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Westricher Geschichtsblätter: Historischer Verein Zweibrücken

Historischer Verein Zweibrücken : Heimatkunde in Grün ist wieder da

Wissenswertes aus der Historie der Region bieten die Westricher Geschichtsblätter, die der Historische Verein Zweibrücken herausgibt. Ausgewählt und bearbeitet wurden die Texte vom Kirchenhistoriker Bernhard H. Bonkhoff.

„Ein Glück, dass aus den Holpersteinen, die den ‚Westricher Geschichtsblättern‘ in den Weg gelegt worden waren, keine Stolpersteine wurden. So konnte, nachdem die Jahresmitgliederversammlung ihr Ja zum weiteren Erscheinen der Zweijahresgabe des Historischen Vereins Zweibrücken bekräftigt hatte, deren neueste Ausgabe für die Jahre 2021 und 2022 jetzt die Druckerpresse verlassen“, erläutert Heinz Weinkauf. Das Vereins-Mitglied erklärt weiter: „Grüngewandet wie seit der ersten Ausgabe 1980 und wieder sorgfältig ausgewählt und bearbeitet von Ruhestandspfarrer und Kirchenhistoriker Bernhard H. Bonkhoff, liegt mit der jüngsten Publikation erneut eine lesenswerte Sammlung von mehr als vierzig historischen und heimatkundlichen Beiträgen aus der Tagespresse vor, geschrieben von zwei Dutzend Autoren.“

Schon beim ersten Durchblättern der fast siebzig Seiten wird einem bewusst, wie wichtig diese Auswahl ist, bewahrt sie doch Wissenswertes und Kenntnisreiches aus der Historie der Region, das im Alltag sonst sicherlich verloren gegangen wäre. Und was ist da nicht alles zu finden!

Wer weiß noch, dass es im Zweiten Weltkrieg auf der Biebermühle ein Lager für Zwangsarbeiter mit an die fünfzig Baracken gab? Da geht’s um Orgelbau in der Herzogszeit, um einen prächtigen Barockschrank, der Hochzeitsgeschenk für eine Herzogin war, um eine 1000 Jahre alte Handschrift aus dem Kloster Weißenburg, um Rosenthal-Porzellan, das einmal aus Landstuhl kam und schließlich auch um den bayerischen Prinzregenten Luitpold.

Aus Pirmasens stammte die berühmte Scherenschnitt-Künstlerin Elisabeth Emmler, nur kurze Zeit gab es einmal eine Wasgauwaldbahn, in Herschberg befindet sich einer der größten jüdischen Friedhöfe der Westpfalz und wer denkt schon, dass der aus dem nordpfälzischen Alsenz stammende Wilhelm Frick als Reichsinnenminister eine der wichtigsten Nazi-Größen war?

Vieles wäre jetzt noch zu erwähnen, was in dem gefälligen reich illustrierten Band mit seinem harmonischen Schriftbild die Aufmerksamkeit fesselt. Leider findet sich manchmal die Fortsetzung eines Artikels statt auf der nächsten erst auf der übernächsten Seite. „Von einem Fehler beim Umbruch reden dann die Zeitungsmetteure“, entschuldigt sich Heinz Weinkauf.

Eingeleitet wird die bunte und oft spannende Lesefolge mit einer Arbeit über die Bechhofer Kirche St. Michael, die 1930 in nur sieben Monaten Bauzeit entstanden ist, geplant von Albert Boßlet, einem der bedeutendsten Kirchenbauer des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte der Pfarrei wird ebenfalls geschildert, und das alles unter der Überschrift „An Silvester um 5 Uhr morgens in die Kirche“. Diese Schlagzeile erinnert an das Jahr 1899, in dem der Pfarrer an Silvester zur Jahresschlussandacht mit Predigt um 5 Uhr eingeladen hatte.

Und hier tauchen Zweifel auf. In jener Zeit war die 24-Stunden-Zählweise für den Tag noch lange nicht üblich. Dieser wurde damals in zwei Zwölfer-Stunden-Abschnitten gezählt – einmal von Mitternacht bis 12 Uhr mittags, und einmal von 12 Uhr mittags bis Mitternacht. So gab es 5 Uhr an frühen Morgen und die fünfte Stunde als spätnachmittägliches Pendant. Und da es um den Jahresausklang ging, meinte der Pfarrer wohl 5 Uhr am Nachmittag.

Die neue Ausgabe der „Westricher Geschichtsblätter“ können sich die Mitglieder des Historischen Vereins ab sofort in der Sonnen-Apotheke in der Zweibrücker Fußgängerzone abholen. Es ist die kostenlose Zweijahresgabe des Vereins, der 2023 sein 150-jähriges Bestehen feiern kann. Exemplare aus vergangenen Jahren sind beim Vorsitzenden des Vereins, Michael Schubert, zu bekommen.

Fragen und Infos gibt es unter info@historischer-verein-zweibruecken.de