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Rätselraten über AfD-Hochburg Niederauerbach : Vereine planen Aktionen für kulturelle Offenheit

Aus Empörung über das gute Wahlergebnis der AfD in dem Zweibrücker Stadtteil stand der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Niederauerbacher Vereine, Thorsten Gries, kurz vor dem Rücktritt. Gries und der AG-Vorstand haben sich nach einer Diskussion aber für einen anderen Weg entschieden.

Das starke Abschneiden der AfD bei der Zweibrücker Stadtratswahl in Niederauerbach hat dort auch für Erschütterungen in der Vereinswelt gesorgt.

Am 27. Mai, am Tag nach der Ratswahl, kündigte der Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Niederauerbacher Vereine“, Thorsten Gries, seinen Rücktritt an: „Sollte sich bewahrheiten, dass die rechtspopulistische AfD in Niederauerbach eine große Wählerschaft gefunden hat, werde ich mein Amt als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Niederauerbacher Vereine zur Verfügung stellen.“ Gries’ Begründung: „Ich bin nicht gewillt, mich ehrenamtlich für eine Gemeinschaft einzusetzen und für diese zu streiten, wenn diese in hohem Maße populistisches und nationalistisches Gedankengut wählt und vertritt. Ich war immer der Meinung, dass wir in Niederauerbach eine offene und herzliche Art des Miteinanders pflegen und wurde heute wohl eines Besseren belehrt. Ich weiß nicht, was so viele Wählerinnen und Wähler in unserem Dorf dazu bewegt hat, kommunalpolitisch diesen nationalpopulistischen Weg zu gehen, ich werde dies nicht vertreten. Eines kann ich hier anfügen, zu dem ich als Niederauerbacher stehe, ich war immer für die Gemeinschaft da.“

Tatsächlich bestätigte das amtliche Endergebnis dann Gries’ Befürchtungen: Niederauerbach ist AfD-Hochburg. Insgesamt kam die Alternative für Deutschland bei der Stadtratswahl auf 9,2 Prozent – das beste Ergebnis in den elf Wahlbezirken erzielte die AfD dabei in Niederauerbach und Ixheim mit jeweils 12,9 Prozent. Doch wahrgemacht hat Gries seine Rücktritts-Ankündigung nicht. Auf Facebook – wo Gries viel Verständnis für seinen Unmut erntete, aber gleichzeitig auch bekniet wurde, weiterzumachen – ließ Gries sein weiteres Vorgehen bis heute offen.

Der Merkur hat deshalb bei Gries nachgefragt, was aus der Sache geworden ist. Ergebnis: Der 47-Jährige ist weiter Vorsitzender der AG Niederauerbacher Vereine geblieben, obwohl das gute AfD-Wahlergebnis „mir gewaltig gestunken hat“. Ein einfaches „Weiter so“ soll es aber nicht geben. Gries berichtet: „Wir haben in der AG darüber diskutiert. Ich habe deutlich gesagt: Wir sind eine große Vereinsgemeinschaft, viele von uns sind auch irgendwo in der Kommunalpolitik tätig, in verschiedenen Parteien, ich in der SPD, Christina Rauch in der CDU, Ingrid Kaiser in der FDP – keiner konnte verstehen, warum es gerade in Niederauerbach, wo es auch keine sozialen Brennpunkte gibt, die AfD aus heiterem Himmel bei der Stadtratswahl 13 Prozent holt. Das hat uns alle betroffen gemacht.“ Das Ergebnis der Diskussion sei dann gewesen: „Momentan wird sich in der Vorstandschaft nichts ändern – aber wir bleiben an dem Thema dran und möchten mit Vereinen die eine oder andere Aktion starten, um zu zeigen, dass wir in Niederauerbach kulturell offen sind und auch Leute aus fremden Kulturen integrieren.“

Seine Rücktrittsankündigung auf Facebook bereut Gries nicht: „Man muss ab und an mal auch ein bisschen poltern, um zu provozieren und den einen oder anderen wachzurütteln, was eigentlich im Moment passiert.“

Der einzige rundweg ablehnende Kommentar zu Gries Rücktritssandrohung kam auf Facebook vom neuen AfD-Stadtrat Walter Bucholz: „Toll, dass Sie die Maske haben fallen lassen“, schrieb Buchholz an Gries, der auch stellvertretender SPD-Fraktionschef im Stadtrat ist. Buchholz vermutet, Gries sei vor allem deshalb so sauer, weil das schlechte SPD-Ergebnis seinen Beigeordneten-Ambitionen (wir berichteten) schade. Buchholz meint: „Anscheinend hat der Wähler auch in Niederauerbach die Nase voll von Kungelpolitik, so praktiziert seit 70 Jahren. Otto Normalverbraucher stand bei der SPD in ZW nicht so sehr im Vordergrund, wie von Ihnen bekundet wurde, siehe Verschuldung, marode Straßen etc.. Jetzt aber diesen Wähler, Ihren Souverän, der Sie überhaupt erst in das Amt brachte, zu beschimpfen zeugt von einem unterentwickelten Demokratieverständnis. Sie sollten sich hierfür schämen und bei Ihren Wählern entschuldigen.“