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Zweibrücken: Naturschutzbeirats-Chef Herz fordert "unverbaubare Klimazonen"

Naturschutzbeirat : Herz fordert „unverbaubare Klimazonen“

Vorsitzender des Naturschutzbeirates mahnt Stadt, rasch zu handeln. Bauprojekt am Kirchberg sei viel zu groß geplant.

Zuerst einmal spricht Gerhard Herz ein Lob aus. Das kann schließlich nicht schaden. Dass sich die Stadt an dem Projekt „Klimawandel-Anpassungs-Coach“ beworben hat und schlussendlich auch zum Kreis der Teilnehmer gehörte (wir berichteten) ist für Herz, Vorsitzender des Naturschutzbeirates, eine gute Sache.

„Das ist ein ganz wichtiges Projekt und es ist sehr lobenswert, dass die Stadt mitgemacht hat“, betont Herz. Im Rahmen des Projekts seien einige wertvolle Erkenntnisse gesammelt worden. Aber das Sammeln von Erkenntnissen sei halt nur der erste Schritt.

Naturschützer Herz drängt die Stadt nun darauf, weitere Schritte zu gehen. Sprich, das Gehörte auch umzusetzen. Und ein ganz entscheidender Punkt ist für ihn das Thema Kaltluftschneisen. Herz hat in den vergangenen Wochen bezüglich des geplanten Bauprojekts am Kirchberg im Merkur auf diesen Aspekt aufmerksam gemacht.

Nun forcieren Herz und seine Mitstreiter vom Naturschutzbeirat das Tempo. Das Gremium habe in seiner jüngsten Sitzung mit sechs Ja-Stimmen (bei einem Nein) beschlossen, eine Stellungnahme zu formulieren, in der die Stadt dazu aufgerufen wird, „unverbaubare Klimazonen“ zu gewährleisten.

„Zuerst müssen diese in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden und später auch in den Regionalen Raumordnungsplan Westpfalz“, mahnt Herz.

„Unverbaubare Klimazonen“ sind für die Naturschützer solche Gebiete, die in besagten Kaltluftschneisen liegen. Diese seien von enormer Bedeutung für das Klima in Zweibrücken, sie würden, plastisch ausgedrückt, dafür sorgen, dass die Stadt „gut durchlüftet wird“.

Wer schon einmal in einem muffigen, stickigen Zimmer saß, kann sich also lebhaft vorstellen, welches Klima in einer Stadt herrscht, die schlecht durchlüftet ist.

Herz macht bei seinem Besuch in der Merkur-Redaktion anhand von Grafiken, erstellt vom Deutschen Wetterdienst, deutlich, dass diese Kaltluftschneisen etwa durch das Ernstweiler Tal gehen, durch das Bombacher Tal, das Auerbacher Tal, das Guldental, die Fasanerie – und auch durch das Gebiet am Kirchberg.

Je mehr diese Gegenden zugebaut würden, umso mehr wirke das wie ein sich immer stärker schließendes Fenster – die Durchlüftung wird nach und nach schlechter, die Klimawerte immer negativer.

„Der am schlechtesten belüftete Teil Zweibrückens ist Ixheim“, sagt Herz. Der Kirchberg befindet sich in Ixheim. Für Herz ist das geplante Bauprojekt dort viel zu groß. „Etwas über 50 Prozent der anvisierten Fläche sollte unbebaut bleiben“, macht der Naturschützer klar.

Derzeit werde ein Gutachten dazu erstellt, das müsse man abwarten, aber dass das Kirchberg-Projekt deutlich überdimensioniert sei, liegt für den Naturschutzbeirat auf der Hand.

Aber der Kirchberg sei in Sachen Kaltluftschneisen nur ein Mosaikstein. Herz geht es um eine grundsätzliche Sensibilisierung.

„Zweibrücken hat für den Klimaschutz gute Voraussetzungen“, weiß er und greift wieder zu seinen Wetterdaten. Da sei die Grünachse, die eine günstige Lage aufweise und eben die Kaltluftschneisen, die „besonders in der Nacht wirksam sind“, so Herz. „Die vor allem nachts einfließende, schwerere Kaltluft verdrängt die leichtere, mit Schadstoffen und Feinstaub beladene Stadtwarmluft“.

Das müsse den Verantwortlichen im Rathaus deutlich werden. Es handele sich nicht um Klimaschutz-Spielereien, sondern um bedeutende Prozesse, die darüber entscheiden, wie das Klima in einer Stadt ist.

„In vorbeugender Sicherung müssen alle Kaltluftschneisen mit ihren Kaltluftentstehungsgebieten und unsere Grünachse auf Dauer erhalten werden. Die Stadtverwaltung Zweibrücken wird aufgefordert, diese für den Klimaschutz erforderlichen Gebiete als ,unverbaubare Klimazonen’ festzuhalten und für die Zukunft zu sichern“, zitiert Herz aus der Stellungnahme des Naturschutzbeirates, die der Stadt zugestellt worden sei.

Gerhard Herz steht dem Naturschutz- beirat vor. Foto: pm

Herz, der in seinem aktiven Berufsleben als Arzt tätig war, macht deutlich: „In Sachen Klimaschutz gilt ein Leitsatz, der bereits seit Jahrhunderten auch für das ärztliche Handeln gilt: Vorsorge ist besser als Heilen.“