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Zweibrücken: IG Metall sieht Kranbauer Tadano in ernster Gefahr

IG Metall tief besorgt : „Bei Tadano brennt’s“

„Schutzschirmverfahren“: Das klinge eigentlich gar nicht so extrem gefährlich. Das sei ein Trugschluss, warnt die IG Metall. In Wirklichkeit stehe das Zweibrücker Traditions-Unternehmen „vor einem unglaublich bedrohlichen Szenario“, sorgt sich Gewerkschafter Peter Vollmar.

Tadano-Demag in Zweibrücken steht vor einer der größten Herausforderungen in seiner Geschichte. Bis ins Jahr 1827 zurück reichen die Wurzeln des Unternehmens, einst als Dinglerwerke gegründet. Fast 200 Jahre stolze Handwerkskunst.

Doch nun ist die Lage ernst. Äußerst ernst. Und Peter Vollmar, eigentlich ein ganz unaufgeregter, nüchterner Gewerkschafter sagt: „Bei Tadano brennt’s“.

Er wird auf dieses Bild – ein Traditionsbetrieb in Flammen – noch öfter zurückgreifen müssen bei seinem Besuch in der Merkur-Redaktion.

Unserer Zeitung bat Vollmar, zweiter Bevollmächtiger und Geschäftsführer der IG Metall Homburg-Saarpfalz, um seine Sicht der Dinge in Sachen Tadano.

Wie bereits berichtet, hat Tadano ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Am 8. Oktober reichte die Unternehmensführung den Antrag beim Amtsgericht Zweibrücken ein. Und seitdem steht die Welt der rund 1600 Beschäftigten in den beiden Tadano-Werken in Zweibrücken (Innenstadt und auf dem Wallerscheid) Kopf.

„Das kam völlig überraschend. Wie aus heiterem Himmel“ blickt Vollmar zurück. „Ich habe die Nachricht, dass Tadano ein Schutzschirmverfahren beantragt hat, vom Pfälzischen Merkur erfahren“, macht der Gewerkschafter deutlich, dass auch er komplett überrascht worden sei, dass nichts auf diese derart ernste Lage vorab hingewiesen habe. Auch,wenn man gewusst habe, dass die Lage bei dem Kranbauer alles andere als rosig sei.

„Nun brennt es bei Tadano. Wir müssen schauen, dass wir gemeinsam diesen Brand löschen. Alle Beteiligten sind gefragt“, macht Vollmar deutlich. Unternehmensführung, Mitarbeiter und Gewerkschaft.

Eines sei klar „Wenn es brennt, muss gelöscht werden. Es werden Schäden durch das Löschwasser entstehen. Wie groß die sein werden, kann man derzeit unmöglich sagen.“

Auch wenn Vollmar „völlig überrascht wurde von dem Schutzschirmverfahren“, will der Gewerkschafter Tadano deswegen keine Vorwürfe machen.

Er könne aus Sicht des Unternehmens diese extreme Zurückhaltung verstehen. „Ab dem Zeitpunkt, ab dem das Schutzschirmverfahren vor Gericht ist, bedeutet das: Alle Zahlungen werden gestoppt. Kein Geld geht mehr raus. Wäre da im Vorfeld etwas an die Öffentlichkeit gedrungen, wären viele Geschäftspartner aufgeschreckt. Von daher kann ich nachvollziehen, dass Tadano hier äußerste Zurückhaltung geübt hat“, sagt Vollmar. „Aber dass auch der Betriebsrat nicht involviert wurde . . .“ schüttelt der Metaller den Kopf darüber, dass Tadano auch die Mitarbeiter-Vertreter völlig außen vor gelassen habe.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sehe sicher anders. Und gerade jetzt brauche es doch diese vertrauensvolle Zusammenarbeit. Weil, wie gesagt, gemeinsam der Brand gelöscht werden muss.

