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Zweibrücken: Stadt will Verordnung für Kastration von Katzen auf den Weg bringen

Antrag der SPD erfolgreich : Die Kastrations-Pflicht für Katzen kommt

Der Antrag der Zweibrücker SPD-Stadtratsfraktion auf Einführung einer Pflicht für Katzen-Halter wird mit großer Mehrheit angenommen. Nun will die Stadtverwaltung eine entsprechende Verordnung auf den Weg bringen.

Eine Pflicht für Katzenhalter, ihre Tiere kastrieren zu lassen, kommt. Bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen hat sich der Stadtrat in seiner vergangenen Sitzung mehrheitlich dafür ausgesprochen, eine entsprechende Verordnung auf den Weg zu bringen.

Die Debatte über Für und Wider einer solchen Pflicht wurde teilweise recht emotional geführt. Nadine Bender, Vorsitzende des Tierheimes in Zweibrücken, informierte zu Beginn dieses Tagesordnungspunktes die Ratsfraktionen über die wichtigsten Aspekte.

Die SPD hatte den Antrag zur Einführung einer Kastrationspflicht gestellt (wir berichteten), Bender machte gleich zu Beginn ihrer Ausführungen deutlich: „Wir vom Tierheim begrüßen diesen Antrag.“

Es gebe in Zweibrücken eine hohe Zahl an herrenlosen Katzen. Die Anzahl dieser Streuner steige stetig, es drohe im Laufe der Zeit eine ausufernde Population. Es gebe „sehr viele Fundkatzen, die zweifelsfrei von unkastrierten Katzen abstammen“. Zahlreiche Halter würden ihre Tiere tagsüber oder abends im Freien laufen lassen. Da etliche dieser Tiere nicht kastriert seien, komme es dann zu dem ungewollten Nachwuchs.

Bei unkastrierten Katzen könne noch das sogenannte „Katzen-Aids“ hinzukommen. Diese treffe unkastrierte Tiere häufiger als kastrierte, die Krankheit werde beim Geschlechtsverkehr weitergegeben, informierte Bender den Rat über einen weiteren Aspekt. Die Tierschützerin sagte, das Tierheim sei selbst immer wieder tätig, um Streuner zu kastrieren, 2019 seien es geschätzt 80 Kastrationen gewesen.

Der SPD-Antrag bezieht sich auf die Kastration von Katzen, die die Halter in der freien Natur laufen lassen – Halter, die ihre Katze ausschließlich in der Wohnung halten,  sollen ausgenommen sein. Es ist zudem eine Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht vorgesehen. Bender sagte, diese würde es dem Tierheim ebenfalls leichter machen. Laufe eine Katze dem Tierheim zu und trage einen Chip, könne der Halter sofort festgestellt werden.

Zu den Kosten sagte sie, dass die Anfertigung eines Chips für die Katze rund 30 Euro koste, für die Kastrierung würden bei einem Kater 30 Euro und bei einer Katze 120 Euro zu Buche schlagen. Bei den Fundtieren übernehme das Tierheim bisher diese Kosten, das belaste den Verein finanziell.

In der anschließenden Diskussion drehten sich viele Wortbeiträge um die Frage der Kontrolle einer Kastrationspflicht. So sagte Ingrid Kaiser (FDP), ihre Fraktion begrüße den Antrag. „Wir sehen aber das Problem in der Kontrolle.“

Auch Bernd Ringle (Linke) hakte hier nach. „Wie will man das kontrollieren? Welche Sanktionen sind bei Verstößen vorgesehen? Soll es Bußgelder geben? Wenn ja, wie hoch?“ Trotz dieser geballten Fragen stellte Ringle klar: „Wir stimmen grundsätzlich zu.“

Das Problem der Kontrolle wurde ferner von Verena Wilhelm (CDU) und Norbert Pohlmann (Grüne) angesprochen.

Thorsten Gries (SPD) merkte an: „Es ist richtig, dass es noch ungeklärte Fragen gibt. Aber uns von der SPD geht es darum, die Halter zu sensibilisieren.“ Hier nannte Gries einen Problempunkt: „Es gibt viele private Züchter, die darauf hoffen, Kätzchen zu verkaufen. Gelingt das nicht, setzen sie die Tiere aus.“

Sein Parteifreund Stéphane Moulin ergänzte mit Blick auf die ungeklärten Fragen, dass es nicht die Aufgabe einer antragstellenden Partei sei, im gleichen Atemzug ein fertiges Gesetz für den Antrag zu präsentieren. Und hinsichtlich der Fragen von möglichen Kontrollen konnte sich Moulin einen Kommentar nicht verkneifen: „Es soll auch Leute in diesem Land geben, die sich an ein Gesetz oder eine Verordnung halten, ohne dass hinter jedem Busch ein Polizist oder Ordnungsamts-Mitarbeiter steht.“

Als wohl deutlichster Kritiker des SPD-Antrags trat Rolf Franzen (CDU) auf den Plan. „Ich unterstütze diesen Antrag nicht“, stellte er klar. Die Stadt habe wichtigere Probleme zu lösen. Zudem sehe er „ein Wust von Dingen, die auf uns zukommen“, wenn man eine Kastrierungs-Verordnung schaffe – angesichts der ungelösten Fragen.

Das drängte Tierschützerin Bender stehenden Fußes zum Widerspruch. „Ich gebe Ihnen recht, dass die Stadt wichtigere Probleme hat. Allerdings weil es Ehrenamtler gibt, die das zu ihrer Sache machen“, sagte sie in Richtung Franzen. Diese Ehrenamtler würden sich in ihrer Freizeit engagieren und „um Spenden betteln“, machte sie deutlich.

Der Antrag der SPD wurde schließlich mit großer Mehrheit angenommen.