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Zweibrücken belegt im "Wohnatlas" Platz 3 bei Regionen mit größtem Preisanstieg

„Wohnatlas 2020“ : Teures Pflaster Zweibrücken

Die Preisspirale bei den Immobilien dreht sich weiter. Das verkündet der „Wohnatlas 2020“. Überraschend ist: Bezüglich des Anstiegs der Preise für Wohnungen steht die Stadt Zweibrücken bundesweit auf Platz 3 bei den Regionen.

Teure Immobilien – die gibt es in München, Hamburg oder Berlin. Auf Sylt, am Tegernsee oder Bodensee. Aber in Zweibrücken? Diese Erkenntnis ist überraschend.

Tatsächlich liegt die Rosenstadt laut dem neuen „Wohnatlas 2020“ – was den Anstieg der Preise in den Regionen anbelangt – bundesweit auf dem dritten Platz. Nur in der Uckermark (Platz 1) und in der Region Elbe-Elster auf Platz 2 (beides in Brandenburg) sind die Preise 2019 noch stärker angestiegen, verkündet der Wohnatlas, der von der Postbank erstellt wurde.

Wohlgemerkt: Bei den Metropolen bleibt alles beim alten, hier liegt (wieder einmal) München auf Platz 1. Aber bei den Regionen, zu denen die Stadt Zweibrücken gezählt wurde, belegt diese Platz 3.

Die Uckermark liegt nicht weit von Berlin weg, der Landkreis Elbe-Elster zwischen Leipzig und Dresden. Also Regionen nahe großer Städte, in denen es hinreichend Menschen mit Kaufkraft gibt.

Die Stadt Zweibrücken hat keine Nähe zu solch großen, attraktiven Städten. Woher rührt also dieser dritte Platz?

Der „Wohnatlas“ erklärt mit Blick auf Zweibrücken knapp: „In der kleinsten kreisfreien Stadt Deutschlands wurden Wohnungen im Schnitt um knapp 36 Prozent teurer“. Der Quadratmeterpreis habe hier im vergangenen Jahr bei durchschnittlich rund 1517 Euro gelegen – das entspreche einem Anstieg von knapp 36 Prozent.

In der Uckermark als Region mit dem größten Preisanstieg betrug der Quadratmeter-Preis rund 1696 Euro – ein Anstieg von gut 48 Prozent.

Der Merkur bat zwei Immobilien-Makler der Rosenstadt um Aufklärung. Hans-Peter Lanninger muss nicht lange rätseln über die Gründe. Es seien in den vergangenen Jahren kaum Neubauwohnungen in Zweibrücken entstanden. „Es gab einen Mangel an Eigentumswohnungen“ blickt er zurück. Erst zuletzt seien neue Projekte angegangen worden und zwar vor allem im höherpreisigen Segment. „Es fing an mit der Karlstraße“, sagt der Makler mit Blick auf einen Komplex mit Eigentumswohnungen dort. Es seien weitere Adressen gefolgt wie das „Plateau Fasaneriewald“ (48 Eigentumswohnungen) oder „Bellevue“ am Kreuzberg (16 Wohnungen).

 In relativ kurzer Zeit seien also etliche hochpreisige Wohnungen auf den Markt gekommen. „Diese teuren Wohnungen treiben den Durchschnittspreis nach oben“, sagt Lanninger. Für den Wohnatlas wird die Zahl der in Zweibrücken befindlichen Eigentumswohnungen erfasst und ein durchschnittlicher Quadratmeter-Preis ermittelt. Der war in früheren Jahren nicht so hoch, weil es nicht dieses Angebot an teuren Wohnungen gab. Nun, mit den neuen, teuren Wohnungen werde der Durchschnittspreis angehoben.

Der Makler glaubt, dass mit den neuen Projekten in der Rosenstadt der Bedarf an Eigentumswohnungen erst einmal gedeckt ist. „Momentan sind genügend Wohnungen da.“ Nicht nur das. Es könnten vielleicht sogar ein paar zu viel sein. „Ich denke, nicht jeder Investor wird es schaffen, sämtliche Wohnungen an den Mann zu bringen“, schätzt Lanninger. „Wenn jetzt noch die Villa Schwinn hinzukommt . . .“ merkt er mit Blick auf ein dort geplantes Projekt an, dass es in Zweibrücken unter Umständen zu einer gewissen Übersättigung kommen könne.

Wie bereits erwähnt, beträgt der Quadratmeter-Preis in Zweibrücken im Durchschnitt 1517 Euro. Doch sagt Lanninger, dass Interessenten in Zweibrücken, „je nach Ausstattung“, mittlerweile mit Preisen von 2400 bis 2700 Euro rechnen müssten.

Und das sei noch relativ günstig im Vergleich zu Homburg. Dort würden für attraktive Wohnungen schon über 3000 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. „Schuld“ daran sei unter anderem die Uniklinik oder das eine oder andere große Unternehmen. Aber weil Homburg in den vergangenen Jahren nicht so viel gebaut habe wie Zweibrücken, gebe es dort keinen entsprechenden Preissprung, der Homburg im Wohnatlas auf vordere Plätze hätte katalputieren können.

Nicht jeder, der Geld habe, sei übrigens geneigt, eine Wohnung zu kaufen, gibt Lanninger zu bedenken. „Manche Menschen wollen flexibel bleiben, etwa aus beruflichen Gründen. Die suchen eine schöne Mietwohnung.“ Von daher begrüßt er es, dass die Gewobau vor einigen Monaten ankündigte, wieder in den Geschosswohnungsbau einsteigen zu wollen (wir berichteten).

„Die Gewobau hat gezeigt, dass sie solche schönen Wohnungen anbieten kann“, lobt Lanninger deren Arbeit.

Immobilienmakler Klaus Baumann, ebenfalls vom Merkur um eine Stellungnahme gebeten, gibt Lanninger recht: Die hochpreisigen Projekte, die zuletzt in Zweibrücken realisiert worden seien, hätten die Durchschnittspreise nach oben getrieben. „Wir kamen von einem durchaus niedrigen Niveau, das hat sich gesteigert“, sagt Baumann.

 Hinzu komme die Entwicklung bei Zweibrücker Unternehmen. „Dort gibt es teilweise enormes Potenzial. Wenn man nur mal auf den Flugplatz schaut – dort gibt es mittlerweile mehr Arbeitsplätze als bei dem früheren Flugbetrieb.“