Zweibrücken : „Das hier ist keine Waldorfschule“

Was Kabarettist Wolfgang Trepper bei seinem Auftritt in Zweibrücken so im Angebot hatte.

Wolfgang Trepper spielt ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm, das stand am Ende des Abends in der Alten Feuerwache fest. Um das beurteilen zu können, sollten Zeitungsmenschen bitte schön bis zum Schluss ausharren. Der 61-jährige sagte nämlich, er ließe sich die Kritiken immer zuschicken und merke dann, wenn jemand nur die ersten zehn Minuten da war. Einmal habe er sogar bei einer Zeitung nach einem unvollständigen Artikel angerufen und den Redakteur gefragt, ob sein Blatt nur aus Kreuzworträtseln und dem Wetterbericht bestehe. Nein, da sei doch noch viel mehr drin, habe dieser entgegnet. Trepper daraufhin: „Jetzt können wir uns unterhalten.“

Auch im Programm des Duisburgers war natürlich noch weitaus mehr als die zehn Minuten Auftakt drin. Die etwa 200 Zuschauer wurden von einfachen Kalauern über witzige Comedy-Storys bis hin zum politischen Kabarett bestens bespasst. Zunächst arbeitete sich Trepper an Corona ab – kein Wunder, war sein Auftritt ja schließlich zwei- oder dreimal verlegt worden aufgrund der Pandemie. Ganz blöde seien Autokino-Auftritte gewesen, dazu habe ihm ein bescheuerter Kollege geraten. Dessen Name wolle er aber nicht verraten, das sei Oliver Pocher sicher nicht recht.

Im Dialog mit dem Publikum bewies Trepper, dass er sich recht gut mit der Gegend auskennt. Niederwürzbach kennt er noch aus seiner Zeit als Handballfunktionär. Als ihm eine vorwitzige Dame zur Vorsicht riet, sie sei nämlich Saarländerin, entgegnete der Kabarettist schlagfertig: „Ja, aber das hier ist keine Waldorfschule, wo man mitdiskutieren kann.“

Zurück zu Corona: Manche hätten ja ihren Einkaufswagen dermaßen desinfiziert – „da konntest du eine Herz-Lungen-OP in der Karre machen.“ Außerdem: „In Italien waren die Kondome ausverkauft, in Frankreich der Rotwein, in Deutschland das Toilettenpapier – da weiß man, wo die Lebensfreude zu hause ist!“ Zur letzten Bundestagswahl meinte Trepper, das sei ja mehr so was wie „Schrottwichteln“ gewesen. „Olaf Scholz hatte nur einen einzigen Vorteil – dass er nicht Armin Laschet war.“ Die SPD habe den jetzigen Kanzler doch eigentlich loswerden wollen, aber nicht geahnt, dass die CDU ausgerechnet Laschet aufstellt.

Robert Habeck von den Grünen bekam viel Lob von Trepper. Das er am Ende aber konterkarierte mit dem Satz: „Nur schade, dass er sich nicht für Politik interessiert.“ Als der Kabarettist bei der AfD ankam, sagte er, das Publikum glaube wohl, er würde sich nun 20 Minuten an dieser Partei abarbeiten. Aber: „Für diese ganzen Köpfe ist mir mein Programm zu schade.“ So viel ließ er aber dennoch raus: Björn Höcke sei ein grauenvoller Faschist, Tino Chrupalla habe bei Goebbels abgeschrieben und die „mehr als verachtenswerte“ Alice Weidel solle nicht mit zweierlei Maß messen und über schwule Männer herziehen.

Danach schlüpfte Trepper, der gerne wie ein Feldwebel von der Bühne herunter brüllte, in die Rolle des notorischen Pedanten. Wie eine Toilettenpapierrolle richtig herum angebracht wird, dass RTL bei der Fernbedienung auf die Vier und bei Bettwäsche die Seite mit den Knöpfen nach unten gehört, wisse doch jeder – nur offenbar seine Frau Ulrike nicht. Gerne blickte Trepper auf die guten alten Zeiten zurück. Als vor Monaten an einem Wochenende ein neues Abba-Album herauskam und „Wetten dass..?“ mit Thomas Gottschalk lief, habe sich der Komiker nur noch einen neuen Schimanski-Tatort gewünscht – doch Gott habe ihm den Wunsch nicht erfüllt. „Früher war noch alles in Ordnung. Wir hatten keine Arbeitslose und der Russe war dort, wo er hingehört“, blickte Trepper wehmütig zurück.

Das alles war sehr unterhaltsam und witzig, wahrscheinlich sogar für die 25-jährige Michelle, die der Komiker im Publikum ausgemacht hatte und der er immer wieder so manches Nostalgische erklärte. Nur ein langer und spontaner Exkurs darüber, mit welcher Methode Trepper ein neues Programm entwickelt, wäre wohl höchstens für Kollegen spannend gewesen. Da hatte man das Gefühl, dass er sich das einfach gerne mal selbst erzählen wollte.

Mit ein paar schönen Kalauern brachte er dann das Publikum wieder auf Betriebstemperatur. „Hängen in Gefängnissen auch die Schilder mit dem Fluchtweg?“, war so einer, oder: „Wer macht eigentlich die Haufen von Blindenhunden weg?“ Nach viel Gemaule und Gemecker zeigte der Kabarettist am Ende auch seine sentimentale und soziale Seite. Liebevoll erzählte er von seinem Vater, mit dem er einst „Frühstück bei Tiffany“ gesehen habe. Der damals zwölfjährige Trepper habe während des Abspanns schon aufstehen wollen, der Vater habe aber gesagt: „So lange die Musik noch läuft, ist der Film noch nicht zu Ende.“ Die Metaphorik dieses Spruches deutete der Kabarettist im Sinne von: „Nee, nee, wird schon alles wieder in Ordnung kommen.“ Das rührte sehr an, zumal Trepper dabei eine Spielorgel mit dem Song „Moon River“ drehte, den Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“

sang. Ja, der Motzkoffer aus Duisburg kann auch ganz anders. Das bewies er auch damit, dass er sich am Ende mit einer alten Handtasche an den Ausgang stellte und Spenden sammelte. Die gehen an die Kinder der Schulen, die er in Malawi bauen ließ. Über die Spendenfreude der Zweibrücker freute er sich – und auch darüber, dass der Pfälzische Merkur immer noch anwesend war.