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Zweibrücken: ASB liefert künftig sechs Kitas Mittagessen

Diskussion über Kochen mit Kindern : ASB liefert künftig sechs Kitas Mittagessen

Im Hauptausschuss wird allerdings Wunsch geäußert, Kinder mögen mehr in die Zubereitung eingebunden werden.

Gesunde Ernährung und wie man diese zubereitet – dies ist Thema vieler Fernsehsendungen. Populäre Köche, mit und ohne Schnauzbart, bereiten vor der Kamera leckeres, frisches Essen zu – und viele Zuschauer verfolgen dies mit Interesse. Kochen ist also schwer angesagt.

Und dann sollen die Kinder in einigen Zweibrücker Kindertagesstätten mittags Schalen geliefert bekommen mit Speisen, die bereits verzehrfertig sind oder nur noch kurz erhitzt werden müssen? Ohne eigenes Löffelschwingen? Ohne zu erfahren, wie so ein Essen zubereitet wird, was das alles hineingehört?

So manch einem Teilnehmer des Hauptausschusses schmeckte das gestern gar nicht. Und dennoch: Das Gremium fasste letztendlich einstimmig den Beschluss, dem ASB in Zweibrücken den Auftrag zu erteilen, sechs Kindergärten zu beliefern. Und zwar aus pragmatischen Gründen.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) erklärte zu Beginn der Diskussion, dass es kurzfristig keine andere Lösungsmöglichkeit gibt. Nicht alle Kindergärten in der Stadt haben aufgrund der räumlichen Gegebenheiten die Möglichkeit, selbst Essen zuzubereiten. Da die Kinder aufgrund von Landesvorgaben bei einer Betreuung, die über die Mittagszeit hinausgeht, Anspruch auf ein warmes Essen haben, gebe es derzeit keinen anderen Weg.

Es geht dabei um folgende Einrichtungen: „Sonnenschein“ (Bubenhausen), „Apfelbäumchen“ (Ixheim), „Klitzeklein“ (Ontariostraße), „Regenbogen“ (Mittelbach), „Hand in Hand“ (Mörsbach) und „Kleine Welt“ (Canadastraße).

„Die Stadt hat das Catering ausgeschrieben, drei Anbieter haben ein Angebot abgegeben“, sagte Wosnitza. Es geht um den Lieferzeitraum 22. Juli 2019 bis 31. Dezember 2020. Die Angebote, die der ASB abgegeben habe, seien die günstigsten gewesen.

Einige Teilnehmer des Hauptausschusses machten ihr Magengrimmen deutlich. Thorsten Gries (SPD) merkte an, seiner Meinung nach sei es sinnvoll, „zumindest in großen Kitas“ eine Küche einzubauen, damit die Kleinen dort ins Kochen eingebunden werden könnten. Norbert Pohlmann (Grüne) schloss sich an. Es sei „eine wichtige Erfahrung für die Kinder, bei der Essenszubereitung zuzusehen und auch mitzumachen“. Natürlich gehe es jetzt erst einmal darum, aufgrund des dringlichen Bedarfs die Bereitstellung der Speisen überhaupt gestemmt zu bekommen.

Aber „in einem späteren Schritt“, so Pohlmann, sollte die Stadt sich darum bemühen, weg von diesen Essenslieferungen zu kommen; er äußerte zudem die Hoffnung, es seien bei der Auswahl des Anbieters auch qualitative Aspekte gewürdigt worden.

Jörg Klein, Leiter des Jugendamtes antwortete, man habe bei der Ausschreibung entsprechende Zertifikate verlangt. Christina Rauch (CDU) stimmte ihren Vorrednern zu, dass es wünschenswert sei, die Kinder künftig mehr einzubinden, es gehe kurzfristig aber nun mal nicht anders.

Wosnitza erklärte, die grundsätzlichen Fragen in Sachen Essen müssten im Jugendhilfe-Ausschuss behandelt werden, dort gehe es um konzeptionelle Angelegenheiten.

Ingrid Kaiser (FDP) wollte wissen, wie teuer denn die Angebote der drei Anbieter gewesen seien. Wosnitza sagte, diese schwankten in einem Spektrum von 2,40 Euro und 5,02 Euro – netto. „Das ist viel“, meinte Kaiser überrascht.

Der Hauptausschuss stimmte schließlich zu, dem ASB als günstigstem Anbieter den Zuschlag zu erteilen. Das geschätzte Gesamtvolumen hierfür beträgt laut Sitzungsvorlage rund 256 000 Euro.

Heftige Kritik wurde im Hauptausschuss gestern an einem Wahlplakat einer rechtsextremen Partei geübt. Walter Rimbrecht (SPD) sagte, „ich hätte niemals gedacht, dass ich mal ein Plakat sehen würde, auf dem steht: ,Israel ist unser Unglück’“. Rimbrecht spielte damit auf das Wahlkampfplakat der Partei „Die Rechte“ an. Tatsächlich hängt dieses Plakat an mehreren Standorten in Zweibrücken. Ingrid Kaiser (FDP), die dieses Plakat noch nicht gesehen hat, fragte ungläubig: „Kann man das denn nicht abhängen? Das ist doch grauenhaft!“

OB Wosnitza bedauerte, beim Abhängen von Plakaten bewege sich eine Kommune „auf einem sehr schmalen Grat“. Rechtsextreme Gruppierungen nutzten „diesen Spielraum, dass man sich das unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit anschauen muss“. Wosnitza ergänzte: „Zum Glück hängen diese Plakate so hoch, dass man sie nicht zur Kenntnis nehmen muss.“ Auch auf Facebook hat es bereits erboste Reaktionen über diese Plakate gegeben.