Neue UBZ-Chefin Nicole Hartfelder über Ziele Ein großes Ziel ist die Energie-Neutralität

Zweibrücken · Nicole Hartfelder ist neue Chefin des UBZ. Mit dem Merkur sprach sie darüber, wie sie das Unternehmen in die Zukunft führen möchte.

 Nicole Hartfelder an ihrem Schreibtisch. Die Zweibrückerin ist seit 15. Februar neuer Vorstand des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken).

Nicole Hartfelder an ihrem Schreibtisch. Die Zweibrückerin ist seit 15. Februar neuer Vorstand des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken).

Foto: Mathias Schneck

Kommunizieren – das ist wohl mit das Wichtigste, was eine Führungskraft zu leisten hat. Nach außen hin, also gegenüber den Kunden. Wie auch nach innen, also im eigenen Betrieb. Und so ist Nicole Hartfelder seit Mitte Februar vor allem mit einem beschäftigt: zu reden.

„Ich führe seit dem 15. Februar Gespräche mit den Mitarbeitern“, sagt sie dem Merkur. Der besuchte die neue Chefin des UBZ im Verwaltungssitz an der Oselbachstraße. Der UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken) ist die mit Abstand größte städtische Tochter, gefolgt von Stadtwerken und Gewobau. Rund 200 Mitarbeiter (aktuell sind es 196) versehen beim UBZ ihren Dienst für die Bürger.

Das Aufgabenspektrum weist eine enorme Bandbreite auf. „Zunächst einmal haben wir drei Außenbereiche. Das sind der Rosengarten, die Deponie und die Kläranlage. Dann kommen hinzu: der Bauhof, also unser Gebäude an der Oselbach- und Römerstraße mit dem Fuhrpark, Stadtreinigung und Winterdienst, Abfallbeseitigung und Abwasserbeseitigung, die Friedhöfe, die Grünunterhaltung mit der Baumpflege-Kolonne, die Gewässeraufbereitung, der Hochwasser-Schutz und die Untere Naturschutzbehörde, die bei uns angesiedelt ist“, zählt die Zweibrückerin auf.

Vielfältiger könnte der Zuständigkeitsbereich kaum sein. Die Arbeit des UBZ berührt tatsächlich tagtäglich das Leben der Bürger in der Rosenstadt. Läuft alles reibungslos, was es ja fast immer tut, ist alles gut. Klemmt es einmal, sind die Menschen verärgert oder verunsichert.

Die rund 200 Mitarbeiter stehen also permanent im Blickfeld. Sie sind das wichtigste Pfund des UBZ. Und Hartfelder sucht nun, zu Beginn ihrer Tätigkeit, den Austausch mit ihnen. Nicht, dass die Mitarbeiter nicht wüssten, wer Hartfelder ist und wie sie tickt. „Ich bin mittlerweile seit 25 Jahren im UBZ“, blickt sie zurück. Die vergangenen acht Jahre als technischer Vorstand und Stellvertreterin Werner Boßlets.

Doch auch, wenn alle im Haus Hartfelder kennen: Sie ist nun die Chefin. „Und da fragt sich jeder: ,Wie geht es denn jetzt weiter? Wird sie etwas anders machen?’“, erklärt Hartfelder. Seit ihrem Amtsantritt Mitte Februar führt sie also Gespräche und beruhigt die Mitarbeiter. Warum Dinge ändern wollen, wenn alles schon gut läuft? „Der UBZ ist sehr gut aufgestellt, es muss nichts wesentlich verändert werden. Das mache ich allen deutlich. Die Mitarbeiter sind auch froh, dass jetzt nicht jemand kommt, der meint, alles umkrempeln zu müssen“, sagt sie. „Ich will das Rad nicht neu erfinden“, sagt Hartfelder. Die studierte Ingenieurin denkt praktisch-pragmatisch – und ist froh über das bestellte Feld.

Was sind ihre wichtigsten Ziele für die nächsten Jahre? Energiesparen steht oben auf der Agenda. „Es war allerdings schon immer unser Ziel, Energie zu sparen, losgelöst von den aktuellen Entwicklungen.“ Auch, wenn sich die Herausforderungen seit Anfang 2022, bedingt durch Russlands Krieg in der Ukraine, noch einmal verschärft hätten.

Hartfelder sagt, als Reaktion habe der UBZ Notstrom-Aggregate angeschafft. „Diese sind für spezifische Bereiche erforderlich, etwa für die Kläranlage oder den Bereich der Müllabfuhr. Hier sollte nicht über mehrere Tage der Strom ausfallen.“ Ferner habe der UBZ in Stromspeicher investiert, um Spitzenverbräuche abzufangen.

