"Wir fühlen Trauer - und Wut"

Zweibrücken. Das Schicksal der beiden in Afghanistan bei einem Selbstmordanschlag getöteten Fallschirmjäger sorgt in deren Zweibrücker Heimatkaserne einen Tag später für spürbare Betroffenheit. "Dies ist die Zeit der Trauer

Zweibrücken. Das Schicksal der beiden in Afghanistan bei einem Selbstmordanschlag getöteten Fallschirmjäger sorgt in deren Zweibrücker Heimatkaserne einen Tag später für spürbare Betroffenheit. "Dies ist die Zeit der Trauer. Für die gefallenen Kameraden und deren Angehörige ", brachte Oberstleutnant Holger Bonnen, Kommandeur des Fallschirmjägerbataillons263 in der Niederauerbach-Kaserne, die Gefühlslage gestern auf den Punkt. Mitgefühl müsse aber auch den afghanischen Opfern und deren Familien entgegengebracht werden, denn auch um für deren Sicherheit zu sorgen, seien die deutschen Soldaten vor Ort.Die Mission der Patrouille, die bei Kundus nach Waffen gesucht hatte, sei erfolgreich verlaufen, sagte Bonnen: "Zu erfolgreich - denn nur dann greift der Gegner zu einer Taktik, bei der durch anwesende Kinder die Verteidigungsmöglichkeiten unserer Soldaten eingeschränkt waren." Er und seine Kameraden bei den Fallschirmjägern seien zutiefst erschüttert, mit welcher Skrupellosigkeit die afghanischen Rebellen vorgingen. Jegliche Rücksicht auf Einheimische und Zivilisten fehle dabei. Auch fünf afghanische Kinder waren bei dem Attentat auf die Zweibrücker Soldaten getötet worden. Heute Abend wird ein Airbus der Bundeswehr auf dem Flughafen Zweibrücken landen. An Bord die Särge der beiden Toten, des 22-jährigen Stabsgefreiten Roman S. aus Landstuhl, ein gebürtiger Leningrader, und seines 25 Jahre alten Kameraden Peter B., Stabsunteroffizier aus Potsdam. Am Freitag findet, vermutlich ab elf Uhr, in der Zweibrücker Alexanderskirche dann eine Trauerfeier statt, an der nach bisheriger Planung auch Verteidigungsminister Franz-Josef Jung, ein Vertreter der rheinland-pfälzischen Landesregierung und Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn teilnehmen.

In dem tragischen Vorfall vom Montag in Kundus sieht der Zweibrücker Landtagsabgeordnete Fritz Presl (SPD) auch enorme politische Brisanz: "Die Grundsatzfrage, was die deutschen Soldaten in Afghanistan machen, was sie effektiv in Zukunft tun können und ob das den Aufenthalt vor Ort insgesamt rechtfertigt, wird auch Auswirkungen auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr haben", sagte er gestern dem Pfälzischen Merkur. Zumindest in der SPD häufen sich Presl zufolge die Stimmen, die eine Bestandsaufnahme forderten, um zu klären, ob die Bundeswehr, neben Einsätzen zur Friedenssicherung und Aufbauhilfe, tatsächlich auch an Kriegseinsätzen teilnehmen dürfe. Das sei trotz der Trauer, die momentan die Bürger vereint, eine Frage, die bei den Menschen unterschiedlich beurteilt würde und die analytisch zu klären sei, so Presl.

Für das Fallschirmjägerbataillon263 ist der Fall klar. Oberstleutnant Bonnen: "Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Auftrag, trotz des grausamen Verlusts. Aus einem Panzer heraus kann man keinen friedlichen Kontakt zu Einheimischen aufbauen." In diesem Zusammenhang sei "Wirkung vor Deckung" ein richtiger Grundsatz für die Arbeit in Kundus, denn, so der Kommandeur. Um gegen Trauer - und eventuell auch aufkeimende Unsicherheit - unter den Soldaten anzugehen, werden sich in den nächsten Tagen Seelsorger um die Zweibrücker Soldaten kümmern. Auch der mittelschwer verletzte Soldat, der den Anschlag vom Montag überlebt hatte, kehrt morgen nach Zweibrücken zurück. "Aus einem Panzer heraus kann man keinen friedlichen Kontakt zu Einheimischen aufbauen."

Oberstleutnant

Holger Bonnen