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Zweibrücken bleibt noch lange bucklig

Zweibrücken bleibt noch lange bucklig

Der jahrelange Sanierungsstau bei den Zweibrücker Straßen soll nun endlich angegangen werden. Doch bis er aufgelöst ist, vergehen noch viele Jahre. Der Stadtrat hat nun eine objektive Entscheidungsgrundlage.

Gerade, breit und weit überschaubar: Die Gestaltung der Hochstraße verführt zum Schnellfahren. Tempo 30 wird hier oft missachtet.

Ab 2016 soll mit der Einführung wiederkehrender Beiträge der Straßenausbau in Zweibrücken forciert werden (wir berichteten). Doch der Sanierungsstau ist so groß, das nicht einmal die total maroden Straßen zeitnah saniert werden können. Das ist dem Zweibrücker Straßenzustandsbericht zu entnehmen, den die "Gesellschaft für Straßenanalyse" (GSA) im Auftrag des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken ) erstellt hat.

Die GSA hat 894 Straßen in Zweibrücken mit Kamerawagen abgefahren (225 Kilometer) und den Zustand anhand von elf Schadenskriterien bewertet. Ergebnis: 23 Prozent, also fast jede vierte Straße, ist so marode, dass die "Restnutzungsdauer" bei null Jahren oder weniger liegt. Neun Prozent der Straßen seien noch ein bis drei Jahre wirtschaftlich nutzbar, jeweils 34 Prozent drei bis fünf Jahre beziehungsweise mehr als sieben Jahre.

Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) erklärte im Stadtrat: "Wir haben einen großen Bedarf und einen langen Sanierungsstau." Die 23 Prozent total maroden Straßen schnell zu erneuern, sei "mehr, als wir leisten können - das ist der Traum des Straßenbauers". Die Umsetzung könne nur Stück für Stück angegangen werden - auch viele stark betroffene Anwohner müssen also wohl noch einige Jahre warten. Pirmann schätzt, das Geld reiche nur für ein bis drei Straßen pro Jahr, der UBZ glaubt etwas mehr. Wichtig sei, so Pirmann, nun ein Bewertungssystem an der Hand zu haben, "das geprägt ist von den Notwendigkeiten", die nicht immer deckungsgleich mit den Wünschen der Anwohner seien. Man werde darauf achten, dass nicht auch an Ausweichstrecken in Zweibrücken gearbeitet wird, wenn die Autobahn wegen des Lärmschutzwände-Baus gesperrt wird.

Wenn die Stadt für Sanierungen die laut GSA "optimalen Eingreifzeitpunkte" wählt, kommen auf die Stadt sowie die über die wiederkehrenden Beiträge beteiligten Grundstückseigentümer innerhalb der kommenden zehn Jahre Straßenerneuerungskosten von 27 Millionen Euro ohne Gehwege zu (bei anderem Sanierungsverfahren sogar 36 Millionen). Allein in der Stadtmitte werden demnach 15,2 Millionen Euro benötigt, hier sind unter anderem die Uhlandstraße, die Gestütsallee und die Luitpoldstraße im "roten Bereich, also mit abgelaufener Restnutzungsdauer. In Ixheim sind es 3,6 Millionen (unter anderem Vogelgesangstraße), in Bubenhausen 1,9 Millionen (u. a. Wolfsloch- und Hohlstraße), in Ernstweiler 1,3 Millionen (u. a. Ernstweilertalstraße), in Niederauerbach 1,2 Millionen (u. a. Annweiler Straße), in Wattweiler 805 000 Euro (u. a. untere Bliestalstraße), in Mörsbach 750 000 (u. a. Höhen- und Talstraße), in Rimschweiler 600 000 (u. a. Bayernstraße), in Hengstbach 595 000 (u. a. Teil Breitensteinstraße), in Oberauerbach 570 000 (u. a. obere Contwiger Straße) und in Mittelbach 515 000 Euro (u. a. obere Kirchentalstraße).

Wann welche Straßen erneuert werden, entscheidet der Stadtrat. Als objektive Kriterien sollten dabei entweder der Zustand oder die Kosten-Nutzen-Bewertung berücksichtigt werden, empfiehlt der UBZ. Der Erfolg der Hochschule auf dem Kreuzberg wird in Zweibrücken immer wieder gefeiert - "allerdings hat auch dieses stolze Objekt Schattenseiten", berichtete Berni Düker (SPD ) in der jüngsten Stadtratssitzung.

Düker klagte: "Personen aus dem saarländischen Raum halten sich bei der Anfahrt zur Fachhochschule nicht an den eigentlichen Weg" durch die Stadt, "sondern nutzen den Schleichweg Am Schönhof über die Hochstraße". Die Anwohner insbesondere in der Hochstraße seien "sehr genervt": Da die Straße Am Schönhof sehr eng ist, wichen dort viele Studenten mit ihren Autos bei Gegenverkehr auf den Bürgersteig aus, "und in der Hochstraße versuchen sie dann, die Zeit wieder reinzuholen und missachten die Tempo-30-Regelung". Düker: "Die Anwohner erwarten, dass die Stadtverwaltung Maßnahmen gegen diesen Wildwuchs ergreift. Und die Polizei sollte blitzen!" Düker regte auch verkehrsberuhigende Maßnahmen an. Er drängte auf schnelles Handeln: "Eine Organisationsform zum Selbstschutz der Anwohner ist möglicherweise in Gründung."

Wie sich der Merkur nach der Ratssitzung vor Ort selbst überzeugte, ist die Hochstraße nicht nur in schlechtem Zustand, sondern auch relativ breit, gerade und überschaubar, sodass sie geradezu zum Schnellfahren verführt. Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) sagte zu, Dükers Anfrage zu prüfen und schriftlich zu beantworten.

Im Straßenzustandsbericht (siehe Bericht oben) gehört die Hochstraße zu den 23 Prozent der Zweibrücker Straßen, die so stark beschädigt sind, dass ihre "Nutzungsdauer" als "abgelaufen" eingestuft ist.