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Wieder: Bezirksverband ist gelebte Kooperation

Wieder: Bezirksverband ist gelebte Kooperation

Der Bezirksverband Pfalz sei „ein unerlässliches Gremium“, so Vorsitzender Theo Wieder bei der 200-Jahr-Feier. Denn ohne ihn gäbe es keine die Pfalz prägenden Einrichtungen wie das Historama in Hornbach oder das Schuhmuseum in Hauenstein.

200 Jahre Bezirkstag Pfalz - für den Bezirkstag ein Grund, zurückzublicken. "Aber das Jubiläum hat auch einen anderen Aspekt", sagte der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder (CDU ) am Freitagnachmittag bei der Eröffnung des Symposiums anlässlich des Jubiläums im Zweibrücker Herzogsaal. Mit den Feierlichkeiten sollen die Visionen erneuert werden. Dabei sollen die Referenten des Symposiums mit einem Blick auf außen auf den Bezirksverband helfen.

"Selbst eine herausragende Bedeutung und Leistung ist keine Garantie für eine gute Zukunft", stellte Wieder fest. Dabei mache der Bezirksverband etwas ganz Modernes, was "in Sonntagsreden" auch immer wieder gefordert werde: "Der Bezirksverband lebt die interkommunale Kooperation vor." Denn keine der im Bezirksverband zusammengeschlossenen acht Städte und acht Kreise könne die Aufgabe erledigen, die der Bezirksverband als Träger übernommen hat beziehungsweise an denen er sich beteiligt. Von der Meisterschule für Handwerker in Kaiserslautern, der Pfalzakademie in Lambrecht, dem Historischen Museum in Speyer, dem Deutschen Schuhmuseum in Hausenstein oder dem Historama in Hornbach. Und gerade diese insgesamt zwei Dutzend Einrichtungen prägten die Pfalz. Insofern sei der Bezirksverband "ein unerlässliches Gremium".

Zweibrückens Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) begrüßte die Gäste aus der ganzen Pfalz in Zweibrücken , "der Wiege der Demokratie in Deutschland". Dabei erinnerte Pirmann an das Jubiläum 200 Jahre Oberlandesgericht und 260 Jahre Landgestüt Zweibrücken . "Zweibrücken will das ehemalige Landgestüt am Leben halten. Obwohl es uns das Land unfair untergejubelt hat." Dabei habe die Stadt dafür kein Geld, spielte Pirmann mit Blick auf die Finanzlage der verschuldeten Stadt offensichtlich auf seinen Wunsch an, dass der Bezirksverband sich am Landgestüt beteiligen soll (wir berichteten). Mit dem Blick auf die Hochschule oder das Gebiet um den Flughafen sprach der Oberbürgermeister an, dass es in der Stadt gelungen sei, nach dem Weggang der US-Streitkräfte militärische Liegenschaften einer zivilen Nutzung zuzuführen (Konversion). Und auch nach dem Rückschlag durch die Pleite des Flughafens gebe es auf der Konversionsfläche rund 3000 Arbeitsplätze.

Das Symposium wird am Samstag fortgesetzt, Programm auf www.bv-pfalz.de .

"Der Bezirksverband Pfalz - ein zukunftsfähiges Modell gelebter Demokratie " war der Festvortrag des Symposiums zur 200-Jahr-Feier überschrieben. "Soll ich dahinter ein Fragezeichen oder ein Ausrufezeichen setzen?", fragte der Festredner, Professor Ulrich Sarcinelli, zu Beginn des Vortrags, um am Ende festzustellen, dass der Bezirksverband ein Modell für die Zukunft sei. Es habe immer wieder Zweifel gegeben, meinte Sarcinelli. Aber jeder der die Existenz in Frage stelle, "verbrennt sich die Finger", meint der Politikwissenschaftler . Nicht nur weil, das Selbstverwaltungsrecht für die Pfalz in der Landesverfassung festgeschrieben sei. Sarcinelli betonte, dass der Bezirkstag direkt vom Volk gewählt sei und damit eine politische Legitimation habe. Wenngleich Sarcinelli bedauerte, dass der Bezirksverband in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werde. Nur die rund zwei Dutzend Einrichtungen, deren (Mit-)Träger der Verband sei.

Sarcinelli redete auch über das Thema Flüchtlinge. Das werde Veränderungen mit sich bringen. "Aber die Pfalz hat schon eine lange Tradition mit Ein- und Auswanderern", erinnerte der Wissenschaftler an einen Teil der Geschichte. "Schauen sie mal in ein Telefonbuch, wie viele französische, italienisch, polnisch oder russisch klingende Namen da stehen! Die Schweizer Namen erkennt man nicht. Die Pfalz ist voll mit Migrationsgeschichten."

Der Bezirksverband wolle einen Beitrag leisten, dass die Menschen gern in der Pfalz leben und sie als Heimat sehen, sagte der Vorsitzende Theo Wieder.