Wie ist denn der momentane Stand bei Tadano? „Bis 31. Dezember bekommen die Mitarbeiter Insolvenzgeld“, sagt Vollmar. Eine Bank trete in Vorleistung und zahle dieses Geld, das offiziell erst im Januar gezahlt würde, an die knapp 1600 Mitarbeiter aus. Diese hätten dafür ihre Ansprüche auf das im Januar zu zahlende Insolvenzgeld an die Bank abgetreten. Was dazu führt, dass diese vorfinanzierende Bank zu einem Gläubiger wird, der bei dem Schutzschirmverfahren ein Wort mitzureden hat, erläutert der Gewerkschafter.

Die Insolvenz-Ordnung sehe vor, dass Tadano gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und der Gewerkschaft bis Ende 2020 eine Lösung finden muss, wie das Unternehmen künftig weiter geführt werden könnte.

In einem ersten Schritt müsse das Management dem Gericht nun plausibel begründen, wie dies geschehe könne, es bedürfe eines vernünftigen Konzeptes. In einem zweiten Schritt müssten die Gläubiger diesem Konzept zustimmen – diesbezüglich tage dann ein vorläufiger Gläubigerausschuss. Und im dritten Schritt müssen auch die Arbeitnehmer ihr Einverständnis erklären.

„Die Gläubiger werden Abstriche machen müssen“, stellt Gewerkschafter Vollmar klar. Anders gehe es nicht. Allerdings gelte dies auch für die Arbeitnehmer. „Die Konsequenzen für die Arbeitnehmer sind heftig. Für sie gelten Kündigungsfristen von nur noch drei Monaten.“

Vollmar räumt ein, dies sei sogar „megaheftig“. Und wenn Abfindungen gezahlt würden, seien diese bescheiden. „Dann gibt es – maximal – 2,5 Monatsgehälter“, sagt er.

Allerdings dürfe Tadano den Topf für die Zahlung möglicher Abfindungen nur soweit auffüllen, dass höchstens ein Drittel der gesamten Insolvenzmasse in dem Topf sei.

„Es ist verdammt wenig“, räumt Vollmar ein. Aber so seien die gesetzlichen Regeln.

Was ist, wenn die oben genannten drei Schritte zu einer gemeinsamen Lösung nicht in der knappen Zeit bis Ende 2020 geschafft werden?

„Dann ist das Schutzschirmverfahren gescheitert. Und das reguläre Insolvenzverfahren tritt in Kraft.“ Und das könne letzten Endes gar dazu führen, dass bei Tadano die Lichter ausgehen. Vollmar will niemanden Illusionen machen: „Es ist ein unglaublich bedrohliches Szenario“, sagt er. „Eine Nicht-Einigung hätte verheerende Konsequenzen.“

Von daher passt ihm der Name „Schutzschirmverfahren“ auch nicht so richtig. Das Wörtchen „Schutz“, das dort mitschwingt, verleite manchen zu falschen Annahmen. Nämlich, dass es einen „Schutz“ gebe, dass alles nicht so arg schlimm sei.

„Schutz“ – den gibt es nur für die Unternehmensführung. „Bei einem normalen Insolvenzverfahren würden sie verjagt, weil sie ihre Arbeit nicht gut gemacht haben und ein Insolvenzverwalter würde das Ruder übernehmen. Beim Schutzschirmverfahren darf das Management – vorerst – noch bleiben“, erklärt der Gewerkschafter.

Peter Vollmar ist Geschäftsführer der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Foto: IG Metall Saarpfalz
Mit der Übernahme von Terex durch Tadano hat man sich damals auch im Rathaus eine sichere Zukunft für den Standort gewünscht und beim Besuch des Tadano-Chefs die japanische Flagge gehisst. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Der Metaller hofft, dass eine Einigung zum Jahresende hin gelingt. „Tadano soll überleben. Mit soviel Beschäftigten wie irgend möglich.“ Auf Überlegungen, wie viele Mitarbeiter womöglich gehen müssen, will sich Vollmar nicht einlassen. Ziel sei, so viele Arbeitsplätze wie nur irgendwie machbar zu erhalten.