Becker und Maurer entsorgt hunderte Container – Leider viel illegaler Müll Ein Kraftakt für die Menschen in der Stadt

Zweibrücken · Die Stadt fragte Becker und Maurer, ob das Entsorgungsunternehmen nach dem Hochwasser für Müll Container zur Verfügung stellen könnte. Die Maurers halfen spontan. Sie sind stolz auf ihr Team. Und verärgert über schamlose Bürger.

 Nach dem Hochwasser versammelten sich einige Fahrer von Becker und Maurer mit ihren Lkw auf dem Hallplatz, um in der Innenstadt beim Beseitigen der Schäden mit anzupacken.

Nach dem Hochwasser versammelten sich einige Fahrer von Becker und Maurer mit ihren Lkw auf dem Hallplatz, um in der Innenstadt beim Beseitigen der Schäden mit anzupacken.

Foto: PM/Becker und Maurer

Am Sonntagmorgen klingelte das Telefon bei Bernd Maurer. Am Apparat: Oberbürgermeister Marold Wosnitza. Wenn der OB an einem Sonntag bei einem Unternehmer anruft ist klar: Etwas ist anders als sonst.

Bernd Maurer war nicht überrascht über den Anruf. Die Stadt war von einem Hochwasser heimgesucht worden – es herrschte Ausnahmezustand.

Auch bei Becker und Maurer selbst, die an der Schlachthofstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wertstoffhof des UBZ und den Verkehrsbetrieben Zweibrücken, ihren Sitz haben. „Bei uns stand das Wasser ebenfalls“, berichtet Bernd Maurer. „Das hat vom Kanal reingedrückt – und in der Verwaltung hatten wir noch zusätzlich einen Rohrbruch.“

Und nun rief Wosnitza an: Ob die Firma Becker und Maurer, Spezialist für Entsorgung und Recycling, vielleicht „40 oder 50 Container bereitstellen könnten, um in der Stadt bei der Entsorgung zu helfen“, gibt Bernd Maurer das Telefonat wieder.

Der erfahrene Unternehmer wusste: Dabei würde es nicht bleiben, so groß dürften wohl die Schäden sein. Aber er zögerte nicht und sagte spontan zu. „Als Erstes haben wir die Mannschaft zusammengetrommelt“, berichtet er. Und sein Sohn Tobias, Juniorchef bei Becker und Maurer, strahlt: „Ein ganz großes Lob für unsere Mitarbeiter!“

Mehrere Männer hätten sich bereits tags zuvor, am Samstag, ohne Aufforderung, bei Becker und Maurer eingefunden – weil sie ahnten, dass das Unternehmen in der Schlachthofstraße ebenfalls Hochwasser-Probleme haben musste. „Die standen einfach da in Arbeitskleidern und wollten loslegen.“

Seniorchef Bernd Maurer (rechts) mit Juniorchef Tobias Maurer bei der Inspektion eines Containers in der Mühlstraße.

Seniorchef Bernd Maurer (rechts) mit Juniorchef Tobias Maurer bei der Inspektion eines Containers in der Mühlstraße.

Foto: PM/Mathias Schneck

Nach dem Telefonat mit Marold Wosnitza, nachdem vor Ort in der Schlachthofstraße die allergröbsten Probleme beseitigt worden, organisierten Bernd und Tobias Maurer Schritt für Schritt die gesamte Mannschaft, an Pfingstsonntag war schon ein großer Teil an Bord, an Pfingstmontag, dem „Hauptkampftag“, waren dann alle 22 Fahrer mit ihren 22 Lkw startklar, plus mehrere weitere Kräfte von der Verwaltung für Telefonate und Disposition.

Und auch am Becker-und-Maurer-Standort in Blieskastel halfen die dortigen beiden Mitarbeiter mit.

