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Zweibrücken: Feuerwehr-Chef Frank Theisinger zieht Bilanz zu 2020

Frank Theisinger zieht Bilanz : Der Feuerwehr geht die Arbeit nicht aus

Stadtfeuerwehr-Inspekteur Theisinger bilanziert: 2020 gab es rund 320 Einsätze – etwa soviel wie im Vorjahr. Die Helfer rücken nicht nur wegen brennender Häuser aus. Sondern auch, wenn ein Igel oder Kätzchen in der Klemme steckt.

Das vergangene Jahr war erneut ein arbeitsreiches Jahr für die Feuerwehr in Zweibrücken: Rund 320 Mal mussten die Helfer ausrücken – im Schnitt also beinahe täglich. Die Zahl der Einsätze bewegt sich auf dem Niveau der Vorjahre.

Diese Bilanz zieht Frank Theisinger auf Anfrage unserer Zeitung. Der Feuerwehr-Chef sagte, die endgültigen Zahlen würden im Laufe des Januar erarbeitet. Aber es seien rund 320 Einsätze gewesen. „Und ein Drittel davon wegen Brandmeldeanlagen und Rauchmeldern in privaten Wohnungen.“

Die Melder schlagen schnell an und sind auch nicht vor Irrtümern gefeit, denn: „Rund 90 Prozent waren Fehlalarme“, resümiert Theisinger.

Aber er hadert keineswegs mit den den technischen Helfern: „Lieber fahren wir einmal zu oft raus als einmal zu selten.“ Denn es gibt immer wieder Fälle, in denen die Brandmelder korrekt Alarm schlugen und ein ernster Einsatz erfolgte.

„Es gab auch Einsätze, da haben uns Nachbarn auf einen Küchenbrand aufmerksam gemacht. Die Inhaber der betroffenen Wohnung waren nicht zuhause und hatten keinen Melder installiert.“ Wären die Nachbarn nicht gewesen, hätte aufgrund des fehlenden Melders viel passieren können, verdeutlich der Stadtfeuerwehr-Inspekteur.

Sogenannte „spektakuläre Fälle“, also Brände mit Schäden in Millionenhöhe, gab es im vergangenen Jahr erfreulicherweise nicht. Aber dennoch haben verschiedene Brände auch in Zweibrücken teilweise hohen Schaden verursacht. Theisinger sagt, in diesem Zusammenhang rage ein Brand im Etzelweg am 24. August heraus. „Personen kamen dort zum Glück nicht zu Schaden. Aber der Sachschaden war immens, er betrug 200 000 bis 250 000 Euro. Wir waren mit rund neun Fahrzeugen und 50 bis 60 Helfern im Einsatz.“

Tragisch war ein Unfall auf der K 1 zwischen Wattweiler und Einöd am 24. Juli. Ein schwerer Verkehrsunfall wurde gemeldet. Die Wehrleute fuhren, wie Theisinger sagt „in der Hoffnung hin, dass wir noch helfen können“. Aber vor Ort wurde klar: Der Verkehrsunfall hatte ein Todesopfer gefordert. „Niederschmetternd“ nennt der Feuerwehr-Chef diesen Einsatz. Der Wehr sei nur mehr übrig geblieben, bei der Bergung des Toten zu assistieren.

Viele Notfalltüröffnungen waren 2020 wieder erforderlich: 15 bis 20, schätzt Theisinger, der, wie erwähnt, die exakten Zahlen noch eruieren muss.

Wie immer gefragt war die Wehr auch wegen ihres Teleskopmastes. Weil gerade ältere Gebäude oft enge Treppenhäuser haben, gestaltet sich die Bergung einer Person schwierig. Dann kommen die Floriansjünger mit dem Teleskopmast zur Hilfe, der Korb am Ende der ausfahrbaren Leiter ist ideal, um Patienten aus dem Gebäude zu manövrieren.

Erfreulicherweise war 2020 kein Sturmjahr wie vorangegangene Jahre. Aber auch 2020 gab es Stress deswegen: Das Sturmtief „Sabine“ knickte am 9. Februar zahlreiche Bäume, die Feuerwehr rückte 20 Mal aus, um Straßen freizuräumen.

Ein massiver Stromausfall am 2. Oktober brachte die Helfer ins Schwitzen. „Großflächig“, so Theisinger, waren in der Rosenstadt die Lichter ausgegangen. Grund war ein Brand wegen Überspannung in einer Trafo-Station.

„Wenn der Strom länger ausfällt als eine Stunde, besetzen wir die Feuerwehr-Häuser“, sagt Theisinger. Der Grund: Die Bürger können nicht mehr ihren klassischen Telefonanschluss nutzen, wenn sie die Feuerwehr kontaktieren wollen, erfahrungsgemäß würden dann einige Bürger zu Fuß oder mit dem Auto die Wehr aufsuchen wollen — aus diesem Grund die Besetzung der Feuerwehrhäuser. „Wir können dann, wenn Bürger zu uns kommen, wenn sie einen Alarm melden wollen, mit unseren Funkgeräten helfen“, sagt der oberste Brandschützer der Stadt.

Auch 2020 gab es tierische Einsätze für die Helfer: So rückten sie aus, um einem Igel den Weg in die Freiheit zu bahnen – der stachlige Geselle hatte sich in einem Lichtschacht verheddert und schaffte es aus eigenem Vermögen nicht mehr, sich zu befreien. Ferner wurde einer einstelligen Zahl von Vögeln, die sich in Netzen verfangen hatten, geholfen.

Bei einem Wohnungsbrand Ende Mai in Oberauerbach musste auch ein Kätzchen gerettet und mit Sauerstoff versorgt werden.  Foto: Feuerwehr Zweibrücken

Noch ganz frisch in Erinnerung ist einer der letzten Brand-Einsätze der Wehr im vergangenen Jahr: Am ersten Weihnachtsfeiertag stand in der Langentalstraße ein Adventskranz in Flammen. Die Familie war außer Haus und hatte das Gebinde mit den brennenden Kerzen vergessen. Der Tisch geriet in Brand, der Rauchmelder schlug an. Der Schaden belief sich auf 1000 Euro. „Ohne den Rauchmelder wäre das Ganze womöglich schlimmer ausgegangen“, sagt Theisinger. Es habe sich um ein Mehrfamilienhaus gehandelt, in der Wohnung mit dem Adventskranz war zwar niemand zuhause, aber dafür in einem oberen Stockwerk. Da ist er also, der Beweis, dass Rauchmelder Schlimmes abwenden können.