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Zweibrücken: Forstamt Westrich, Florian Kemkes, Wald, Energiekrise

Forstamtsleiter Florian Kemkes : Eine Note „3 plus“ für den Wald in Zweibrücken

Forstamtsleiter Florian Kemkes macht in hiesigem Wald bessere Bedingungen aus, etwa in der Nährstoffversorgung. Klimawandel sei dennoch Problem.

Gibt es etwas Schöneres, als wenn man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann? Wohl kaum. Und so eilt Florian Kemkes in seinen schweren Stiefeln zur Begrüßung auf den Merkur-Reporter zu, so, als würde er nicht in klobigem Gummi-Schuhwerk stecken, sondern auf Federn laufen.

Aber Kemkes ist ja auch ein Glückspilz. „Waldbaden ist derzeit schwer angesagt. Das mache ich jeden Tag beruflich“, ruft er fröhlich. Da könnte manch ein Bürohengst neidisch werden. Aber Kemkes hat natürlich auch seine Stunden, in denen er vor staubigen Akten brütet. Der 29-Jährige ist seit gut einem Jahr Leiter des Forstamtes Westrich, da bleibt Papierarbeit nicht aus.

Der Merkur bat Kemkes zu einer Bilanz zu dem Wald in Zweibrücken und der Region. Der Forstamtsleiter schlug als Treffpunkt den Wald in den Birkhausen vor. Hier ist er heute auf Inspektion. Das Jahr über arbeitet er Waldstück für Waldstück in seinem Zuständigkeitsbereich durch und prüft den Zustand der Bäume, ob sie von Schädlingen befallen sind, wie sich die Bäume im Klimawandel behaupten, hält Ausschau nach kritischen Veränderungen.

Seine gute Laune kann durch den Besuch des Zweibrücker Waldes an diesem Tag eigentlich nur gesteigert werden. Denn: Klimawandel und Schädlinge hin oder her – der städtische Wald in der Rosenstadt hält sich recht wacker.

Gefragt danach, welche Note er dem Zweibrücker Wald geben würde, hält der 29-Jährige kurz inne. Und vergibt dann eine passable „Note 3 plus“. Seine Begründung: „Im Raum Zweibrücken haben wir andere Bodenverhältnisse, eine bessere Nährstoffversorgung, es sind gemischte Wälder.“ Solche gemischten Wälder seien robuster als Monokultur.

Aber natürlich hat auch der hiesige Wald seine Probleme, wie auch der Wald im gesamten Westrich, ja, in der gesamten Republik. Wenig überraschend nennt Kemkes die „enorme Trockenheit“, als ernste Herausforderung. „Bis Anfang September hat es kaum geregnet, das hat dem Wald zugesetzt.“ Auch die Jahre zuvor, 2018 bis 2020, seien schwierig gewesen, lediglich 2021 habe es etwas mehr Niederschlag und damit Erholung für die Wälder gegeben.

Nun hat es in den vergangenen Wochen immer wieder einmal geregnet. Aber man dürfe das nicht überschätzen. Bis der Regen versickere, brauche es Zeit und immer wieder nassen Nachschub von oben.

Folge der seit Jahren anhaltenden Trockenheit: Vor allem die Buche, die stark in der Region verbreitet sei, schwächele. Nicht nur diese. „Es gibt keinen Baum, der nicht leidet“, sagt Kemkes. „Jede Baumart hat Schädlinge, die die Bäume angreifen, wenn sie durch Trockenheit geschwächt sind.“ Auch im Bereich der Birkhausen sei das Falsche Weiße Stengelbecherchen ein Problem. „Es befällt Eschen“, sagt der Forstamtsleiter. Ahorn wiederum leide unter Rußrindenkrankheiten.

Es gibt eine Medizin gegen diese Schädlinge, damit sie nicht zu arg wüten – sie lautet „Durchmischung“. Kemkes: „Mischwälder – das ist unser oberstes Ziel, schon seit Jahren. Der Umbau des Waldes ist natürlich eine Sache, die über Generationen hinweg geschieht. Wir müssen in langen Zeiträumen denken.“

Allen müsse daran gelegen sein, den Wald zu stärken. Dieser sei Sauerstoffproduzent, Speicher für CO2, er sei ein Wasserrückhalt, biete Schutz vor Erosion, sei Holzlieferant, nennt der Forstamtschef wichtige Funktionen.

In der derzeitigen Energiekrise könne der Wald im Westrich als Holzlieferant nicht alle Wünsche befriedigen, warnt Kemkes. „Es zeichnet sich ab, dass wir nicht allen Bestellungen nachkommen können.“

Das Holz, das jetzt bestellt werde, müsse übrigens zwei Jahre gelagert werden – „das kann im Winter 2024 genutzt werden“.

Oberstes Ziel des Forstamtes sei es, den Wald „stofflich zu nutzen“, für Möbel oder Baustoffe, damit das Holz weiter der Funktion als CO2-Speicher diene.

 Forstamtsleiter Florian Kemkes auf Inspektion im Zweibrücker Wald (hier in den Birkhausen). Foto (Bulk-Import): Mathias Schneck
Forstamtsleiter Florian Kemkes auf Inspektion im Zweibrücker Wald (hier in den Birkhausen). Foto (Bulk-Import): Mathias Schneck Foto: Mathias Schneck
Forstamtsleiter Florian Kemkes auf Inspektion im Wald (hier in den Birkhausen).
Forstamtsleiter Florian Kemkes auf Inspektion im Wald (hier in den Birkhausen). Foto: Mathias Schneck

Der Wald kann dem Menschen auf vielfältige, wundersame Weise helfen. Das werde immer mehr Bürgern bewusst, wie etwa das „Waldbaden“ zeige. Kemkes freut sich, dass die Menschen in der Pandemie den Wald wieder mehr für sich entdeckten. Sicher, viele hätten in den Lockdowns aus der Not eine Tugend gemacht. Aber der Forstamtsleiter ist überzeugt: Die durch den Aufenthalt im Wald gewonnenen, positiven Erlebnisse wirken nach und lassen die Wertschätzung für diesen grünen Schatz steigen. Was kann einen Forstamtsleiter mehr erfreuen?