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Zweibrücken: Gemeinsamhandel plant neues Gutschein-System

Gemeinsamhandel plant neues Gutschein-System : Neuer Vorstoß in Sachen Kundenbindung

„Keep local“ heißt eine Initiative von Einzelhändlern aus St. Wendel, die auf Gutscheinkarten setzt. Gemeinsamhandel-Chef Michel will die Idee schon bald in Zweibrücken etablieren. 15 Händler haben bereits erklärt, mitmachen zu wollen.

Andreas Michel will sich nicht vorwerfen lassen, er hätte nicht alles versucht. Und er muss sich das wohl auch nicht vorwerfen lassen. Denn tatsächlich hat Michel schon alles mögliche versucht. Ganz unterschiedliche Initiativen hat er in den vergangenen Jahren gestartet, um der großen Bedrohung namens Online-Handel die Stirn zu bieten.

Vor gut zwei Jahren, im Juli 2019, hatte Michel, Vorsitzender der Zweibrücker Händlervereinigung Gemeinsamhandel, einen letzten größeren Vorstoß unternommen: die „ZWapp“. Eine spezielle App sollte Einkaufsbummlern in Zweibrücken via Handy das Sammeln von Rabatten ermöglichen. 34 beteiligte Händler gab Michel als Mindestzahl aus. Letzten Endes waren es dann aber nur rund 15. Zu wenig. Der Vorstoß war vergebens (wir berichteten).

Nun ein weiterer Anlauf. Neue Idee, neues Glück. „Keep local“, heißt das Kind diesmal. Die Idee stammt nicht von Michel selbst, wie er unumwunden einräumt. Geboren worden sei „Keep local“ (auf Deutsch etwa: „Setze auf lokal“) in St. Wendel. „Dort hat eine bekannte Unternehmerfamilie, die mehrere Modehäuser in der Stadt führt, diese Idee eingeführt“, erklärt Michel.

Der Kerngedanke dabei ist der Verkauf von Gutscheinkarten in den Läden, die bei „Keep local“ mitmachen. Man könne beispielsweise in einem Modegeschäft, wenn man sich ein Hemd oder eine Bluse kaufe, an der Kasse noch eine Gutscheinkarte erwerben, die bei einem Blumengeschäft eingelöst werden kann, das Teil des Verbundes von „Keep local“ ist.

Aber das ist nur ein Kerngedanke. Für Michel gibt es noch einen ganz besonderen Aspekt: Unternehmen könnten ihren Mitarbeitern jeden Monat eine Zuwendung in Höhe von bis zu 44 Euro pro Kopf zukommen zu lassen, ohne dass der Mitarbeiter dies versteuern muss. „Steuerfreier Sachbezug nennt das Finanzamt das“, erklärt Michel. Für den Mitarbeiter sei es steuerfrei – und der Unternehmer könne die Zuwendung steuerlich geltend machen.

„Ab 2022 wird die Grenze sogar auf 50 Euro angehoben“, sagt der Gemeinsamhandel-Chef. Seine Hoffnung: Zweibrücker Betriebe, die sich bei ihren Mitarbeitern für ihr Engagement besonders bedanken wollen, die ihnen ein Zuckerl zukommen lassen wollen, könnten auf diese Gutscheinkarten zurückgreifen. Eine Gutscheinkarte, einlösbar im Spielzeuggeschäft, im Buchhandel, beim Juwelier oder oder oder, zählt Michel auf. Und das zu beider Nutzen.

„Die Gutscheinkarte kostet den Kunden nichts, der Einzelhändler, auf den der Gutschein läuft, zahlt für die Transaktion einen Betrag von rund vier Prozent des Betrags, bei 100 Euro Gutscheinwert also rund vier Euro, der Betrag geht an ,Keep local’. Der verkaufende Händler wiederum bekommt von ,Keep local’ rund zwei Prozent als Danke gutgeschrieben“, erläutert Michel. Es finde also ein „Netzwerken“ statt, man verkauft für den anderen und der andere verkauft für einen selbst., alle haben etwas davon.

„Keep local“ sei keine Fantasterei, betont der Gemeinsamhandel-Chef. „Das ist eine richtig gute Idee, in der Praxis bereits bewährt.“ Anne Kraft, Wirtschaftsförderin der Stadt Zweibrücken habe ihm bereits bescheinigt, dass sie gleichfalls Potenzial darin erkenne. „Frau Kraft unterstützt uns tatkräftig“, freut er sich.

Und ein weiterer Aspekt spreche für die Qualität der Initiative „Keep local“. Michel: „Ich habe gehört, dass auch Globus in Einöd prüft, dieses Gutschein-System bei sich einzuführen.“

Der Gemeinsamhandel-Chef sagt, er hoffe, dass der Zweibrücker Handel bereits zu Weihnachten auf „Keep local“ setzen könne, idealerweise würde es schon Oktober oder November anlaufen. Natürlich brauche man eine Mindestzahl von teilnehmenden Händlern, eine gewisse Größenordnung. Michel sagt, es sollten schon 25 Teilnehmer sein. „Aktuell haben rund 15 Händler erklärt, mitmachen zu wollen“, zieht er eine Zwischenbilanz.

 Wird des Kampfes gegen den Gegner Internet nicht müde: Gemeinsamhandel-Chef Andreas Michel.
Wird des Kampfes gegen den Gegner Internet nicht müde: Gemeinsamhandel-Chef Andreas Michel. Foto: Lutz Fröhlich

Er appelliert an die jetzt noch Unentschlossenen: „Wir müssen etwas machen, wir müssen dem Online-Handel etwas entgegensetzen, bevor der uns ganz an die Wand drückt. Ich kann nicht den ganzen Tag im Geschäft stehen und aus dem Schaufenster schauen. Dann kommt kein Kunde. Ich muss selber aktiv werden!“