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Zweibrücken: Gespräch mit Kulturamts-Leiter Thilo Huble über Kultur in Zeiten von Corona

Kulturamtsleiter: Auch für 2021 ist vieles ungewiss : Der Kampf der Kultur ums Überleben

„Zweite Welle“ schwappt Planungen des Kulturamtes hinweg. Auch für 2021 gibt es Fragezeichen — sogar fürs Stadtfest.

Wenn der Lockdown zum Knockdown wird. Die Kulturszene liegt am Boden. Getroffen von zwei harten Schlägen.  Der erste erfolgte im März. Er nannte sich „Lockdown“. Den zweiten Schlag, nicht minder heftig, setzte es Anfang November. Der „zweite Lockdown“. Es sind Schläge, die noch lange nachwirken werden. Zwar wird sich die Kulturszene irgendwann – mit zitternden Knien – wieder aufrappeln. Aber die Beulen werden noch lange sichtbar bleiben.

Thilo Huble (SPD) zeigt sich im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur besorgt über die Situation. Der Leiter des Kulturamtes der Stadt Zweibrücken klagt: „Die Ungewissheit ist das Schlimmste. Und, dass die Dynamik des Geschehens einfach nicht absehbar ist.“

Den Feind, der er nicht beim Namen nennen will, den unsichtbaren Boxer, der diese brutalen Schläge austeilt, kennt jeder beim Namen: „Corona“.

Der Merkur bat Huble um eine Zwischenbilanz. Wie ist die Lage der Kultur in der Corona-Krise? Gibt es noch Hoffnung? Ja, die gebe es, sagt Huble. Auch, wenn derzeit wenig Grund zur Freude herrscht. Wie schon Mitte März, beim ersten Lockdown. Das Straßentheater-Spektakel kam unter die Räder, das Festival Euroclassic und das Stadtfest mussten komplett abgesagt werden. Dann richtete sich die Hoffnung auf den Winter. Vorsichtig planten Huble und seine Mitarbeiter im Kulturamt „eine Not-Saison 2020/2021“. Es sei „ein ausgefeiltes Schutz- und Hygienekonzept“ erarbeitet worden, für die Festhalle waren – wegen der Abstandsregeln – maximal 170 Zuschauer pro Vorstellung vorgesehen gewesen. Und nun: „Alles Makulatur“, bedauert der Kulturschaffende.

Der Kartenvorverkauf sei gut gelaufen, „es gibt ein erkennbares Bedürfnis nach Kultur, Musik, Auftritten“, sagt Huble. Aber jetzt wurde auch die geplante „Not-Saison“ von der „zweiten Welle“ hinweggefegt.

Was war denn besonders gefragt bei den Bürgern? „Am stärksten gebucht war Detlev Schönauer“, sagt Huble. Der Kabarettist hätte am 7. November in Zweibrücken auftreten sollen. Wegen der großen Nachfrage (und weil pro Auftritt nur maximal 170 Besucher hätten kommen dürfen) wurden sogar zwei Auftritte hintereinander am 7. November eingeplant – für 15 und für 18 Uhr.

Nun soll Schönauer am 14. Februar das Gastspiel in der Rosenstadt nachholen, ebenfalls 15 und 18 Uhr.

Platz zwei in der Nachfrage belegte die Aufführung des Agatha-Christie-Klassikers „Tod auf dem Nil“. Auf Platz drei stand Komponist Frank Nimsgern  mit den „Christmas Classics“.

Wie bei Schönauer sollen alle Veranstaltungen nachgeholt werden. Bis Mai 2021. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit. Huble freut sich: „Über 90 Prozent der Kunden behalten diese und warten auf den Ersatztermin.“

Das sei ein schönes Zeichen von Solidarität, ist es doch für die Künstler (und gerade auch für deren Stab, bestehend aus Busfahrer, Tontechniker, Musiker etc.) finanziell eine Hilfe.

Apropos Hilfe: Wie sieht es denn in Sachen Vater Staat aus? Huble, der Vorsitzender der Landesgruppe Rheinland-Pfalz und Saarland der Inthega (Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen) ist, bilanziert: Der Bundesvorstand der Inthega habe mit dem Bund eine Hilfe in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro vereinbart. Das Geld soll genutzt werden, um Theaterstätten ohne eigenes Ensemble (betrifft auch Zweibrücken) beim „Neustart der Kultur“ zu helfen. Es werden damit jeweils 50 Prozent der Produktionskosten (Gagen für Künstler plus Kosten für Technik) getragen.

„Die Stadt Zweibrücken hat ebenfalls einen Antrag gestellt“, sagt Huble.

Thilo Huble Foto: Lutz Fröhlich

Der Kulturamts-Leiter macht deutlich, dass auch für das Jahr 2021 noch viele Ungewissheiten bestehen. Auch bei dem so beliebten Stadtfest – das ja bereits 2020 ausfallen musste. „Unser Stadtfest lebtdavon, dass auf acht Bühnen Musik gemacht wird, dass Menschen dichtgedrängt davor stehen und feiern. Es lebt von dieser besonderen Atmosphäre.“ Dicht gedrängte Menschen in der Zweibrücker Fußgängerzone? Das sei ungewiss. Auch wenn es noch lange hin sei bis zum Sommer 2021. Aber das Stadtfest sei aufwendig zu planen. Bis März/April müsse klar sein, ob es stattfinden könne oder nicht. „Wir planen zweigleisig“, sagt Huble. Wenn das Stadtfest – Impfstoff hin oder her – dennoch nicht stattfinden könne, werde es eine Alternative geben. „Die würde dann aber nicht ,Stadtfest’ heißen, das hätte einen anderen Namen“, sagt der Kulturmacher.