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Zweibrücken: Anfrage im Stadtrat offenbart: Stadt kapituliert vor Krähen in Allee

Stadt kapituliert vor Krähen in Allee : „Die Krähe hat gewonnen“

Einwohnerfragestunde im Stadtrat: Ein Bürger ruft die Verwaltung dazu auf, gegen die ausufernde Krähenpopulation in der Allee in Zweibrücken vorzugehen. Die Antwort von Oberbürgermeister Marold Wosnitza gleicht indes einer Kapitulationserklärung.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza hat die Kapitulation ausgesprochen: „Die Krähe hat gewonnen.“ Damit steht fest: Vogel-Experten, die von den pechschwarzen Tieren schwärmen, dass sie hochintelligent seien, liegen richtig. Die krächzenden Gesellen haben sich durchgesetzt. Gegen zahlreiche Widerstände. Gegen die geballte Kraft der Verwaltung, die in den vergangenen Jahren immer wieder versucht hat, der ausufernden Population in der Allee Herr zu werden. Vergebliche Mühe. „Die Krähe hat gewonnen.“

Der Grund für Wosnitzas durchaus resigniert klingendes Fazit ist die Anfrage eines Bürgers im Stadtrat. Unter dem Punkt „Einwohnerfragestunde“ haben die Zweibrücker in Ratssitzungen Gelegenheit, sich mit Sorgen, Nöten und Fragen an die Verwaltung zu wenden. Von dieser Möglichkeit hat jetzt der Zweibrücker Thomas Althoff Gebrauch gemacht. Althoff selbst war verhindert, er befand sich am Mittwoch, als der Stadtrat in der Aula des Hofenfels-Gymnasiums tagte, gerade in Urlaub. Aber zuvor hatte er die Verwaltung gebeten, sein Anliegen vorzutragen und darauf zu antworten.

Althoff, das wurde in der Wiedergabe seiner Anfrage deutlich, ist nicht nur völlig genervt von der gewaltigen Population alleine in der Allee. Er sorgt sich auch in gesundheitlicher Hinsicht. Die Kotmengen, die die Tiere absonderten, seien enorm. Die mit Exkremten stellenweise zugeplackte Gestütsallee und Rosengartenstraße gäben ein beredtes Zeugnis davon. Sogar in der Luft seien die Kotmengen auszumachen, man könne diese über die Aerosole regelrecht schmecken. Seine Frage an die Verwaltung lautete: Kann man denn wirklich gar nichts machen?

Wosnitza pflichtete in seiner Antwort dem besorgten Bürger bei: „Die Situation in der Allee hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft.“ Dabei hatte alles so hoffnungsfroh begonnen, blickte der Oberbürgermeister zurück. Um das Jahr 2000 herum siedelten sich erste Saatkrähen in der Rosenstadt an – im Spach’schen Garten am Wacken in der Innenstadt sowie auf der Mülldeponie wurden sie gesichtet. Die Stadt war damals so stolz, Heimstätte der Krähen geworden zu sein, dass sie am Spach’schen Garten Infotafeln anbrachte, die die Klugheit der Tiere rühmten.

Lange ist es her. Die Tiere sind nicht nur klug, sie vermehren sich auch derart rasch, dass es heute in der Allee laut Schätzungen rund 1000 Nester gibt. Eine gewaltige Zahl. Aber: Nichts zu machen, verdeutlichte Wosnitza. Der Oberbürgermeister redete erst gar nicht um den heißen Brei herum. Bereits 2015 habe die Stadt ein Gutachten erstellen lassen, Kernfrage: Wie kann man wenigstens einen Teil der Krähen loswerden? Das Fazit war ernüchternd. Die Tiere stehen unter äußerst strengem Schutz, ihnen darf noch nicht einmal nachgestellt werden, geschweige denn, dass man sie jagen dürfte. Die Gutachterin habe damals ganz nüchtern der Stadt empfohlen, mit der großen Population in Zweibrücken zu werben, das sei möglicherweise unter touristischen Gesichtspunkten vermarktbar.

Wosnitza sagte, eine Vergrämung der Tiere bringe auch nichts, im Gegenteil: „Es besteht die Gefahr, dass sich die Kolonie in der Allee aufspaltet, dass es zu mehreren Kolonien in der Stadt kommt – mit noch mehr Tieren.“ Auch ein Entfernen der Nester bringe nichts. Die Tiere würden flugs Material für neue Nester suchen und damit für Schäden sorgen (womöglich im angrenzenden Rosengarten).

Wosnitza räumte ein: „Es ist unschön, aber uns sind die Hände gebunden.“ Immerhin: Eine Vertreterin der Genehmigungsdirektion SGD Süd besuche eine der nächsten Sitzungen des Rates, um gemeinsam mit dem Gremium über das Problem zu diskutieren.