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Zweibrücken: Tanzschulen haben in der Corona-Krise harte Zeit durchlebt

Die Pandemie und die Tanzschulen : Hüftschwung in Zeiten von Corona

Eine harte Zeit liegt hinter den Tanzschulen in Zweibrücken: In der Corona-Krise mussten sie rund zweieinhalb Monate schließen, auch jetzt ist die Normalität noch weit weg. Aber immerhin darf wieder getanzt werden. Darüber freuen sich sogar hochbetagte Senioren.

Gibt es etwas Schlimmeres für einen Tänzer, als die Füße stillhalten zu müssen? Wohl kaum. Von daher kann man sich gut vorstellen, wie es den zahlreichen Mitglieder der Tanzschulen und des Tanzsportvereins TC Royal in Zweibrücken ergangen ist. Die Durststrecke war groß. Endlich darf wieder getanzt werden – und zum Glück blieben die meisten Mitglieder bei der Stange. So lautet das Fazit einer Umfrage des Pfälzischen Merkur bei den Tanz-Adressen.

Elena Loch gehört mit ihrer Tanzschule Elmiras Orient zu den großen Adressen in der Rosenstadt. Rund 170 Schüler hat sie aktuell unter ihren Fittichen. Mitte März musste Loch schließen – es war der Beginn der strengen Schließungsphase in Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland.

Seit 27. Mai dürfen die Tanzschulen wieder betrieben werden. Loch ist darüber erleichtert. „Meine Schüler sind so froh darüber. Das Verlangen ist groß, endlich wieder tanzen zu dürfen.“

Sie hadert mit den ganzen Corona-Regelungen der Landesregierung, der organisatorischen Umsetzung. Mitte März habe sie schließen müssen. Schließlich habe es geheißen, am 27. Mai dürften die Tanzschulen im Land wieder öffnen. Aber: „Die Auflagen, die die Tanzschulen zu beachten haben, kamen erst am 26. Mai nachmittags raus. Jede Tanzschule sollte ein eigenes Konzept erstellen.“

Das habe sie Zeit und Gehirnschmalz gekostet, sie habe akribisch über ihrem Konzept gebrütet und daher erst am 2. Juni wieder eröffnet.

Doch hätten ihre Schüler in der Zeit seit Mitte März nicht auf dem Trockenen gesessen. Loch: „Ich habe per Videokonzerenz, per Skype, per WhatsApp unterrichtet. Meine Schüler konnten so zuhause trainieren.“

Ihre 160 bis 170 Schüler (die meisten sind Kinder, es sind aber auch ältere Semester dabei) seien „alle treu geblieben“, freut sich die Tanzlehrerin. Nun müsse man sich an die neue Wirklichkeit anpassen. Die da lautet: Pro zehn Quadratmeter ein Schüler, Abstand halten, Hände desinfizieren und und und.

„Das ist alles natürlich auch anstrengend“, räumt sie ein. „Die Schüler kommen bereits umgezogen zu mir, die Eltern dürfen nicht rein. Die Schüler teile ich in mehrere Gruppen auf: drei Gruppen statt eine. Ich muss protokollieren, wer alles bei mir trainiert hat. Nach dem Training lüfte ich gut durch.“

Wirtschaftlich schwierig war die Zeit auch für die Tanzschule Srutek in Zweibrücken. „Seit 27. Mai haben wir wieder alle vier Tanzschulen geöffnet“, sagt Michal Srutek, der gemeinsam mit seiner Gattin Mirjam Srutek vier Tanzschulen in Zweibrücken, Pirmasens, Homburg und St. Ingbert betreibt. Ebenso wie Elena Loch sind auch die Sruteks unzufrieden mit dem gesetzgeberischen Wirrwarr in Sachen Corona.

„Die Bundesländer haben alle unterschiedliche Regelungen – wir empfinden das als schwierig, als ungerecht“, sagt Mirjam Srutek. Alle Mitglieder seien froh, dass sie endlich wieder aufs Parkett dürfen. „Schrittweise geht es voran. „Nicht alle Tanzschulen haben überlebt“, sagt Michal Srutek. Die strikte Schließungsphase von Mitte März bis Ende Mai sei für einige zu lang gewesen.

