1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Zweibrücken kommt am besten durch Corona-Krise in Süd- und Mitteldeutschland

Über Weihnachten sogar bundesweit niedrigste Corona-Inzidenzzahl : Zweibrücken kam in ganzer Südhälfte Deutschlands am besten durch das Corona-Jahr 2020

Nirgendwo sonst in Mittel- und Süddeutschland gab es im Verhältnis zur Einwohnerzahl so wenig „Covid 19“-Infektionen wie in der Rosenstadt. Weihnachten hatte Zweibrücken sogar die niedrigste Inzidenzzahl der ganzen Republik.

Die Corona-Krise hat 2020 auch in Zweibrücken das Leben einschneidend geprägt. Doch in diesem Dunkel gibt es auch helles Licht: Zweibrücken hatte dieses Jahr die in Relation zur Einwohnerzahl geringsten Infektionszahlen in der gesamten Südhälfte Deutschlands.

Laut einer Merkur-Analyse der RKI-Zahlen gab es bis 27. Dezember (Stand 0 Uhr) in Zweibrücken dieses Jahr 329 Covid-19-Infektionen. Umgerechnet waren das 962,2 Fälle pro 100 000 Einwohner. Damit steht südlich des auf Höhe Göttingen gelegenen Landkreises Nordhausen (905,1) keine Gebietskörperschaft besser da als Zweibrücken. Wobei es im thüringischen Nordhausen 15 Corona-Tote gab, in Zweibrücken nur zwei. Relativ gute Zahlen haben auch der Kreis Südwestpfalz (1130 Infektionen pro 100 000 Einwohner) und die Stadt Pirmasens (1150,9) – allerdings sind sie nicht wie Zweibrücken und Nordhausen in der nur für die niedrigsten Fallzahlen vergebenen Kartenfarbe weiß.

Eine frohe Botschaft für Zweibrücken gab es auch zu Weihnachten: Da war Zweibrücken nämlich sogar bundesweit Spitzenreiter. Laut der RKI-Übersicht vom 25. Dezember (0 Uhr) hatte Zweibrücken mit 32,2 die niedrigste Inzidenzzahl (Neuinfektionen pro 100 00 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) in ganz Deutschland. Sämtliche anderen Gebiete mit relativ niedrigen Zahlen waren weit weg in Norddeutschland.

Am 26. Dezember sank laut Landesuntersuchungsamt die Corona-Inzidenzzahl in Zweibrücken sogar auf 29,2. Damit war Zweibrücken wie schon am Vortag das einzige Gebiet unter den 36 kreisfreien Städten und Landkreisen in Rheinland-Pfalz, die im rheinland-pfälzischen Corona-Risikostufensystem in die niedrigste Stufe „Warnzone gelb“ (sie gilt bei Inzidenzzahl unter 35) rutschte. Am Sonntag (27. Dezember, 11.40 Uhr) lag Zweibrücken mit 35,1 dann wieder ganz knapp in der „Gefahrenstufe orange“.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) sagte am Sonntag auf die Merkur-Frage nach den Gründen dafür, dass Zweibrücken bislang so überdurchschnittlich gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist: „Da gibt es vermutlich eine Mischung von Faktoren.“ Die Menschen in Zweibrücken hätten sich „weitestgehend sehr gut an die Regeln gehalten“, lobte Wosnitza. Eine weitere Rolle spiele die sehr gute Zusammenarbeit zwischen DRK, Zweibrücker Ärztenetz, Stadtverwaltung und Gesundheitsamt Südwestpfalz. Entscheidend könne zudem gewesen sein, dass Zweibrücken früher als etliche andere Kommunen Anti-Corona-Maßnahmen ergriffen habe. So habe Zweibrücken schon früh mit Vorbereitungen begonnen, als Covid 19 noch nicht in Deutschland festgestellt war, „in Frankreich und Italien die Anzeichen aber schon deutlich waren, das es auch bei uns gefährlich werden kann“. Auch Corona-Testcenter und Fieber-Ambulanz habe Zweibrücken relativ früh eingerichtet. Besonders lobte Wosnitza auch das konsequente Coronaschutz-Management der Zweibrücker Seniorenheime, die andernorts oft große Infektionsherde waren.

