1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Zweibrücken: Gläubiger stimmen mit 99,48 Prozent für Erhalt von Tadano-Demag

Insolvenzverfahren: Abstimmung in der Festhalle Zweibrücken : Gläubiger stimmen mit 99,48 Prozent für Erhalt von Tadano-Demag

Tadano-Demag soll weiterleben. Ebenso der Standort in Lauf. Dank ihres überwältigenden Votums für die Fortführung sehen die Gläubiger zumindest rund zehn Prozent ihres Geldes wieder. Auch das Sanierungskonzept dürfte sie überzeugt haben.

Um 16 Uhr wurde das Ergebnis verkündet. Es fiel überraschend deutlich aus: 99,48 Prozent der Gläubiger wollen, dass das Zweibrücker Traditionsunternehmen Tadano-Demag fortgeführt wird. Mit einer derart breiten Unterstützung durch nahezu alle Gläubiger hatte im Vorfeld der Gläubigerversammlung in der Festhalle in Zweibrücken kaum jemand gerechnet – auch, wenn sich das Management des Kranbauers zuletzt im Pfälzischen Merkur zuversichtlich gezeigt hatte.

Frank Schättle, Personalchef von Tadano-Demag, erklärte im Anschluss an die Gläubigerversammlung auf unsere Anfrage hin, dass von den rund 1200 Gläubigern, die Forderungen gegenüber dem Zweibrücker Kranbauer hatten, am Donnerstag 55 persönlich in der Festhalle erschienen waren. Coronabedingt wäre noch Platz für etwas mehr gewesen, es hätten maximal 65 Gläubiger kommen dürfen.

Die große Mehrzahl machte folglich von der Möglichkeit Gebrauch, sich mittels Vollmacht in der Festhalle vertreten zu lassen. Die 1200 Gläubiger vereinigten auf sich laut Schättle insgesamt Forderungen von rund 130 Millionen Euro.

Lediglich sechs Gläubiger hätten mit Nein gestimmt. Die Gründe hierfür konnte der Personal-Manager nicht benennen. Aber letzten Endes fielen diese sechs Stimmen nicht ins Gewicht angesichts des überwältigenden Ja-Votums.

Schättle wies daraufhin, dass bei der Abstimmung (im Fall der Fälle) nicht nur eine Kopf-Mehrheit relevant gewesen wäre, sondern auch eine Summen-Mehrheit. Heißt: Die Gläubiger mussten sowohl von der Kopfzahl her also auch von der Summe, die sie an Forderungen auf sich vereinigten, die Mehrheit bilden. Aber das ist Theorie. Die Praxis ergab ein glasklares Ergebnis, das natürlich auch den Personal-Manager erfreute.

99,48 Prozent für die Fortführung von Tadano-Demag – dieses Ergebnis ist gewiss auch nicht zuletzt dem Fakt geschuldet, dass die Quote – also die Höhe der Kompensation an die Gläubiger – in diesem Fall laut Sanierungsplan die attraktivste war.

Rund 10,7 Prozent stellte dieses Papier für den Fall der Fortführung den Gläubigern in Aussicht. Für den Fall einer Zerschlagung des Zweibrücker Kranbauers ging der Sanierungsplan von einer Quote in Höhe von lediglich rund 5,99 Prozent aus. Und für den Fall, dass die Gläubiger einen Verkauf des Unternehmens forciert hätten, ließ das Papier offen, ob dann überhaupt eine Quote darstellbar sei (wir berichteten).

Nicht nur über den Sanierungsplan für Tadano-Demag hatten die Gläubiger am Donnerstag in der Festhalle abzustimmen. Auch für das Schwester-Unternehmen Tadano-Faun musste votiert werden. Über dieses war gleichfalls Anfang Januar vom Amtsgericht Zweibrücken das Schutzschirmverfahren nach formaler Prüfung der Sanierungspläne eröffnet worden.

Für den Sanierungsplan von Tadano-Faun fiel die Abstimmung noch deutlicher aus: 100 Prozent der Gläubiger, also alle, entschieden sich dafür, den Standort im fränkischen Lauf nahe Nürnberg fortzuführen. 

Personalchef Schättle merkte an, dass die beiden überwältigenden Voten der Gläubiger nicht nur mit Blick auf die in Aussicht gestellten Quoten interpretiert werden dürften. Das Sanierungskonzept sei überzeugend gewesen, die Pläne von Tadano, die Produktion in Zweibrücken und Lauf auf ganz neue Beine zu stellen, eine Konzentration in der Arbeitsteilung herbeizuführen (in Lauf sollen beispielsweise künftig der Unterwagen und das Fahrgestell der Kräne produziert werden, in Zweibrücker der Oberwagen; wir berichteten), die angekündigte Verschlankung der Verwaltung, die Straffung des Produktportfolios – diese Aspekte hätten überzeugt, das Sanierungskonzept sei stimmig. 

Das fast hundertprozentige beziehungsweise das hundertprozentige Votum veranlassten auch Jens Ennen, Geschäftsführer für die beiden Standorte in Zweibrücken und Lauf, zu einem sehr positiven Fazit. Ennen teilte am Donnerstagabend in einer Presseerklärung mit: „Mit der Zustimmung der Gläubiger haben wir nun ein klares Mandat und die Aufgabe, die zum Teil bereits eingeleiteten operativen Restrukturierungsmaßnahmen und die Neuausrichtung der Unternehmen weiter konsequent umzusetzen. Im Schutzschirmverfahren haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt, der erfolgreiche Abschluss des Verfahrens steht unmittelbar bevor und wir werden den eingeschlagenen Weg schnell und effizient fortsetzen. Tadano Demag und Tadano Faun werden ihren Kunden auch zukünftig ein starker Partner sein und noch bessere, innovativere Produkte und Services bieten.“

Marold Wosnitza (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Zweibrücken, war ebenfalls in der Festhalle anwesend. Er berichtete von einer „ruhigen, konzentrierten Atmosphäre“, die Fragen der Gläubiger an das Plenum (Management und Insolvenzverwalter) seien ausführlich beantwortet worden. Er zeigte sich erleichtert, dass es eine derart breite Zustimmung für die Fortführung des Unternehmens gab. Allerdings wollte er auch nicht verhehlen, dass der harte Sparkurs – 392 Mitarbeiter mussten gehen, rund 300 davon entschieden sich für den Wechsel in die Transfergesellschaft – „dramatisch“ gewesen sei. Statt zuletzt 1588 Mitarbeitern seien es künftig noch rund 1100.

„Jetzt hoffen wir, dass der Erhalt des Unternehmens dazu führt, dass Tadano-Demag eine Aufwärtsentwicklung erlebt“, sagte er.

Wie geht es jetzt weiter? Frank Schättle, Personalchef von Tadano-Demag, sagte: „Die Umsetzung des Sanierungsplanes ist jetzt angesagt. Wir sind bereits dabei, dieses Konzept umzusetzen. Es gilt jetzt, unser Leitbild ,One Tadano’ Wirklichkeit werden zu lassen.“

Auch Geschäftsführer Ennen hatte in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter vor kurzem dazu aufgerufen, das neue Leitbild mit Leben zu füllen, jeder Mitarbeiter müsse sich und sein Tun hinterfragen, es gelte, jeden Tag zu prüfen, was noch besser gemacht werden könne. Korrespondierend soll eine neue Unternehmenskultur implementiert werden (wir berichteten). Schättle sagte, diese bilde den entscheidenden Unterbau für das künftige Handeln.