Die Sruteks konnten die Durststrecke überwinden, dennoch mussten sie für ihre sechs festen Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Nun hoffen sie darauf, dass bald wieder so getanzt werden darf wie in früheren, unbeschwerten Zeiten.

Susanne Gauf betreibt die Tanzschule sandance in Zweibrücken. Jazz- und Modern-Dance vor allem für Kinder und Jugendliche ist ihr Schwerpunkt.

Auch sie ist froh über die Wiedereröffnung – wenn auch sie damit jede Menge Arbeit hat. „Ich habe mein Studio so abgeklebt, dass jetzt jeder eine Parzelle für sich hat“, sagt Gauf. So sei sichergestellt, dass alle einen Abstand von 1,5 Metern zueinander einhalten.

Die Sport- und Gymnastiklehrerin Gauf, die sich zur Tanzpädagogin weiterbildete, sagt, sie sei als „Einzelkämpferin“ tätig und greife lediglich im Unterricht auf zwei Helfer zurück. „Dass ich zweieinhalb Monate schließen musste, war wirklich schlimm.“ Dazu kommt: Am 15. März, als die strengen Regeln aufkamen, hätten ihre Schüler in Saarlouis bei einem Turnier für Jazz- und Modern-Dance für Jugendliga und Bundesliga auftreten sollen. Das Turnier wurde abgesagt – und ein Dreivierteljahr vorbereitendes Training konnte keine Früchte zeigen. Das sei bitter für alle gewesen. Ob das Turnier nachgeholt wird? Wer wisse das schon, gibt Gauf zu bedenken. „Es liegt ja alles brach.“ Auch sie sagt, sie habe staatliche Hilfe in Anspruch genommen.

Wie Susanne Gauf ist auch Patrick Emmerich mit seiner Tanzschule La Danza Einzelkämpfer. Emmerich unterrichtet ausschließlich Erwachsene. Seit 2013 betreibt er seine Schule. Und konnte sich einen treuen Stamm an Kunden aufbauen.

„Nur ein einziges Paar ist in der Schließungszeit abgesprungen. Und dort waren es private Gründe. Sonst sind zum Glück alle geblieben“, ist Emmerich dankbar für die Solidarität. Die Zeit sei hart gewesen: „Ohne meine Tänzer hätte es übel ausgesehen“, berichtet er.

Da bei ihm Paare tanzen, die privat eine häusliche Gemeinschaft pflegen, hat der Tanzlehrer keinen Stress in Sachen Abstand. Wohlgemerkt: Beim Tanzen. Dort dürfen sich die Pärchen nahe kommen.

Abstand halten, Hände desinfizieren, Mundschutz außerhalb der Tanzfläche tragen: Das ist auch beim Tanzclub Royal das Gebot der Stunde. Der Verein mit seinen aktuell 163 Mitgliedern hat bei Turnieren schon zahlreiche Preise ertanzt. Aber auch hier blickt man zuerst einmal auf das Positive: „Wir dürfen endlich wieder tanzen. Bei unseren Mitgliedern sehen wir deutlich, wie froh sie darüber sind. Gleich am 27. Mai, am ersten Abend, kamen fünf Paare zu uns“, berichtet Sportwartin Kirsten Möglich. „Wir haben alles dafür unternommen, gleich am 27. Mai wieder öffnen zu dürfen“, sagt sie. Die Mitglieder des Vereins hätten vorab das Regelwerk zugesandt bekommen, damit sich jeder auf den Hüftschwung in Zeiten von Corona habe vorbereiten können.

Nun überwiege die Dankbarkeit, wieder die Runden auf dem Parkett drehen zu dürfen. „Natürlich sind manche noch vorsichtig und kommen aktuell lieber nicht. Wir haben ja auch einige ältere Mitglieder bei uns. Allerdings ist unser ältestes Mitglied, eine Dame im Alter von 83 Jahren gleich diese Woche mit ihrem Ehemann zum Tanzen gekommen“, berichtet die Sportwartin. Und im Herbst oder Winter könnte es wieder Turniere geben.