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Zweibrücken: Reisebüro Lehnen schildert Überlebenskampf in der Pandemie

Reisebüro Lehnen über Pandemie : „Man lebt von Tag zu Tag“

Achim Lehnen, Inhaber des ältesten und größten Reisebüros der Stadt Zweibrücken, über den Kampf um die Existenz in der Pandemie. Lehnen hat die Hoffnung auf baldige Besserung — und eine dann einsetzende Riesen-Reise-Lust.

Die Deutschen lieben es, zu verreisen. Wie wohl kaum eine andere Nation. Da kann es doch keine schlechte Idee sein, ein Reisebüro zu betreiben. Dachte sich Arno Lehnen 1960 – und eröffnete in Zweibrücken das erste Reisebüro der Stadt. Reisebüro Junker lautete der Name des Ein-Mann-Betriebs.

Hätte ihm damals jemand gesagt, dass in Deutschland eine Zeit kommen wird, in der über Monate hinweg nicht an Reisen gedacht werden kann, in der die Hotels dicht sind und die Häfen – Arno Lehnen hätte gelacht. Und am Verstand desjenigen gezweifelt, der solch aberwitzige Theorien vom Stapel gelassen hätte. Aber es ist wahr geworden. Und es ist nicht zum Lachen.

Achim Lehnen hat schon vor Jahren von seinem Vater Arno den Staffelstab übergeben bekommen. Aus dem damaligen Ein-Mann-Betrieb Reisebüro Junker ist das Tui-Reisecenter Zweibrücken geworden, das größte Reisebüro der Stadt.

Achim Lehnen kämpft um das Erbe seines Vaters. Denn die Pandemie ist eine beispiellose Herausforderung. Die Menschen sind verunsichert. Und dann kommen noch Äußerungen hinzu wie jüngst von Kanzleramtsminister Helge Braun, der meinte, vor August sehe er kaum Perspektiven zum verreisen.

„Heute hü, morgen hott“, kommentiert Achim Lehnen diese Äußerung trocken. Er hat in den vergangenen Monaten schon so einiges aus Politiker-Munde vernehmen müssen. „Jeder will was sagen“, kommentiert der Reisebüro-Inhaber diese unterschiedlichen Äußerungen.

Lehnen fehlt das Verständnis dafür, dass das Reisen so negativ interpretiert wird: „Reisen ist nicht der Infektionsbringer. Das steht fest. Und mit Zwangstestungen wird Reisen noch einmal sicherer.“

Das Angebot an Ländern, in die aktuell gereist werden, ist überschaubar. Aber es gibt Möglichkeiten. Auch, wenn diese kurzfristig wieder schwinden. Ein Land, das heute noch als unproblematisch gilt, kann morgen schon vom Auswärtigen Amt zum Corona-Risikogebiet erklärt werden. Lehnen sagt, er habe zuletzt für Kunden unter anderem die Karibik (Dominikanische Republik), die Malediven oder die Kanaren gebucht. Die Kunden hätten in den dortigen Hotels mit Maske ins Restaurant gehen dürfen, Buffets waren geöffnet, allerdings nicht für Selbstbedienung, am Pool war der Aufenthalt ohne Maske möglich.

Aber es gibt schon wieder neue Entwicklungen: Schaut man auf die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes (Stand: Montag, 12. April) sieht man, dass mittlerweile bei allen drei Destinationen vor „nicht notwendigen touristischen Reisen“ aktuell gewarnt wird.

Auf einer Karte des ADAC ist fast alles „Corona-Rot“, weiße Flecken gibt es nicht viele, unter anderem sind dies Australien, Neuseeland, Japan, Thailand, Laos Vietnam, Sri Lanka, Malaysia, China oder die Bahamas.

Alles ist mit Unsicherheit behaftet. Das macht Lehnen und seinen vier Mitarbeitern das Leben schwer. Verständicherweise gingen in den vergangenen Monaten viele Stornos in dem Reisebüro ein. „Das macht uns Arbeit – und wir bekommen kein Geld dafür“, nennt Achim Lehnen die Misere. „Es ist alles schwierig.“

Umsatzzahlen für sein Reisebüro mag er nicht nennen, er geht dafür auf die allgemeine Lage am Markt ein: „Die Reisebüros verzeichnen einen Umsatzrückgang von 90 Prozent.“ Die gesamte Branche hängt am Tropf der Staatshilfe. Auch Lehnen ist froh darum. „Ohne Staatshilfe ginge es überhaupt nicht, da gäbe es keine Perspektive“, macht er deutlich. „Man lebt von Tag zu Tag“, sagt er über seine Stimmungslage.

Er selbst habe als Unternehmer keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, gemeinsam mit einem Mitarbeiter bietet Lehnen weiterhin an sechs Tagen in der Woche persönliche Beratung vor Ort an, wenn auch zu eingeschränkten Zeiten.

„Ich halte die Stellung – ich habe schließlich auch Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern“, zeigt sich Lehnen kämpferisch.

Und er will nicht nur kämpfen, sondern auch hoffen. Hoffen darauf, dass es endlich wieder besser wird. Dass Lockerungen kommen. Dass aus dem aktuellen Reise-Reinfall eine unangeahnte Riesen-Reise-Lust wird.

„Ich empfehle jedem, der sich mit dem Gedanken befasst, in den nächsten Monaten zu verreisen, sich jetzt darum zu kümmern“, wirbt er um die Gunst der Kunden. „Er unterstützt damit auch sein Reisebüro“, hofft der Unternehmer auf Solidarität.

Eines sei klar: Sobald gelockert wird, gibt es vermutlich einen Ansturm auf Hotels und Herbergen. „Es hängt vieles in der Warteschleife“, sagt Lehnen. Die Menschen würden regelrecht danach gieren, wieder zu verreisen.

 Achim Lehnen
Achim Lehnen Foto: Susanne Lilischkis

Das große Aufblühen nach all der Enthaltsamkeit: Es ist den Reisebüros zu wünschen – und auch den Menschen.