Zeichner und Verseschmied

Hermann Schmolze, der 1823 in Zweibrücken geboren wurde und schon 1859 in Philadelphia verstarb, war Thema eines Vortrages beim Historischen Verein. Professor Harald Lehmann referierte über den Künstler.

An die 40 Freunde des Historischen Vereins Zweibrücken kamen kürzlich in den Kapellenraum der Karlskirche: Professor Harald Lehmann referierte in einem Lichtbildvortrag über das Leben des Künstlers Hermann Schmolze, der 1823 in Zweibrücken geboren wurde und schon 1859 in Philadelphia verstarb.

Er war Zeichner, Maler, Karikaturist und Verseschmied. Er lebte in stürmischen Zeiten, die 48er Revolution erlebte er aktiv in München, aus dem Pfälzischen Aufstand 1849 kam er nur knapp mit dem Leben davon. Er wurde wegen eigentlich nichtiger angeblicher Vergehen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der Vollstreckung entging er durch Flucht nach England, wo er sich dem Salon der deutschen Emigranten um die Baronin Marie von Bruiningk anschloss. Er hatte an der Kunstakademie in München studiert, und bewies schon in jungen Jahren sein großes Zeichentalent.

Vornehmlich für Zeitungen zeichnete er, karikierte auch gern das Zeitgeschehen, freilich mit Weichstift, denn die Herrschenden verstanden keinen Spaß. Auch in ÖL brachte er Ansehnliches zustande. Seine Flucht endete erst in Amerika, in Philadelphia, wo er es zu großen Ehren brachte. Schnell wurde sein großes Talent erkannt. Er zeichnete über 100 Vorlagen für Stahlstiche, mit biblischen Themen, idyllischen Landschaften, politischen Statements, manches gern auch ein wenig biedermeierlich, was eben so gefiel. Spottgedichte standen in München wie in Philadelphia hoch im Kurs. Als sein Hauptwerk gilt das gewaltige Deckengemälde in der Music Hall in Philadelphia, damals das erste Opernhaus in den Staaten und damit heute das älteste. Eine Ehre, als Künstler für die Ausschmückung dieses Musentempels erwählt zu werden. Heute noch ist das Gemälde im Original zu bewundern.

"Hermann Schmolze ist in Zweibrücken leider vergessen worden, es ist gut, ihn wieder in Erinnerung zu rufen", so die Meinung der Besucher. Er war immerhin ein aufrechter Bürger, ein standhafter Demokrat und ein Künstler mit vielen Talenten, der Zweibrücken durchaus zur Mehrung des Ansehens gereicht.