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Zweibrücken: Bei John Deere und Pallmann drohen Warnstreiks

Betriebsräte rügen „Provokation“ der Arbeitgeber : Bei John Deere und Pallmann drohen Warnstreiks

Tarifrunde 2021: IG Metall und Betriebsräte sprechen von Provokation der Arbeitgeber, da diese eine Nullnummer fordern.

Die Positionen könnten gegensätzlicher wohl kaum sein: Die IG Metall fordert in der aktuellen Tarifrunde ein Einkommensplus in einem Volumen von vier Prozent. Und die Arbeitgeber? Die bieten – null Prozent.

Kein Wunder, dass beim Pressegespräch der IG Metall in der Arbeitskammer des Saarlandes in Kirkel am Donnerstag die Verärgerung mit Händen greifbar war.

Ralf Reinstädtler, erster Bevollmächtigter der Geschäftsstelle der IG Metall in Homburg, die auch für Zweibrücken zuständig ist, kritisierte die Arbeitgeber scharf. Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie seien in der Corona-Pandemie besonderen Härten ausgesetzt und würden sich dennoch in enormer Weise in den Unternehmen engagieren. Zum Dank würden die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter auffordern, in diesem und im nächsten Jahr auf ein Einkommensplus zu verzichten.

„Bis Juni 2023 wurde eine niedrigen Erhöhung in Aussicht gestellt“, nannte Reinstädtler das Angebot der Arbeitgeber. Aber bis Juni 2023 auf ein kleines Plus zu warten – dafür gebe es überhaupt keine Veranlassung.

Die vier Prozent Einkommensplus, die die IG Metall fordere, seien sehr wohl stemmbar. Denn die Lage in den Betrieben in der Region sei sehr gut. Natürlich mit Ausnahme von Tadano, der Kranbauer geriet in Turbulenzen und musste ein Insolvenz-Schutzschirmverfahren beantragen. Aber ansonsten seien die Betriebe stark aufgestellt. Von Krise keine Spur, machte Reinstädtler deutlich.

Und die anwesenden Betriebsräte von John Deere und Pallmann in Zweibrücken sowie von mehreren großen Arbeitgebern in Homburg und Blieskastel untermauerten dies – überall sei die Auftragslage gut bis hervorragend, es würden ordentlich Gewinne gemacht.

Reinstädtlers Stellvertreter Peter Vollmar, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Homburg, sagte, seine Gewerkschaft habe zahlreiche Gespräche mit den Mitarbeitern in den Betrieben geführt, Tenor: Man sei „zutiefst enttäuscht“ darüber, dass das Engagment und die Solidarität der Arbeitnehmer in der Pandemie von der Arbeitgeberseite als Einbahnstraße gesehen werde.

Reinstädtler und Vollmar warnten: Die Friedenspflicht laufe am 1. März um Mitternacht aus. Dann drohten Warnstreiks in allen Betrieben. Die Arbeitgeber sollten nicht glauben, dass die Beschäftigten in der Pandemie etwa Angst vor Warnstreiks und Kundgebungen hätten, die Bereitschaft zu Arbeitsniederlegungen sei außerordentlich groß.

Diese Aussage bestätigten unter anderem die beiden Mitarbeiter-Vertreter von John Deere und Pallmann.

Marc Möller, freigesteller Betriebsrat bei John Deere sagte, bei dem Landmaschinen-Hersteller brumme das Geschäft. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres (31. Januar 2021) habe der Landmaschinen-Hersteller „einen Rekordgewinn“ in Höhe von 1,224 Milliarden US-Dollarn bejubelt. Für die Arbeitnehmer soll es davon – nichts – geben. Möller sprach von einer „Provokation“.

Holger Strobel, stellvertretender Betriebsrats-Vorsitzender bei Pallmann sagte, der Hersteller von Zerkleinerungstechnik könne zwar nicht derartige Rekordzahlen wie John Deere vorweisen, aber auch bei Pallmann sei „ein gutes Ergebnis“ vorgelegt worden.

Auch Strobel rügte die Arbeitgeber für ihre offerierte „Nullnummer“, Möller und Strobel machten deutlich, dass die Belegschaft in beiden Betrieben hoch motiviert für einen Warnstreik sei.