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Zweibrücken: Gauf, Bernhard und Sefrin zu Baldauf (CDU)

CDU-Lokalpolitiker zum Fall Baldauf : „Das ist eine mittelschwere Katastrophe“

Der Fall Baldauf treibt auch hiesige CDU-Politiker um. Christian Gauf, Björn Bernhard und Paul Sefrin blicken besorgt auf die Querelen in Mainz und mahnen eine schnelle Neuausrichtung an. Mit Christoph Gensch?

In Mainz streitet die CDU darum, wer künftig die Landtagsfraktion anführen soll – und in Zweibrücken und Zweibrücken-Land blicken Parteifreunde besorgt auf die Scharmützel am Rhein. Das zeigt eine Umfrage unserer Zeitung bei Christian Gauf, Björn Bernhard und Paul Sefrin. Die Drei mahnen, dass wieder Ruhe einkehren und Sacharbeit geleistet werden muss.

Christian Gauf, Bürgermeister der Stadt und Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Zweibrücken, macht deutlich: „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden.“ Das Gezerre „hat in erster Linie mit der Fraktion selbst zu tun – und nicht mit der Partei“, so Gauf. Aber die Außenwirkung sei: In der CDU wird gestritten.

Gauf sagt, er habe ein gutes Verhältnis zu Noch-Fraktionschef Christian Baldauf, der diesen Posten, wie berichtet, abgeben wird, aber Vorsitzender der Landes-CDU bleiben soll (der Vorstand sprach ihm am Dienstagabend einstimmig das Vertrauen aus). „Ich kann gut mit Herrn Baldauf und auch in Zweibrücken haben alle ein gutes Verhältnis zu ihm. Und er hat weiter Rückhalt, er bleibt ja Parteivorsitzender“, so Gauf.

Allerdings verschont er Baldauf auch nicht vor Kritik. Gauf sagt, grundsätzlich sei er „nicht überrascht“, dass Baldauf den Fraktionsvorsitz abgibt. „Wir haben nach der letzten Wahl nicht so gut dagestanden.“ Gauf mahnt: „Nun müssen wir für den Fraktionsvorsitz jemanden finden, der auf die nächste Landtagswahl hinarbeitet; wir müssen das gemeinsam als Partei gut hinbekommen.“

Was hält Gauf davon, dass mit dem Landtagsabgeordneten Christoph Gensch auch ein Zweibrücker als ein möglicher Kandidat gehandelt wird? „Vorab: Das ist die Entscheidung der Partei und von Herrn Gensch. Aber ich würde es ihm zutrauen, mehr Verantwortung zu übernehmen – wenn er es denn will. Es wäre generell gut, wenn er sich mit seiner Kompetenz stärker einbringen könnte. Natürlich hat er als Arzt in Zweibrücken schon so viel zu tun.“

Auch Björn Bernhard würde ein Votum pro Gensch begrüßen. „Wenn jemand aus unserer Region auf diesen Posten käme, das wäre ein Gewinn für uns“, macht der Verbandsbürgermeister und CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende von Zweibrücken-Land deutlich. Gensch habe das nötige Kaliber und sei „menschlich überzeugend“. Als Abgeordneter sei er jetzt schon „ein Gewinn für den Landtag“.

Apropos menschlich: Auch Bernhard beklagt das Gezerre um den Fraktionsvorsitz. „Diese öffentlichen Kämpfe sind sehr bedauerlich. Hinsichtlich der Außenwirkung ist das eine mittelschwere Katastrophe.“ Bernhard sagt, er schätze auch den Menschen Baldauf. „Ich bin mit Herrn Baldauf in der CDU-Fußballmannschaft, wir haben schon in Contwig, Kaiserslautern oder Otterbach miteinander gespielt.“ Bernhard lacht: „Es gab keine Grätschen von Baldauf.“

Doch auch Bernhard will Kritik nicht verhehlen: „Hätte man sich nach den Landtagswahlen neu aufstellen müssen? Ich hatte schon das Gefühl, dass das sinnvoll gewesen wäre.“ Bernhard mahnt: „Nun muss die Partei die Kurve kriegen, ich hoffe, dass bald wieder Ruhe einkehrt.“

Auf baldige Ruhe hofft auch Paul Sefrin. Der CDU-Politiker und Ortsbürgermeister von Bechhofen sagt: „Ich bedauere die Entwicklung.“ Der Streit um den Fraktionsvorsitz schade der Partei. „Ich weiß nicht, ob es jemand gibt, der geeigneter ist als Baldauf“, sagt Sefrin, „ich schätze ihn menschlich sehr, er ist auch fachlich gut, er ist Jurist, er hat rhetorisches Talent.“ Fakt sei aber auch: „Die CDU muss mehr Profil und Rückgrat zeigen.“

Christina Rauch, Beigeordnete der Stadt Zweibrücken, ist im Parteivorstand der Landes-CDU und dort Mitgliederbeauftragte (fehlte aber bei der Krisensitzung am Dienstag erkältungsbedingt). Sie erklärt auf Anfrage zu der Entwicklung in Mainz, dass Baldauf den Fraktionsvorsitz abgibt, den Parteivorsitz aber behält: „Ich unterstütze nachdrücklich den einstimmig beschlossenen Weg und begrüße den Willen zur Einigkeit.“

Christoph Gensch selbst will sich weiterhin nicht zu einer möglichen Kandidatur äußern.