Wenn Mars so richtig mobil macht

Der europaweite Rückruf von Millionen Mars-, Snickers- und Milky-Way-Riegeln wirkt sich auf die Rosenstadt aus. Auch hiesige Einzelhändler mussten die beliebten Süßwaren aussortieren – Edeka Ernst alleine 440 Einzelriegel und Pakete. Wann Ersatz kommt, ist unklar.

An Rückrufaktionen von Lebensmitteln ist Dieter Ernst , Betreiber des Edeka-Marktes im Hilgard-Center, gewöhnt. Etwa 30 Mal kommt es im Jahr vor, dass Waren auf Anweisung von oben aus den Regalen geräumt werden müssen. Doch der Rückruf, den der Einzelhändler am Dienstag erhielt, sei schon außergewöhnlich gewesen. Da hatte der US-Süßwarengigant Mars weltweit Millionen Schokoriegel mit den Namen "Mars ", "Snickers", "Milky Way" und die Zusammenstellung "Celebrations" aus dem Verkehr gezogen, nachdem eine Kundin in einem dieser Riegel ein Kunststoffteilchen entdeckt hatte. Wie der Konzern gestern konkretisierte, war in den Niederlanden beim Austauschen einer Leitung ein Plastikdeckel in den Produktionsprozess gelangt. Das Teil von etwa 15 Zentimetern Durchmesser sei zerkleinert worden, habe daher spitze Kanten - und sei eine Gefahr für den Verbraucher.

Nicht etwa durch ein hektisches Telefonat sei Ernst über die Rückrufaktion unterrichtet worden: "Über unser Warenwirtschaftssystem erhalten unsere Mitarbeiter an der Information in solchen Fällen von Edeka die Mitteilung über eine Sperrung detailliert beschriebener Artikel mit Mindesthaltbarkeit. Die Waren müssen dann umgehend aus dem Verkauf genommen werden. Es ist da auch ein Rückrufschein dabei, die Ware geht mit der nächsten Trockensortimentslieferung zurück an die Zentrale." Am Dienstag habe eine Mitarbeiterin die Regale gleich geleert. "Die waren gut bestückt und auch im Lager hatten wir Material zum Nachfüllen", klagt Ernst und ergänzt mit Blick auf die leeren Regale: "Das tut uns weh, weil es starke Artikel sind. Wir wissen auch nicht, wann Ersatz kommt." Rund 280 Multipacks und 160 Einzelriegel aus der Kassenzone habe man entfernt, schildert er gestern: "Nur Twix ist noch im Verkauf." Das Aussortierte stand da, für den Fall möglicher Kontrollen genau dokumentiert, auf einem Rolli als gesperrte Ware im Lager, bereit für den Rücktransport.

Er selbst erhalte für das gesperrte Gut von der Zentrale eine Gutschrift: "Verlust machen wir da keinen." Allerdings stünden Umsatzeinbußen zu Buche. "Außerdem müssen wir bei einem Rückruf dieser Größenordnung und einem so renommierten Unternehmen abwarten, ob es nicht in den nächsten Wochen zu einem Imageschaden kommt", sagt Ernst. Kunden sei es schwer verständlich zu machen, dass wegen eines Rückrufs ihr gewolltes Produkt gerade nicht erhältlich ist. Aber: "Wenn etwas passiert wäre, wäre das viel schlimmer!"

Sollten Kunden am Montag während des Leerräumens der Regale doch noch Schokoriegel in den Einkaufswagen gelegt haben, seien diese noch verkauft worden. "Wer dies getan hat, kann sie bei uns umtauschen" so Ernst - dann heißt es "Geld zurück". Wenn nicht von der Rückrufaktion betroffene Schokoriegel im Laden wären, könnten Kunden auch sie im Tausch mitnehmen.

Mars selbst gab gestern an, Kunden nicht mit Geld sondern mit eigenen Produkten entschädigen zu wollen. "Die Verbraucher können aussuchen, welche unserer Produkte sie wollen, und sie bekommen natürlich auch noch etwas obendrauf", sagte ein Unternehmenssprecher in Viersen bei Düsseldorf. Laut "Sueddeutsche.de" ist ein Tausch auch gegen andere "Mars "-Produkte, von Lebensmitteln (Uncle-Bens-Reis, Wrigleys-Kaugummis) über Spaghetti und Fertigsoßen bis hin zu Tierfutter wie Pedigree und Whiskas möglich.

Für Fragen zum Rückruf bietet der Hersteller eine Hotline unter 04231/94 32 99 und ein Kontaktformular im Internet ( dpaq.de/wN5q5 ).