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Zweibrücken kauft mobile Luftreinigungsgeräte für Schulen und Kitas

Stadtrat einstimmig, aber teils nachdenklich für mobile Luftfilgergeräte für Zweibrücker Kitas und Schulen : „Wir wollen ja keine Keimschleudern“

Nach langem früheren Streit hat der Stadtrat einstimmig den Kauf mobiler Luftfiltergeräte für 150 Zweibrücker Kita- und Schul-Räume beschlossen. Um sicherzugehen, dass die Filter nicht verkeimen, sind Laboruntersuchungen geplant.

Ende gut, alles gut? Der Stadtrat hat nach sechs Monaten teils hitziger Diskussionen einstimmig einstimmig beschlossen: Alle städtischen Kita- und Schulräume für unter Zwölfjährige in Zweibrücken werden mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausgestattet.

Doch Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD), der den konkreten Vorschlag zusammen mit seinen Stadtvorstandskollegen Christian Gauf und Christina Rauch (beide CDU) selbst in den Rat gebracht hatte, mahnte dort bereits, mit den Geräten richtig umzugehen: „Auf gar keinen Fall darf auf das Lüften verzichtet werden. Darauf müssen wir achten, sonst gibt es einen Gegeneffekt.“ Die von Schuldezernentin Rauch und Finanzdezernent Bürgermeister Gauf unterzeichnete Beschlussvorlage erläutert hierzu: „Die mobilen Geräte beseitigen nicht die sich in einem Raum durch Atmung anreichernde Luftfeuchte, das Kohlendioxid und weitere chemische Gase aus Mobiliar und Bauprodukten.“ Daher müsse weiter „regelmäßig gelüftet werden“.

Zwar seien mobile Luftfiltergeräte zum Coronaschutz in gut lüftbaren Räumen „verzichtbar“, erläutert die Verwaltungsvorlage unter Berufung auf das Bundesamt. Allerdings lasse sich damit auch in solchen Räumen wie in den nun auszurüstenden 110 Zweibrücker Unterrichtsräumen und 40 Kita-Gruppenräumen (einige benötigen zwei Geräte) „ein Zusatznutzen hinsichtlich der Reduzierung der Virenlast erzielen, insbesondere wenn die Lüftungsroutine und die Umsetzung der Abstands- und Hygieneregeln aufgrund des Alters der Kinder nicht konsequent umgesetzt werden kann“. Hinzu komme, dass die unter Zwölfjährigen derzeit noch nicht geimpft werden dürfen.

Die FDP-Fraktionschefin und pensionierte Lehrerin Ingrid Kaiser sagte, dass dank der Geräte das Fenster-Aufreißen wieder auf die Pausen beschränkt werden könne, sei vor allem im Winter „ganz wichtig“, der Unterricht werde so auch nicht mehr gestört.

Der Liefer-Auftrag geht für knapp 119 000 Euro an die Firma N. Toussaint (Kleinblittersdorf). Der teuerste von drei angefragten Bietern für die Geräte des Typs „Westfalia Airdisinfector“ lag bei 319 000 Euro. Der Preisverfall (Anfang März ergab eine Markterkundung fünfeinhalb Mal so hohe Preise) war der Grund, warum der Stadtvorstand seine ablehnende Haltung geändert hatte (wir berichteten).

Auf Frage von AfD-Fraktionschef Harald Benoit nach den kirchlichen Kitas erklärte Wosnitza, falls diese auch Geräte kaufen wollten, habe der Lieferant zugesichert, diese zu den gleichen günstigen Konditionen zu liefern. Wie hoch sind die Folgekosten, fragte Thomas Körner (FWG). Rudolf Hartmann vom Bauamt sagte, man müsse jährlich neue Filter für 120 Euro pro Gerät kaufen, der Wechsel sei ganz einfach selbst zu erledigen. Die Geräte seien „mehr oder weniger wartungsarm“.

Zweifel von Bürgernah-Fraktionschef Dirk Schneider an Sicherheit, Wirksamkeit und Lautstärke des Geräts (36 Dezibel) wies die Verwaltung zurück. Es entspreche den Umweltbundesamts-Richtlinien.

Grünen-Fraktionschef Norbert Pohlmann sagte, es sei gut gewesen, vor einer Entscheidung diese lange zu prüfen, zumal die Geräte nun günstiger geworden seien und schnell verfügbar.

Bernd Henner (geb. Ringle), Fraktionschef von Die Partei – Die Linke, begrüßte die Entscheidung grundsätzlich zwar sehr, die Geräte seien „eine tolle Ergänzung zum Lüften“. Und Henner regte sogar an, in einem zweiten Schritt auch Räume für ältere Schüler damit auszurüsten. Der und Gesundheitsexperte warnte aber, „über die Wartung nicht schnell hinwegzusehen“. Denn Filter seien „anfällig für Keime und Biofilm“. Er riet deshalb, „die Expertise vom Gesundheitsamt anzufordern, ob wir alles richtig machen“. Nach seinem Wissensstand drohe bei solchen Geräten bei nicht richtiger Nutzung „eine relativ schnelle Verkeimung – in Kitas und Schulen wollen wir ja keine Keimschleudern“. Oberbürgermeister Wosnitza griff die Bedenken Henners auf und erklärte spontan, vor der 12-Monate-Austauschempfehlung des Herstellers einige Filter früher austauschen und labortechnisch untersuchen lassen zu wollen.

SPD-Fraktionschef Stéphane Moulin begrüßte dies. Auch bei der Geräuschentwicklung gelte es, „praktische Erfahrungen zu sammeln“. Der Einsatz der Geräte sei wichtig „für die, die am allerweitesten von der Impfung entfernst sind“.

CDU-Vizefraktionschef Pascal Dahler sagte: „Wir sind einfach froh, dass wir heute beschließen können.“ Anders als Pohlmann und auch Moulin fand er aber: „In Pandemie-Lagen müssen manchmal Entscheidungen getroffen werden, statt sie rauszuzögern.“

Bürgernah hatte schon im Dezember einen ersten Antrag für technische Coronaschutzmaßnahmen in Schulen gestellt, CDU und SPD zwei weitere Anträge im Februar, wie die Redner dieser Fraktionen erinnerten. Strittig war lange auch unter den Befürwortern, ob schnell installierbare mobile Luftfiltergeräte oder wesentlich teurere, aber deutlich effektivere Lüftungsanlagen installiert werden sollen.