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Zwei Amerikaner auf dem Zauberberg

Zwei Amerikaner auf dem Zauberberg

„A Cure for Wellness“: Unheimliches vom „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski

Gore Verbinskis Name steht für eine der erfolgreichsten Kinoreihen: die legendären "Fluch der Karibik"-Filme mit Johnny Depp. Die ersten drei Teile der Piratensaga, entstanden unter der Ägide von Verbinski, spielten weltweit zusammen mehr als zweieinhalb Milliarden US-Dollar ein. Zuerst aber hatte der Regisseur vor 15 Jahren mit der Neuverfilmung eines japanischen Horrorwerks international auf sich aufmerksam gemacht: Sein "Ring" mit Naomi Watts war ein weltweiter Hit, der ein Vielfaches seiner Produktionskosten einbrachte. 2017 nun stellt der Amerikaner mit "A Cure for Wellness" erneut unter Beweis, dass er ein Händchen für Grusel-Stoffe hat.

Verbinski, der auch am Drehbuch beteiligt war, nennt seinen Protagonisten, schlicht Mr. Lockhart. Der ist ein so hochstrebender wie ermatteter Investmentbanker. Aus einem düsteren New York wird er in ein sonniges Alpenparadies geschickt - ein vermeintliches Paradies, wie sich im Lauf des Films herausstellt.

Lockhart soll den Chef seiner Firma zurück in die Staaten holen. Es geht um eine schwierige Fusion, da darf der Boss nicht fehlen. Dieser aber möchte (oder darf) das idyllisch gelegene Sanatorium nicht verlassen. Als Lockhart merkt, wie wenig seine Überzeugungskunst bei der Leitung der Heilanstalt fruchtet, will er abreisen. Ein Wild-Unfall aber hindert ihn daran. Mit eingegipstem Bein findet er sich im Sanatorium wieder. Lockhart muss erkennen, dass man auch ihn nicht so schnell entlassen wird. Dem New Yorker Jungspund dämmert, dass es den höflichen Ärzten in ihren schneeweißen Kitteln weit weniger um die Genesung der Patienten geht, als sie vorgeben.

Die deutsch-amerikanische Koproduktion "A Cure for Wellness" mutet wie ein unentwegt sich drehendes Zitat-Karussell an. Immer wieder fühlt man sich an frühere Filme erinnert, muss mal an Martin Scorseses Psychothriller "Shutter Island", mal an einen der Gruselklassiker schlechthin denken: Stanley Kubricks "The Shining". Wenn Lockhart sich in den Gängen des alpenländischen Sanatoriums verliert, weckt das außerdem Erinnerungen an das in den Bergen von Colorado gelegene "Overlook"-Hotel mit einem Axt schwingenden Jack Nicholson.

Am offensichtlichsten aber, neben kafkaesken "Schloss"-Momenten, sind die Verweise auf Thomas Manns "Zauberberg". Wie Hans Castorp in dem vor 93 Jahren veröffentlichten Roman wird auch Lockhart viel länger im Schweizer Sanatorium bleiben als ursprünglich geplant. Wie im "Zauberberg" so werden auch bei Verbinski die Toten des Sanatoriums heimlich entsorgt. Einmal gar hält ein vom deutschen Schauspieler Godehard Giese ("Liebmann") verkörperter Klinik-Mitarbeiter eine Ausgabe des "Zauberbergs" in der Hand.

In den zurückliegenden zehn Jahren gab es im Kino wohl keinen Gruselfilm mit derart elegant komponierten und ausgesuchten Bildkompositionen, darunter atemberaubende Bergpanoramen. Hier zeigt Verbinski, welch virtuoser Filmemacher er ist.