1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Züchterin Ursula Zinßius und Pakuna

Züchterin Ursula Zinßius und Pakuna : Vom Beinbruch zum Springtalent

Die Springsiegerin Pakuna bei der Trakehner-Stutenschau im Landgestüt hat eine ganz besondere Geschichte. Als Fohlen hatte sie ein Bein gebrochen.

„Ich habe immer an sie geglaubt! Aber nie wirklich an diesen enormen Erfolg“, sagt Ursula Zinßius und hat Glückstränen in den Augen. Ihre Stute Pakuna präsentierte sich kürzlich beim Trakehner-Weekend im Landgestüt Zweibrücken als Tagesbeste der drei- und vierjährigen Springstuten. Dass die vierjährige, elegante Schönheit jemals so über die Hindernisse fliegen würde, hätte wenige Wochen nach ihrer Geburt niemand zu hoffen gewagt.

Pakuna war das erste Fohlen, das die Kinderärztin aus Pirmasens mit ihrer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reitbaren Trakehner-Stute Painter‘s Sun gezogen hatte. Auf der Suche nach einem älteren Wallach als ruhigem Reitpferd hatte sie sich im Gestüt Welvert in St. Wendel vor 14 Jahren in die damals Vierjährige verliebt. Sie erinnert sich: „Ich habe mich auf ihr sofort wohlgefühlt.“ Die Coolness, die ihre Tochter Pakuna von Geburt an mitbrachte, musste die Stute allerdings mit zunehmendem Alter erst entwickeln.

Nach freudvollen Jahren mit Dressur auf A-Niveau, ein bisschen Springen und Spaß im Gelände fiel „Sunny“ als Reitpferd aus. Auf Grund ihrer wertvollen Abstammung und ihrer guten Anlage jedoch ist sie als Zuchtstute bestens geeignet. Mit Feuereifer stürzte sie sich auf ihre neue Aufgabe.

Doch das bildhübsche, vom ersten Tag an extrem Menschen bezogene Fohlen von Springhengst Phlox brach sich beim Toben auf der Koppel den linken Oberarm. Spiralbruch und im Normalfall ein Todesurteil. Doch das Schicksal wollte es anders. Gestütsherrin Graciella Bruch unterband die bereits aufgezogene Todesspritze, stabilisierte die unter Schock stehende „Menschenmutter“ und rettete Pakuna damit das Leben. „Am nächsten Morgen ist sie auf drei Beinen aufgestanden und hat getrunken. Da war klar: Sie will leben“, erzählt Ursula Zinßius glücklich.

Der Tierarzt, Pferdezüchter und Springreiter Wolfgang Schmidt, der mit einem seiner besten Sportpferde eine ähnliche Erfahrung im Fohlenalter gemacht hatte, bestärkte seine Kollegin in ihrer Entscheidung. Sieben Wochen lang blieben Stute und Fohlen in „Boxenhaft“. Ursula Zinßius verbrachte so viel Zeit wie möglich mit dem anschmiegsamen Fohlen, Graciella Bruch verwöhnte die Kleine jeden Abend mit einer Flasche Tee mit Honig für die Nacht, das gesamte Gestüt, die Trakehner-Szene, Familie, Freunde und Reiterkollegen nahmen Anteil und drückten die Daumen.

Dann kam der Tag, an dem Pakuna erstmals vorsichtig ihr linkes Vorderbein belastete und das Röntgenbild das schier Unfassbare offenbarte: Die Natur und die Selbstheilungskräfte hatten gewirkt. Nichts deutete auf eine gewesene Verletzung hin, die Knochen waren gerade und stabil. Nach zwei letzten Schonwochen durften Mutter und Tochter erstmals in den Auslauf. „Dort ist sie dann regelrecht explodiert. Sie ist gerannt, hat gebuckelt, rumgetobt“, erinnert sich ihre Halterin an den Ausdruck purer Lebensfreude.

Wenige Wochen später stellte sie das Fohlen auf der Fohlenschau in St. Wendel vor und freute sich über den zweiten Platz. Groß wurde Pakuna mit ihren Pferdeschwestern in der Jungpferdeherde. Im Mai 2020 kam sie dreijährig erstmals unter den Sattel. Absolut brav und unerschrocken durfte sie schnell zurück auf die Koppel, bis im Herbst dann die Schulzeit unter dem Reiter begann, in Walshausen bei Kerstin Müller und ihrem Team. Die Ärztin betont: „Ich bin Laura Guterl und Kerstin Müller extrem dankbar für die wunderbare Ausbildung.“

Die Ausbilderin selbst ist begeistert von dem Lerneifer und der enormen Kooperationsbereitschaft der eher zierlichen Stute. Sie beschreibt: „Sie wirkt unscheinbar, aber unter dem Sattel macht sie sich richtig groß.“ Dank ihrer absoluten Gelassenheit konnte auch Ursula Zinßius sie schnell reiten. Beim ersten Freispringen habe das junge Pferd nicht so genau gewusst, was es mit den Hindernissen anfangen sollte. Doch im Landgestüt bei der Trakehner-Stutenschau machte die Kleinste die größten Sprünge und überzeugte auch mit ihrem Charakter auf der ganzen Länge. Wieder einmal nahm die gesamte Trakehner-Pferdeszene Anteil und freute sich mit.

Für Ursula Zinßius ist das Glück vollkommen. Während sie Pakunas Halbgeschwister alle verkauft, träumt die 60-jährige Freizeitreiterin davon, sich mit ihr eines nicht so fernen Tages an die Geländestrecke in Walshausen heranzutasten. Sie lacht: „In meinem Tempo.“ Schließlich kommt der Name Pakuna aus dem Indianischen und bedeutet „bergab springender Hirsch“.

Doch auch in der Reitpferdeprüfung auf dem Gestüt St. Wendel hinterließ Pakuna kürzlich einen guten Eindruck: Mit Silber und der Wertnote 7,8.