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„Wir waren einfach nur tief erschüttert“

„Wir waren einfach nur tief erschüttert“

Heute vor 50 Jahren starb John F. Kennedy bei einem Anschlag im texanischen Dallas und die ganze Welt hielt für einen Moment den Atem an. Zweibrücker Zeitzeugen erinnern sich an den Tag im November 1963.

. Genau wie der 11. September 2001 ist auch der 22. November 1963 einer dieser Tage, die sich unauslöschlich und ganz tief in der Erinnerung der Menschen verankert haben. Ein Tag, an dem Amerika und die Welt tief erschüttert wurden und es schien, als wäre die Zeit für einen kurzen Augenblick stehen geblieben.

Tausende Menschen winken aufgeregt am Straßenrand, schwenken Fähnchen mit der amerikanischen Flagge. In einer Autokolonne bahnt sich der Präsident in seinem offenen Wagen den Weg durch die Innenstadt, winkt freundlich zurück. Gegen 12.30 Uhr Ortszeit durchdringen mehrere Gewehrschüsse den Jubel der Massen auf dem Dealey Plaza in Dallas. Von zwei Kugeln getroffen, sackt John Fitzgerald Kennedy, 35. Präsident der USA, in den Schoß seiner Frau Jackie. Ein Geschoss hat seine Lunge durchschlagen, das Zweite seinen Kopf getroffen. Schwer verwundet wird der Präsident in das Parkland Memorial Hospital gebracht. Um 13 Uhr erklären ihn die Ärzte für tot. Eine ganze Nation trauert und mit ihr auch viele Menschen in Deutschland. Anlässlich des 50. Todestages von John F. Kennedy erinnern sich einige bekannte Zweibrücker Bürger an den 22. November 1963 zurück und schildern, wie sie von der Tragödie erfahren haben.

"Ob ich die Nachricht aus dem Radio oder im Fernsehen gehört habe, kann ich nicht mehr genau sagen. Aber alle waren von Kennedys Tod sehr mitgenommen", erinnert sich der VTZ-Vorsitzende Otto Graßhoff, damals 24 Jahre alt und Student an der Universität in Tübingen. Besonders der spontane Schweigemarsch zum Tübinger Rathausplatz ist ihm im Gedächtnis geblieben: "Auf dem Weg haben alle geschwiegen, keinem war zu Reden zumute. Gerade weil wir große Hoffnungen in Kennedy hatten, saß der Schock so tief."

Ganz ähnlich hat auch Wolfgang Ohler den schwarzen Tag im November 1963 erlebt. Zuhause hing man den ganzen Tag wie gefesselt am Radio, erzählt der Zweibrücker Schriftsteller. "Als am späten Nachmittag oder Abend der Tod des Präsidenten offiziell bestätigt wurde, waren wir einfach nur erschüttert. Das war eine Nachricht, auf die keiner vorbereitet war." An der Universität in Saarbrücken ist das Attentat in den Tagen danach das Gesprächsthema Nummer eins. Für Wolfgang Ohler, der hier Rechtswissenschaften studiert, ist diese Zeit noch immer präsent: "In allen Vorlesungen diskutierten wir über das Geschehene. Für viele Studenten war der junge, aufstrebende Politiker Kennedy ein Idol."

Während seiner Tätigkeit als Gerichtsreferendar am Trierer Landgericht erfährt der ehemalige Zweibrücker Oberbürgermeister Jürgen Lambert von der Tragödie. "Völlig unvorbereitet und aus heiterem Himmel", habe ihn die Meldung getroffen. "Wir saßen damals mit Freunden in meiner Wohnung und waren absolut sprachlos. Kennedy stand bei uns allen hoch im Ansehen, gerade nach seinem legendären Besuch in Berlin wenige Monate zuvor. Sein Tod hat auch die Menschen in Deutschland sehr bewegt."