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Zweibrücken: Stadtrat macht Weg frei für Feier in Festhalle für Senioren

Zweibrücker Stadtrat votiert für zentrale Seniorenfeier : Zwischen Wertschätzung und „Laufkilometern“

Ist eine zentrale Feier in der Vorweihnachtszeit für Senioren das richtige Zeichen der Wertschätzung? Nach einigem Hin und Her sagt der Stadtrat: Ja.

Die Frage der „Wertschätzung“ stand im Stadtrat im Mittelpunkt einer Debatte darüber, wie die Stadt mit ihren älteren Bürgern feiern soll. Zentral in der Festhalle? Ganz individuell mit einem Besuch zuhause? Oder gar beides?

Die Entscheidung fiel dem Stadtrat gar nicht so leicht. Eigentlich war die Sache klar gewesen. Im Hauptausschuss hatte es Mitte Januar noch einen einstimmigen Beschluss gegeben, dass die Stadtverwaltung in der Vorweihnachtszeit (am 26. November nachmittags) für die Senioren eine zentrale Feier veranstaltet. Ausgangspunkt dafür war ein Antrag der SPD (wir berichteten). Doch im Stadtrat, der in seiner jüngsten Sitzung endgültig darüber zu entscheiden hatte, kamen dann doch noch Zweifel auf. So meldete Thomas Körner (FWG) Bedenken an: „Manche Senioren sind sicher körperlich gar nicht in der Lage, eine zentrale Feier in der Festhalle aufzusuchen. Das wird für Unmut sorgen!“ Er als Ortsvorsteher wisse, wie wichtig es gerade in den Vororten sei, wenn ein Geburtstagskind von der hiesigen Politik die Aufwartung erteilt bekomme. „Die Oma freut sich, wenn zum 90. Geburtstag jemand kommt“, so Körner.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) entgegnete: In den Überlegungen für eine zentrale Feier „war nie ausgeschlossen, dass ein Ortsvorsteher zusätzlich zu seinen Senioren geht“. Es sei zwar richtig, so der OB, dass die Stadt, wenn sie die Senioren heuer zu der zentralen Feier einlade, im Gegenzug die Präsente streicht, die in der Stadt beziehungsweise in den Vororten bislang überreicht wurden. Die Präsente seien künftig gestrichen – nicht aber die „Laufkilometer“ der Ortsvorsteher zu den Senioren, so Wosnitza. Diese dürften auch künftig absolviert werden.

Andreas Hüther (CDU) schloss sich den Bedenken Körners an: „Ich habe ähnliche Erfahrungen und Befürchtungen wie Herr Körner.“ Für die Senioren sei es ein besonderes Zeichen der Wertschätzung, wenn die lokale Politik zu einem besonderen Tag bei ihnen vorbeischaue. Hüther – der für seine Parteifreundin Christina Rauch in den Stadtrat nachrückte, da Rauch zur Beigeordneten gewählt wurde – ist Ortsvorsteher in Oberauerbach. Er wisse um die Wünsche der älteren Mitbürger, sagte Hüther.

Kurt Dettweiler (FWG), als Ortsvorsteher von Mittelbach-Hengstbach im gleichen Boot wie Körner und Hüther, stärkte diesen den Rücken: „Es ist ein großer Unterschied, ob ich in der Stadt lebe oder in einem Vorort. Im Vorort kennt der Ortsvorsteher eigentlich jeden.“ In der Stadt selbst sehe das nochmal ganz anders aus.

Norbert Pohlmann (Grüne) sagte, er sehe die zentrale Feier in der Festhalle als adäquates Zeichen einer „zusätzlichen Wertschätzung“ und begrüße das Vorhaben.

„Ich kann nicht zustimmen“, widersprach Pascal Dahler (CDU). Eine solche Feier sei eben kein Ersatz für einen persönlichen Besuch und ein Präsent.

Rolf Franzen (CDU) widersprach Pohlmann gleichfalls: „Sie sagen, diese zentrale Feier sei ein zusätzliches Zeichen von Wertschätzung. Das stimmt nicht. Eine Wertschätzung fällt weg“, meinte er – nämlich die Präsente. Franzen ergänzte, er wisse, dass seine Partei im Hauptausschuss für die Feier gestimmt habe – er werde sich bei der Abstimmung daher enthalten, weil er persönlich dagegen sei.

Bei zwei Gegenstimmen und acht Enthaltungen wurde schließlich der Weg dafür frei gemacht, dass die Stadt unter Einbindung des Seniorenbeirates ein Konzept zur Durchführung der besagten Feier am 26. November erarbeitet.

Bei dieser sind dann übrig keinesfalls alle älteren Bürger eingeladen. Wie bereits berichtet, plant die Stadt nur die über 90-Jährigen und Paare mit 60-, 65- oder 70-jährigem Ehejubiläum sowie Begleitpersonen einzuladen. Die Anzahl dafür hatte das Hauptamt in der vorausgegangenen Sitzung des Hauptausschusses auf rund 730 geschätzt – wobei die Stadt davon ausgeht, dass nur zirka die Hälfte der Einladung folgen wird. Die Kosten werden auf etwa 6000 Euro taxiert.