuspruch bis zu Unverständnis, von Ärger über Zorn – die gesamte Palette ist zu sehen. Leider kommt es teilweise auch zu regelrechten Pöbeleien“, schildert der Gewerkschafter. Er klagt, die Politik wolle den Erzieherinnen den Schwarzen Peter zuschieben. Dabei würden diese berechtigte Forderungen stellen.

„Es geht beileibe nicht nur um ein höheres Gehalt. Wir kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen“, unterstreicht Knoll. Die Erzieherinnen seien großem Druck und Dauerstress ausgesetzt. Die kommunalen Arbeitgeber müssten für mehr Personal sorgen, um den Druck von den einzelnen Schultern zu nehmen, die Politik müsse mehr gegen den Fachkräftemangel tun, nennt Knoll wichtige Forderungen.

Am Mittwoch fand um elf Uhr eine große Kundgebung von Erzieherinnen in Ludwigshafen statt, an der sich auch etliche Betroffene aus Zweibrücken beteiligten. Sie alle blicken nun auf kommende Woche. Am 16. und 17. Mai soll weiter verhandelt werden. Sollte es erneut keine Einigung geben, könnte sich der Konflikt zu einem unbefristeten Streik auswachsen.