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Zweibrücken: Debatte um zentrales Feuerwerk, Moulin, Dahler, Pohlmann

Nach Brand durch illegales Böllern : Debatte um zentrales Feuerwerk neu entbrannt

Nach dem Jahreswechsel wird bei Bürgern auf Facebook die Forderung nach einem zentralen Feuerwerk in Zweibrücken laut. SPD, CDU und Grüne zeigen Verständnis — sehen aber einen Haken.

Der Rauch der Raketen und Böller ist verzogen. Und die Straßen in der Rosenstadt sind, dank der fleißigen Kräfte des Umweltbetriebs, längst wieder vom Unrat befreit. Alles gut im neuen Jahr? Nein! Das zumindest finden zahlreiche Diskutanten auf Facebook und machen ihrem Ärger über die Böllerei rund um den Jahreswechsel Luft. Hunderte Kommentare wurden bis Dienstagabend auf der Facebook-Seite des Pfälzischen Merkur und in Zweibrücker Facebook-Gruppen zu dem Thema gepostet – vor allem, nachdem die Böllerei verbotenerweise schon einen Tag vor Silvester losging.

In vielen Meinungsbeiträgen wird der Verdruss über die alljährliche Knallerei deutlich. Der Zorn verstärkt sich noch durch einen Vorfall vom 30. Dezember: In der Ixheimer Straße gerieten eine Gelbe Tonne und nebenan die Hausfassade in Brand, die Polizei mutmaßt, dass illegale Böllerei die Ursache war und schätzt den Schaden auf 8000 Euro (wir berichteten).

Für die Kritiker der Böllerei ist das ein Beleg dafür, dass Feuerwerk nichts in privaten Händen zu suchen habe. Erneut wird die Diskussion laut, ob die Stadt nicht besser an einem zentralen Platz ein Feuerwerk für alle Bürger veranstalten könnte – bei gleichzeitigem Verbot privater Feuerwerke.

Die Kritiker dürften sich durch die GdP (Gewerkschaft der Polizei) in Rheinland-Pfalz bestätigt sehen: Die Gewerkschaft argumentiert, die Böllerei sorge nicht nur Jahr für Jahr für Probleme, weil durch Alkohol Enthemmte ausrasten würden, auch die Tierwelt leide – und klimaschädlich sei es auch (siehe Aufmacher Seite 1).

In Zweibrücken sind die Diskussionen um ein zentrales Feuerwerk nicht neu. FDP-Ratsfraktionschefin Ingrid Kaiser hat wiederholt darauf gedrängt, die Stadt möge ein solches durchführen. Im Januar 2020 beschloss sogar der Stadtrat mit knapper Mehrheit, die Stadtverwaltung solle ein zentrales Feuerwerk prüfen. Wenige Wochen später kreuzte ein Virus namens Corona auf – und die Überlegungen waren hinfällig, an Feuerwerke war nicht mehr zu denken. Zu Silvester 2020 und 2021 herrschte denn auch deutschlandweit ein Verkaufsverbot für Feuerwerk-Artikel – was etliche Bürger vor allem 2021 aber nicht davon abhielt, sich in Frankreich damit einzudecken und es dennoch in Zweibrücken krachen zu lassen.

Wie sehen die Chefs der drei stärksten Fraktionen im Stadtrat heute die Frage nach einem zentralen Feuerwerk?

Stéphane Moulin (SPD) sagt, er sei „grundsätzlich offen dafür“. Er weist aber auf einen wichtigen Aspekt hin, der die Gründe für ein zentrales Feuerwerk zunichte machen könnte. „Wie soll denn in der ganzen Stadt kontrolliert werden, dass niemand illegal böllert?“ Die Polizei habe gewiss an Silvester Besseres zu tun, als jedem Knallfrosch hinterherzufahren. Und ohne allgemeines Böllerverbot (das die FDP 2020 allerdings nicht wollte) ergebe ein zentrales Feuerwerk wenig Sinn. „Es stellt sich auch die Frage nach der Finanzierung“, macht Moulin deutlich, dass angesichts des Schuldenstandes der Stadt eine solch freiwillige Leistung ohne Sponsor kaum denkbar sei.

Pascal Dahler (CDU) sieht das ähnlich. „Ohne Sponsor wird da wohl nichts draus werden“, schätzt er. Er frage sich auch, ob ein zentrales Feuerwerk gewinnbringend für alle sei. Was sei mit den Bürgern in den Vororten? Sollten die extra in die Stadt müssen, um sich an Raketen und Böllern zu erfreuen?

Norbert Pohlmann (Grüne) sagt, der frühere Vorstoß von Ingrid Kaiser sei „charmant“. Ganz ohne Feuerwerk – das gehe an Silvester einfach nicht, dafür hätten zu viele Bürger Spaß daran. Auch, wenn Tierschutz und Klima sehr wichtig seien. „Aber die Idee der FDP hat Haken und Ösen“, gibt Pohlmann zu bedenken. Es sei ein Sponsor nötig. Finde sich ein solcher, sei ein zentrales Feuerwerk, bei gleichzeitigem allgemeinem Böllerverbot, durchaus zu prüfen.