1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Wenn die Kinder nach Corona spinnen

Unsere Woche : Wehe, wenn sie losgelassen

Corona war für uns alle nicht leicht. Für uns als Gesellschaft, aber auch für die Familien. Auch für meine Familie. Ich finde, wir, also insbesondere meine Frau und die Kinder (ich hatte ja das Glück, praktisch unbehelligt meiner Arbeit außerhalb der eigenen vier Wände nachgehen zu dürfen), haben uns da sehr gut geschlagen.

Gerade die Kinder haben eine Disziplin gezeigt, die man eigentlich kaum erwarten konnte: Schulaufgaben gemacht (wenn auch nicht gerne), Masken getragen, die Trennung von ihren Freunden ertragen (unendliche Chats und Telefongespräche der Ältesten ausgenommen), sogar gelegentlich ohne Murren ihre Haushaltspflichten erledigt.

Wie schön, dachten wir, wird es mit Beginn der Sommerferien werden? Kein Wochenplan mehr abzuarbeiten, kaum noch Beschränkungen für Treffen mit den Freunden, sogar das Freibad gegenüber war endlich geöffnet.

Leider trüben seither kindliche Aussetzer die Stimmung: Wie eine Horde Wikinger ziehen die kleinen plündernd und brandschatzend (na ja, fast jedenfalls) durch die Zimmer der großen Kinder, ohne größeres Donnerwetter wird keine Pflicht mehr erfüllt, nach der abendlichen Sperrstunde flüchten übermütige Kinder in den Garten, klettern auf die alte Kastanie und kündigen an, dort übernachten zu wollen; es wird gestritten, gezickt, geschubst. Als Erwachsener steht man fassungslos davor und fragt sich, ob die lieben Kleinen allesamt wahnsinnig geworden sind und was man um Gottes Willen in den vergangen Jahren derart falsch gemacht haben kann.

Bis. Ja bis man Kollegen mit Kindern im vergleichbaren Alter davon erzählt. Dann merkt man nämlich: Bei denen ist seit Ferienbeginn auch häufig Land unter. Deren Kinder benehmen sich seit Beginn der Ferien auch wie die Axt im Walde. Und auf einmal ist die Welt gar nicht mehr so grau. Wenn wir was falsch gemacht haben, dann haben wir es gemeinsam verbockt.

Darum werden wir ab jetzt versuchen, dem Treiben der wilden Horde ein wenig milder zuzuschauen (auch wenn es schwer fällt) und es als den Ausgleich für die Monate der Disziplin sehen, der es wahrscheinlich auch ist. Und falls Sie oder Sie oder Sie dachten, nur Ihre Kinder benähmen sich ungewöhnlich schlecht: Sie sind nicht allein! Trotzdem wäre es schön, wenn sich die junge Generation langsam mal wieder einkriegen würde. Eltern wollen auch mal Ferien haben.