Wosnitza gab aber zu bedenken, dass auch Zweibrücken in der Corona-Pandemie noch nicht über den Berg ist und man bei den Hygiene-Maßnahmen nicht nachlassen dürfe. Die aktuell niedrigen Corona-Zahlen im Deutschland-Vergleich (am Sonntag noch Platz 5) seien zwar sehr erfreulich – aber der OB erinnerte, dass Inzidenzzahlen wie aktuell im Dreißiger-Bereich vor einigen Monaten noch (aus guten Gründen) als beunruhigend hoch galten. Und ein unvorsichtiger „Superspreader“ könne die Zweibrücker Zahlen schnell wieder zum Kippen bringen.

Auch in der Zweibrücker Nachbarschaft sind die Neuinfektions-Zahlen derzeit viel höher. Das Landesuntersuchungsamt stuft den Landkreis Südwestpfalz mit einer Inzidenz von 151,6 aktuell (Stand 27.12., 11.40 Uhr) weiter in der „Alarmstufe rot“ ein. Der Kreis Südwestpfalz liegt mit 73,8 in der „Gefahrenstufe orange“.

Nach aktuellem Stand (Sonntag, 11.00 Uhr) haben sich im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts Südwestpfalz im Zeitraum vom 24. bis 27. Dezember insgesamt 99 weitere Covid-19-Fälle bestätigt, teilte die Kreisverwaltung mit. Diese 99 Neuinfektionen verteilen sich wie folgt: Pirmasens 39, Verbandsgemeinde Rodalben 15, Zweibrücken 14, VG Thaleischweiler-Wallhalben 9 (2 Rieschweiler-Mühlbach, 2 Weselberg, 1 Reifenberg, 1 Saalstadt, 1 Schauerberg, 1 Thaleischweiler-Fröschen, 1 Wallhalben), VG Zweibrücken Land 7 (5 Riedelberg, 1 Althornbach und 1 Hornbach), VG Dahner Felsenland 6, VG Waldfischbach 4, VG Pirmasens-Land 3, VG Hauenstein 2. Wegen eines Systemupdates seien einige über die Feiertage aufgelaufenen Fälle wie zuvor abgesprochen erst am Sonntag an das Landesuntersuchungsamt gemeldet und teils korrigiert worden, erläutert die Kreisverwaltung.

Drei Tote: Über Weihnachten gab es auch wieder sehr traurige Nachrichten. Heiligabend meldete die Kreisverwaltung den Tod einer Frau aus dem Dahner Felsenland „mit einer Corona-Infektion“, am 26. Dezember den Tod zweier Frauen aus Pirmasens „an den Folgen des Corona-Virus“. Landrätin Susanne Ganster (CDU): „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen. Wir wünschen Ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit.“ Nähere Angaben zu dem Toten machte die Kreisverwaltung nicht.

Ergebnisse von Ermittlungen vorliegender und neuer Fälle betrafen Heiligabend auch Seniorenheime: Im Haus Bethesda in Thaleischweiler-Fröschen und im Haus Edelberg in Rodalben wurde je eine Person positiv getestet. Im Seniorenheim der Awo in Pirmasens wurden 17 Corona-Infektionen festgestellt. Auch im Seniorenheim in der Steinstraße in Pirmasens wurden drei Infektionen nachgewiesen. Infektionsherde an den weiteren Tagen nannte die Kreisverwaltung nicht.

Weißer Fleck auf der Landkarte: Zweibrücken hatte 2020 südlich von Nordhausen (beide Gebiete rot umrandet) bislang die niedrigsten Corona-Infektionszahlen pro Kopf in ganz Süd- und Mitteldeutschland. Foto: Robert-Koch-Institut/PM-Screenshot RKI-Dashboard

Was tun bei Corona-Verdacht? Das Gesundheitsamt Südwestpfalz empfiehlt Personen mit Symptomen, sich umgehend telefonisch bei ihrem Hausarzt, bei der Hotline (0 63 31) 809-750 oder der landesweiten (0800) 99 00 400 zu melden. Terminvereinbarung für die Zweibrücker Corona-Teststation auf www.drk-corona.de oder von 8 bis 11 Uhr per Tel. (0 63 32) 97 13 20.