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Vortrag in der Bipontina: Wie die Römer zu ihrer eigenen Kunst kamen

Vortrag in der Bipontina : Wie die Römer zu ihrer eigenen Kunst kamen

(fro) In einem vorigen Vortrag über die griechische Kunst sprach Altphilologin Anita Bischoff bei begleitendem Donnergrollen, im jetzigen Vortrag über die römische Kunst grollte es wieder. „Da wird doch schon ein gewisser Zusammenhang deutlich“, meinte die Referentin und bewies flüssig und logisch anhand von Abbildungen römischer und griechischer Statuen die Eigenständigkeit römischer Kunst.

Im zweiten Jahrhundert begann römischer Einfluss die hellenistische Welt zu bestimmen und zum Ende des  ersten Jahrhunderts waren die hellenistischen Reiche am Ende .Die Siege  römischer Feldherren seit dem 2. Jahrhundert entführten aus den eroberten Städten eine riesige Beute von Kunstschätzen: Plastik,   Malerei,  Kleinkunst aus Gold  und  Silber. Rom und die Römer entwickelten eine Sammelwut griechischer Kunstwerke. Sie kopierten Statuen.

Viele überlieferte Statuen aus griechischer Zeit sind in der Tat Kopien aus römischer Zeit mit Anpassungen, „oft findet sich ein römischer Kopf auf einem griechischen Körper“, sagte Bischoff. Griechische Originale der großen Bildhauer gibt es kaum. „Bis circa 100 vor Christus kann man mit Recht von Abklatschkunst der Römer sprechen“, betonte Bischoff. Dann kam es allmählich zu Verschmelzungen. Man kombinierte Versatzstücke aus griechischer Kunst.

Es geht nicht mehr um Götter und Heroen sondern immer mehr um den Menschen schlechthin. „Entgleiste“ Gesichtszüge in Leidenschaft und Schmerz „entstellten“ das eherne harmonisierte Antlitz. Griechen enthüllen den Körper bis hin zur Nacktheit, Römer verhüllen ihn.

Am Ende des ersten Jahrhunderts ist der Hellenismus beendet, es beginnt die klassizistische Periode der augustäischen Zeit. Veränderungen finden sich auch in der Architektur. Säulen dienen nur der Fassade, sie tragen nicht mehr, der Rundbogen herrscht vor. Das frisch erfundene römische Gussmauerwerk machte andere Konstruktionen möglich, auch entstanden nun reine Repräsentationsbauten. Arkaden herrschten vor, Thermen entstanden. Der neue Tempel hieß Pantheon, dessen gewaltige Kuppel noch für Jahrhunderte Vorbild blieb. Das Grollen verzog sich nach 100 Minuten gelungenen Vortrags, Zeus bleibt in Stein gehauen lebendig, nur neue Götter sind hinzugekommen.