Experten haben gezählt Überall lassen sie sich nieder: Wie sich gewitzte Krähen in Zweibrücken breitmachen

Zweibrücken · Experten zählen aktuell 1207 Saatkrähen-Horste in Zweibrücken, aufgeteilt in sieben Kolonien. Dabei haben sich die Vögel bislang auch nicht von Arbeitern aus der Ruhe bringen lassen.

 An einer Brücke am Bleicherbach stürzen sich die Krähen auf ein paar Brotkrumen eines Spaziergängers Foto: Mathias Schneck

An einer Brücke am Bleicherbach stürzen sich die Krähen auf ein paar Brotkrumen eines Spaziergängers Foto: Mathias Schneck

Foto: Mathias Schneck

„Krähen, wollt Ihr ewig krächzen?“ Diese Frage, die der Pfälzische Merkur vor einigen Jahren einmal leicht spöttelnd stellte – angesichts des stetig wachsenden Auftriebs in der Allee in Zweibrücken – haben die Krähen längst beantwortet. Das pechschwarze, blitzgescheite Federvieh hat nämlich Fakten geschaffen und sich von Jahr zu Jahr munter weiter vermehrt.

Nicht nur in der Allee ist der Bestand kontinuierlich gewachsen. Die Saatkrähen haben weitere Kolonien in der Rosenstadt gebildet, so dass es mittlerweile von vielen Bäumen munter krächzt.

Der UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken) hat ein waches Auge auf die Tiere. Die städtische Tochter ist mit ihrer Baumkolonie zum einen etwa für die Pflege der Bäume in der Allee zuständig und von daher bereits regelmäßig mit den Saatkrähen konfrontiert. Und dann ist beim UBZ die Untere Naturschutzbehörde angesiedelt, so dass der Umweltbetrieb auch von dieser Seite aus das Treiben der flatterhaften Wesen stets im Blick hat.

Auf Anfrage, wie der Stand der Dinge in Sachen Saatkrähen sei, erklärt der UBZ: „Im letzten Jahr wurden im Stadtgebiet 1207 Horste in siebn Kolonien (Schwarzbach-Allee wird dabei als eine Kolonie zusammengefasst) erfasst, wobei die Anzahl der Horste nicht gleichzusetzen ist mit Brutpaaren, da bei der Erfassung von unten nicht zu erkennen ist, ob tatsächlich jeder Horst besetzt ist.“

In der Allee sei 2021 ein Rückgang zu verzeichnen gewesen: Die Mitarbeiter des Umweltbetriebs zählten 70 Horste weniger. Das kam allerdings nicht zufällig: Dieser Rückgang sei auf „Schnittmaßnahmen und damit die Entfernung von 421 Horsten in den Bäumen im Bereich der Rosengartenstraße zwischen Gutenberg- und Saarlandstraße zurückzuführen“, erklärt das Unternehmen.

Zwar hätten die Krähen, kaum dass die sie störenden Arbeiter gegangen seien, erneut mit dem Bau von Horsten begonnen; „aber insgesamt war die Besiedlung in diesem Abschnitt im Jahr 2021 deutlich geringer als in den Vorjahren“, bilanziert der UBZ.

Die Krähen, die die Allee verließen, haben allerdings mitnichten der Rosenstadt den pechschwarzen Rücken gekehrt. Sie zogen lediglich einige Bäume weiter, hält der UBZ fest. Die Brutvögel seien auf die Allee auf der Gestütsseite und vor dem Rosengarten ausgewichen, zudem hätten sie „drei neue Splitterkolonien“ gegründet. Und zwar in den Bäumen am Awo-Seniorenheim nahe der Allee, am wenige Meter entfernten Hilgardplatz sowie in der Wackenstraße. 

Befragt, ob und wenn ja welche Schnittarbeiten der UBZ in der nächsten Zeit durchführen wird (wegen des strengen Schutzes, unter dem die Saatkrähen stehen, müssen solche Arbeiten zuvor von der Genehmigungsbehörde SGD Süd in Neustadt an der Weinstraße genehmigt werden) erklärt der UBZ: „In dieser Wintersaison wird gerade aktuell und selbstverständlich mit Genehmigung der SGD Süd der Allee-Abschnitt der Gestütsallee zwischen Gutenbergstraße und Saarlandstraße beschnitten. Die Horste werden hier bis in den Februar im Rahmen der Schnittmaßnahmen an den Platanen entnommen. Die Saatkrähen werden dann vermutlich wieder verstärkt in der Rosengartenstraße bauen.“

Wie groß die Winterpopulation in Zweibrücken ist, ob manche der Tiere also (etwa am etwas wärmeren Rhein) überwintern, sei nicht bekannt, erklärt der UBZ. „Die Winterpopulation unterscheidet sich im Normalfall von der Sommerpopulation, weil die Saatkrähen als Kurzstrecken-Zügler von Norden nach Süden ziehen.“