Das große Aufräumen konnte beginnen. Und es gab viel aufzuräumen. Die vom Oberbürgermeister am Sonntag noch angedachte Zahl von 40 bis 50 Containern war schnell Geschichte. Tobias Maurer sagt: „An Pfingstsonntag und Pfingstmontag haben wir zwischen 150 und 170 Container in Umlauf gebracht. Zusammen mit Blieskastel – dort wurden wir ebenfalls beauftragt. Rund 80 Prozent der Menge beziehen sich aber auf Zweibrücken. Die Container wurden in der Schlachthofstraße auf größere Behälter umgeladen, dann ging alles auf die Deponie.“

Tobias Maurer spricht von „400 bis 500 Behälter-Bewegungen“ alleine an Pfingstsonntag und Pfingstmontag, heißt: Zirka 500 Container an Müll, Gerümpel, Schrott wurden binnen zweier Tag von den 22 Fahrern von Becker und Maurer eingesammelt. Eine gewaltige Menge.

Der Juniorchef weist darauf hin, dass das Unternehmen von der Stadt den Auftrag im Rahmen des Katastrophenschutzes erteilt bekam – was bedeutet, dass in diesem Fall keine Lenkzeiten berücksichtig werden mussten. Die Fahrer waren folglich mehr oder wenige ohne Pause unterwegs, mit vollen Containern Richtung Mörsbach, mit leeren Containern wieder runter Richtung Stadt. „Wir sind rotiert“, gibt der Juniorchef den Ausnahmezustand wieder.

Sogenannte Presswagen von Becker und Maurer beim Müll-Einsammeln in der Tilsitstraße.

Sogenannte Presswagen von Becker und Maurer beim Müll-Einsammeln in der Tilsitstraße.

Foto: PM/Becker und Maurer

Die Helfer hätten viel Jammer gesehen. „Im Bereich Tilsitstraße etwa war es heftig“, sagt Tobias Maurer. „Da waren die Leute ziemlich am Ende mit ihren Kräften.“ Hier waren die Lkw-Fahrer mit vier Mann am Einsammeln von jeder Menge Gerümpel.

Angesichts all der Schäden sei der Stress aber nicht so wichtig. Wichtig sei, dass den Menschen habe geholfen werden können. In diesem Zusammenhang loben die beiden Unternehmer die Zusammenarbeit mit Stadt, UBZ, Stadtwerken und Gewobau. „Hervorragend“ sei das gelaufen, freut sich Bernd Maurer.

Weniger Lob, sondern erheblichen Tadel gibt es hingegen für einige Bürger der Stadt, die die Container in der Stadt jetzt sachwidrig nützten. Tobias Maurer: „Mein Verdacht ist, dass lediglich 30 Prozent legitimer Abfall ist und 70 Prozent illegitimer Müll.“

Die wilden Müllentsorger würden teilweise am helllichten Tag ihren Sperrmüll und Krempel in die Container stopfen; ausgediente Altreifen, alte Elektrogeräte, Kunststoffe, Gefahrstoffe gar seien dabei – man sehe, dass es sich nicht um Hochwasser-Abfall handele. „Manche Container sind praktisch ,Altfarben-Lager’“, ärgert Maurer sich.

„Den legitimen Müll erkennen wir sofort: aufgeweichte Textilien, quellendes Holz, Gegenstände mit einem Klärschlamm-Schleier“, nennt er drei Beispiele. „Aber was will man machen?“, fragt Tobias Maurer. Man könne die Container ja nicht bewachen. „Diese Leute schaden damit der Allgemeinheit, denn die muss die ganze Entsorgung bezahlen“, macht er klar.

Apropos bezahlen: Bekommt das Unternehmen Becker und Maurer seinen Kraftakt in der Stadt eigentlich bezahlt? Von der Stadt? Läuft das über das Land? Die beiden Maurers können diese Frage noch gar nicht beantworten. Das sei in den vergangenen Tagen auch nicht ausschlaggebend gewesen.

„Wichtig war, dass wir helfen konnten. Wir sind sicher, dass wir gemeinsam mit der Stadt eine pragmatische Lösung finden werden“, sagt Tobias Maurer. Vorrangig zählt für sie, erneut das Engagement der rund 30 Mitarbeiter zu würdigen. Dass sie sofort auf der Matte standen, verdiene großen Respekt. „Ich bin stolz, solche Mitarbeiter zu haben“, sagt Senior-Chef Bernd Maurer.

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