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Zoll lässt Zigarettenschmuggler auffliegen

Zoll lässt Zigarettenschmuggler auffliegen

Ein 52-jähriger Zweibrücker gilt als Drahtzieher der internationalen Zigarettenschmuggelszene. Bereits am 23. Dezember haben Zollfahnder ihn und zwei andere Verdächtige verhaftet und eine Viertelmillion unversteuerter Glimmstängel sichergestellt.

Zollfahnder haben in Zweibrücken und dem Saarland fast 260 000 Schmuggelzigaretten beschlagnahmt. Der Einsatz erfolgte am 23. Dezember, wie Hans-Jürgen Schmidt, Sprecher des Zollfahndungsamts Frankfurt am Main, am Dienstag mitteilte. Dabei wurden drei Verdächtige vorläufig festgenommen, denen gewerbsmäßige Steuerhehlerei vorgeworfen wird: als vermeintliche Drahtzieher ein Zweibrücker (52) und ein Lebacher (40). Diese sollen seit dem Frühjahr von einer ukrainischen Tätergruppe Schmuggelzigaretten bezogen und an Zwischenhändler verkauft haben. Auch bei einem 28-jährigen Ukrainer klickten die Handschellen - er gilt als der Lieferant der illegal eingeführten Glimmstängel. Bei Hausdurchsuchungen in Marpingen - einem kleinen Zwischenlager - und Lebach seien die Ermittler auf etwa 115 000 unversteuerte Zigaretten gestoßen, in der Zweibrücker Wohnung auf 5400.

Den Löwenanteil von 144 000 Stück habe man in Zweibrücken in einem Fahrzeug sichergestellt, das den hiesigen Hehler beliefern sollte. Weil die Ermittler davon ausgingen, dass der Zweibrücker bewaffnet ist, waren auch Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) des Saarlandes bei dem Zugriff dabei, wie Zoll-Sprecher Hans-Jürgen Schmidt erklärt. Seine Behörde ermittelte im Auftrag der Saarbrücker Staatsanwaltschaft gegen die beiden Hauptverdächtigen.

Wie hoch der verursachte Steuerschaden sei, müsse noch mit Hilfe von Beweismitteln geklärt werden, sagte Schmidt. Er belaufe sich allein für die jüngste Fuhre auf 50 000 Euro.

Die Fahnder waren nach Schmidts Angaben bei Ermittlungen in einem anderen Fall von Zigarettenschmuggel auf die Zweibrücker Spur gestoßen. Sie griffen zu, als ein Lieferant die unverzollten Glimmstängel in Zweibrücken ablieferte. In den durchsuchten Wohnungen, Kellern und Garagen in Zweibrücken , Lebach und Marpingen fielen den Beamten auch 116 Flaschen Schnaps sowie drei Fünf-Liter-Fässer der Spirituose in die Hände. Ob sie diese selbst trinken wollten oder auch damit Hehlerei betrieben, sei noch unklar. Auch vier Luftdruckwaffen und 2680 Euro fanden die Ermittler .

Die Verdächtigen sind inzwischen wieder auf freien Fuß, der Ukrainer gegen Zahlung eines vierstelligen Sicherheitsbetrags. Sie haben sich nach Schmidts Angaben noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Gegen den Zweibrücker lägen keine Vorstrafen vor. "Mindestens in den letzten zehn Jahren war das das erste Mal, das wir direkt in Zweibrücken mit solchen Dimensionen zu tun hatten", erklärt Schmidt. Er könne nicht ausschließen, dass noch weitere Zigarettenschmuggler in der Rosenstadt ihr Unwesen trieben, auch wenn aktuell keine Ansätze dafür vorlägen. Aber erst gelte es, die zahlreichen, den Verdächtigen gehörenden, Handys und Notebooks, auszuwerten. Die Hoffnung ist, auf weitere Mittäter oder mutmaßliche Abnehmer zu stoßen.

Wie kann man sich die Verteilung dieser illegalen Zigaretten überhaupt vorstellen? Eine Möglichkeit sei, dass diese im Ausland produziert und dann ohne Steuerzeichen, Warnhinweise und deutsche Steuerbanderolen über die Grenze gebracht würden. Es sei auch möglich, dass sie in Deutschland hergestellt, steuerfrei in ein Drittland ausgeführt, entnommen und illegal über die deutsche Grenze zurück geschickt würden. Das Fehlen von Steuerzeichen oder deutscher Steuerbanderole sei ein sicherer Hinweis, dass es sich um illegale Ware handele. Die illegalen Zigaretten gelangten vom Hersteller meist über zwei oder drei Zwischenhändler zum Endabnehmer, das alles sei wie bei legalen Geschäftsmodellen hierarchisch aufgebaut. Der verdächtige Zweibrücker sei hierbei, ein "mittlerer, kein dicker Fisch", wie Schmidt sagt. Die illegalen Zigaretten würden üblicherweise im Familienkreis, in Vereinen oder Kneipen veräußert. "In offiziellen Geschäften kriegt man die nicht, es sei denn, unter der Hand", so Schmidt, der auch beschreibt, dass sich die Szene gewandelt habe. Früher hätten die Zollfahnder mehrmals Zwischenlager mit zehn bis 30 Millionen Schmuggelzigaretten ausgehoben. Heute seien die Lieferungen kleiner und häufiger, könnten in längstens einer Woche abgesetzt werden. Schmidt: "Bei einem Zugriff sind dann nur zehn- und nicht gleich hunderttausend Standen weg." Laut Zoll kostet die Herstellung einer Stange Zigaretten zwei Euro, verkauft werde sie schließlich - nachdem die Zwischenhändler daran verdient haben - für 25 bis 28 Euro. Bei den sichergestellten Zigaretten handelt es sich um Erzeugnisse der Marke L & M sowie um markenlose Produkte.

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Zur SacheIm Jahr 2013 hat das Frankfurter Zollfahndungsamt laut Angaben von Sprecher Hans-Jürgen Schmidt 7 449 184 Schmuggelzigaretten sichergestellt. Die Behörde ist für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und zwölf Landkreise in angrenzenden Bundesländern zuständig. Das sei allerdings nur eine Momentaufnahme, "was bereits über den Ladentisch gegangen ist, ist um ein Vielfaches höher. Das müssen wir nachweisen", so Schmidt. Insgesamt gehe es dem Zoll nicht bloß darum, das Hehlergut vom Markt zu nehmen, sondern die Vertriebsstrukturen zu zerstören. ek