Die UBZ-Chefin denkt, dass die Stadt und ihre Töchter nun die Hausaufgaben gemacht haben. „Die Gefahr eines Blackouts sehe ich derzeit eher nicht“, sagt die 53-Jährige.

Photovoltaik-Anlagen sind für Hartfelder ein wichtiger Aspekt, um noch stärker Energie einzusparen. Ebenso Holzhackschnitzel. „Und eine Wärmepumpe – die ist momentan in Arbeit.“ Sie betont: „Gaszulieferungen wollen wir nur, wenn sie nicht zu vermeiden sind.“

Photovoltaik-Anlagen werde der UBZ künftig auch an der Kläranlage nutzen, das Areal werde umzäunt, in den Zaun sollen dann Module eingebaut werden. Auch auf das Gebäude der Deponie sollen solche Elemente kommen, ebenso weitere Module auf dem Bauhof entlang der Oselbach- und Römerstraße.  „Diese Maßnahmen haben wir aber schon vor dem Krieg in der Ukraine beschlossen“, sagt sie.

Ein weiteres großes Ziel für den UBZ: Energie-Neutralität.

Hier gebe es noch einiges zu tun. „Im Verwaltungsbereich haben wir diese Energie-Neutralität mittlerweile zu 50 Prozent erreicht, im Bereich der Kläranlage zu 80 Prozent.“

Es sei aber nicht sinnvoll, blind in Richtung 100 Prozent zu rennen. „Bei der Kläranlage waren wir vor sechs oder sieben Jahren bei 50 Prozent, seit dem Einbau eines Blockheizkraftwerkes haben wir nun 80 Prozent erreicht. Von 50 auf 80 Prozent – das ist gut erreichbar. Von 80 auf 100 Prozent, das wird immer schwieriger. Und es ist auch die Frage, bis wann es finanziell sinnvoll ist.“

Hinsichtlich der Kläranlage laufe gerade eine Potenzial-Analyse, die das Land zu 95 Prozent fördere. Ferner werde analysiert, inwieweit Reinigungsprozesse verbessert werden können; Stichwort: Medikamente oder Hormone im Abwasser. Diese Studie fördere das Land zu 70 Prozent.

Auch auf der Deponie ist Wichtiges geplant: Hier will der UBZ um 1,3 Millionen Kubikmeter erweitern (die letzte Erweiterung, um 2,7 Millionen Kubikmeter, fand 2017 statt). Die Erweiterung solle bis 2026 stehen, das werde dann wohl reichen für die nächsten 20 Jahre, schätzt Hartfelder. Angesichts der Inflation sei kaum abzuschätzen, wie teuer die Erweiterung werde. „2017 haben wir elf Millionen Euro investiert.“ Ferner plant der UBZ, die ersten beiden Abschnitte der Deponie stillzulegen, abzudichten und zu renaturieren.

 Nicole   Hartfelder  an ihrem Schreibtisch. Die 53 Jahre alte Zweibrückerin ist seit 15. Februar neuer Vorstand des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken). Das Unternehmen hat sie von der Pike auf kennengelernt, Hartfelder ist bereits seit 25 Jahren beim UBZ tätig.

Nicole Hartfelder an ihrem Schreibtisch. Die 53 Jahre alte Zweibrückerin ist seit 15. Februar neuer Vorstand des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken). Das Unternehmen hat sie von der Pike auf kennengelernt, Hartfelder ist bereits seit 25 Jahren beim UBZ tätig.

Foto: Mathias Schneck
Der UBZ setzt künftig noch stärker auf Photovoltaik-Anlagen. So sollen auf den Dächern des Verwaltungsgebäudes entlang weitere Module angebracht werden. Ferner ist eine Umzäunung der Kläranlage geplant, bei der der Zaun mit PV-Elementen versehen wird. Und bei der Deponie sollen solche Module auf das Gebäude installiert werden.    Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

Der UBZ setzt künftig noch stärker auf Photovoltaik-Anlagen. So sollen auf den Dächern des Verwaltungsgebäudes entlang weitere Module angebracht werden. Ferner ist eine Umzäunung der Kläranlage geplant, bei der der Zaun mit PV-Elementen versehen wird. Und bei der Deponie sollen solche Module auf das Gebäude installiert werden. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

Foto: dpa/Marijan Murat

Im Anschluss sollen dann auf einem Hektar Photovoltaik-Anlagen errichtet werden. Sie sollen 4,7 Megawatt Strom erzeugen. Hartfelder: „Wir sind gerade dabei, für dieses Vorhaben die Anträge zu stellen.“

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