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„Wir machen einfach so weiter“

„Wir machen einfach so weiter“

Stirbt der Brauch aus, sich gute Vorsätze fürs neue Jahr zu machen? Eine Merkur-Umfrage in der Zweibrücker Fußgängerzone deutet darauf hin.

Der guten Vorsätze fürs neue Jahr scheinen viele Zweibrücker müde. Bei einer (nicht repräsentativen) Umfrage unserer Zeitung gab die Mehrheit der Passanten an, sich für 2016 keine bestimmten Vorsätze gefasst zu haben.

"Ich halte sie sowieso nicht ein", sagt Claudia Wunderberg, "deshalb fasse ich auch keine Vorsätze mehr." In der Vergangenheit habe sie es manchmal mit guten Vorsätzen versucht, aber sei immer wieder gescheitert. "Wenn man etwas ändern will, kann man das jederzeit angehen. Dafür muss man nicht erst aufs neue Jahr warten", ergänzt ihr Mann Heiko, "wir fassen deshalb an Silvester keine speziellen Vorsätze". Mireille Mathieu-Witt sieht das ähnlich: "Mein Vorsatz ist einfach, so zu bleiben, wie ich bin. Alles ändere hält man doch nicht ein." Auch bei Familie Kaps sind Neujahrsvorsätze nicht Tradition. "Man hält sie am Ende doch nicht ein. Letztes Jahr hatte ich mir vorgenommen, mehr Sport zu treiben. Das hat funktioniert, aber nur weil ich einem Sportverein beigetreten bin und somit regelmäßige Trainingstermine hatte", erzählt Vater Kaps, "nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann man Vorsätze auch wirklich einhalten." Tochter Theresa sieht ebenfalls von Vorsätzen für das neue Jahr ab. Die 15-Jährige sagt: "Ich hab das noch nie gemacht und auch im Freundeskreis ist das eigentlich kein Thema." Die Pensionärinnen Hildegard Fichter und Wilhelmine Ries sehen 2016 gelassen entgegen: "Wir machen einfach so weiter, wie wir aufgehört haben. Dann passt das schon."

Max Bauer möchte in Zukunft allerdings mehr Sport machen. "Das ist doch ein sinnvoller Vorsatz", meint der 25-Jährige: "Ich habe erst vor kurzem mit Basketball und Karate angefangen und möchte jetzt auf jeden Fall dabei bleiben." Eine besondere Strategie, um diese Pläne auch wirklich einzuhalten, habe er sich aber nicht überlegt: "Man muss einfach raus gehen und was machen." Mit diesem Vorsatz steht Bauer nicht alleine da. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa gaben 59 Prozent der Befragten an, dass sie sich im neuen Jahr mehr bewegen möchten. Allein Vorsätze wie weniger Stress und mehr Zeit für die Familie sind noch beliebter bei den Deutschen. Klassiker wie weniger Trinken oder mit dem Rauchen aufhören, landeten auf den hinteren Plätzen. "Ich nehme mir jedes Jahr aufs Neue vor, mit dem Rauchen aufzuhören, aber geklappt hat es noch nie", erzählt Heinz Lex.

Für junge Zweibrücker scheinen anstelle der guten Vorsätze persönliche Karriereziele immer mehr in den Vordergrund zu treten. "Vorsätze direkt habe ich keine", sagt Laura Burkhardt, "aber mein Ziel ist es, 2016 mein erstes Studiensemester zu bestehen." Seit Herbst studiert Burkhardt in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen . Auch Jungunternehmer Mathias Agirman hofft, 2016 seine weiteren beruflichen Ziele erfolgreich umzusetzen: "Ich habe erst vor kurzem in Zweibrücken einen Friseursalon eröffnet und möchte noch einen in Pirmasens aufmachen."