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Zweibrücken: Rasender Autodieb vor Gericht

Vor der Polizei abgehauen : Rasender Autodieb vor Gericht

Am Mittwoch hat vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken der Prozess gegen einen 27-jährigen Zweibrücker begonnen, dem die Staatsanwaltschaft gleich eine ganze Reihe von Straftaten vorwirft.

Die Liste seiner Straftaten ist lang, sehr lang. Deshalb und wegen der zu erwartenden mehrjährigen Haftstrafe hatte das Amtsgericht Zweibrücken, das nur eine Strafgewalt von maximal vier Jahren Freiheitsentzug hat, das Verfahren gegen den 27-jährigen Zweibrücker gleich an das Landgericht Zweibrücken abgegeben. Hier hat sich in dieser Woche die Erste Strafkammer der Sache angenommen.

Staatsanwältin Elisabeth Schirmer warf dem Angeklagten zahlreiche Einbruchs- und Kraftfahrzeugdiebstähle und andere Delikte wie Fahren ohne Fahrerlaubnis, Brandstiftung an einem Kraftfahrzeug, Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung und Drogenbesitz vor. Zuletzt soll der junge Mann, um sich einer Verkehrskontrolle zu entziehen, in einem Pkw eine Straßensperre der Polizei durchbrochen und dabei die Beamten in Lebensgefahr gebracht haben.

Laut Anklageschrift war der junge Mann im Juli 2019 zum ersten Mal unangenehm aufgefallen, als er mit fünf Gramm Marihuana erwischt wurde. Danach soll er wiederholt mit gestohlenen Autos unterwegs gewesen sein – ohne Führerschein. So soll er in den frühen Morgenstunden des 24. Mai 2020 in Contwig einen in einem Hinterhof abgestellten Pkw im Wert von 4100 Euro geklaut haben. Zuvor soll er durch die unverschlossene Terrassentür in das Einfamilienhaus gelangt sein und den Autoschlüssel entwendet haben. Beim Verlassen des Grundstücks mit dem gestohlenen Auto, in dem er auch das Portemonnaie der Fahrzeughalterin fand, soll er die neben der Einfahrt stehende Laterne gerammt haben. Der Aufprall war so stark, dass die Straßenleuchte umkippte. Bei seiner weiteren Flucht soll er in Rieschweiler-Mühlbach die Kontrolle über das Auto verloren, von der Fahrbahn abgekommen und gegen eine Hauswand in der Hauptstraße und von da aus gegen die gegenüberliegende Hauswand in der Bahnhofstraße geschleudert sein. Danach soll er auf dem Feldweg „In der Wolfsgracht“ einen entgegenkommenden Pkw gestreift haben. Damit nicht genug: Auf der Viehweide am Beckerswäldchen in Zweibrücken soll er das gestohlene, inzwischen stark ramponierte Auto angesteckt haben. Danach war das völlig ausgebrannte Wrack, wie es in der Anklageschrift heißt, „trotz angezogener Handbremse die abschüssige Wiese heruntergerollt“ und auf ein Grundstück gestürzt, wo ein Zaun und eine Gartenlaube beschädigt wurden.

Am 24. Mai soll der junge Mann an einem in der Zweibrücker Karlstraße geparkten Auto die Überführungskennzeichen abmontiert und an seinem Pkw angebracht haben. Darin war er am 24. Juni auf einem Supermarkt-Parkplatz in der Homburger Straße in Zweibrücken von einer Polizeistreife angetroffen worden. Um sich der Kontrolle zu entziehen, startete er sein Auto und fuhr den Beamten davon. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf. Bei der wilden Hatz über mehrere Kilometer raste er über die „zu diesem Zeitpunkt hoch frequentierten Aldi- und Globus-Parkplätze“ in Homburg-Einöd, wie es in der Anklageschrift weiter hieß. So habe eine „Kundin samt Einkaufswagen zurückspringen“ müssen, um nicht von dem Fahrzeug erfasst zu werden. Mit Tempo 80 bis 100 sei er dann durch die Homburger Straße geflohen, wo er einen quer gestellten Streifenwagen umfahren und den ihn verfolgenden weiteren Streifenwagen „bewusst“ seitlich touchiert habe. Seine Flucht endete schließlich in Ernstweiler in Höhe der Albert-Schweitzer-Schule, wo er nach Verlassen das Fahrzeugs von den Polizisten festgenommen wurde.

Weil der Angeklagte vor einigen seiner Taten „berauschende Mittel“ konsumiert haben soll, bestellte die Kammer einen Psychiater zur Klärung seiner Schuldfähigkeit, wie Richterin Thomas informierte.

Der Prozess wird am 30. Dezember um 9 Uhr fortgesetzt.