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Stadtrat: Weniger Rohstoff, mehr Lebensraum

Stadtrat : Weniger Rohstoff, mehr Lebensraum

Die Verwaltung hat Grünen-Fragen zum Zustand des Waldes beantwortet.

(red) „Der Zweibrücker Wald leidet zunehmend unter Trockenheit. Noch sind die Schäden überschaubar, vor allem, weil der Bestand vorwiegend Laub- und Mischwälder umfasst.“ So interpretiert die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Antwort auf eine Anfrage des Stadtratsmitglieds Barbara Danner-Schmidt (aus der Ratssitzung vom 16. Oktober 2019). Das entbinde Zweibrücken nicht davon, sich Gedanken um die Zukunft des Waldes machen. Klimaschutz, Naturschutz und Naherholung müssen an Stelle der allein wirtschaftlichen Nutzung in den Fokus rücken, fordern die Grünen.

Ergänzend zu einem allgemeinen Berichtsantrag der CDU-Fraktion zum Zustand der Wälder auf städtischer Gemarkung hatten die Grünen im Stadtrat 13 konkrete Fragen gestellt. Zur Struktur und Nutzung des Waldes, zu naturnaher Bewirtschaftung, zu Waldschäden und zu Fördermöglichkeiten durch das Soforthilfe-Programm der Bundesregierung.

„Für uns Grüne ergibt sich der Eindruck einer grundsätzlich nachhaltigen Bewirtschaftung des kommunalen Waldes“, erklärt Barbara Danner-Schmidt, die stellver-tretende Fraktionsvorsitzende. Dennoch litten „öffentliche und private Wälder auf Zweibrücker Gemarkung unter der Trockenheit der vergangenen Jahre und somit unter dem erkennbar fortschreitenden Klimawandel“. Davon zeugten Vitalitätsverluste der Bäume und der Befall durch verschiedene Baumschädlinge.

Die konsequente Umsetzung der nationalen Biodiversitäts-Strategie (NBS) im kommunalen Wald wäre aus Sicht der Grünen ein Schritt zur Stärkung des Bestandes und zur Förderung der Artenvielfalt. Ansatz der NSB ist es, zehn Prozent des öffentlichen Waldes dauerhaft aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Der Anteil könne nicht durch private Kleinstwälder eingebracht werden (wie das in Zweibrücken teilweise der Fall sei), da die Wieder-Bewirtschaftung solcher Parzellen jederzeit möglich bleibt. „Wir sollten unseren Wald weniger als Rohstoff, sondern vielmehr als Lebensraum betrachten“, betont das Ratsmitglied. Diese Funktion gewinne vor dem Hintergrund der immer stärkeren Zersiedelung und der damit einhergehenden Verkleinerung natürlicher Lebensgrundlagen für Tier- und Pflanzenarten stark an Bedeutung.

Die Zweibrücker Stadtratsfraktion der Grünen fordert deshalb, den Waldklimafonds der Bundesregie-rung schnellstmöglich in Anspruch zu nehmen. Die Gelder sollten für eine Waldentwicklung eingesetzt werden, die auf Klimaschutz, Wasserspeicher, Luftfilterwirkung, Naturschutz und Naherholung abhebt. Zudem erwarten die Grünen, dass der Stadtrat künftig in regelmäßigen Abständen über förderfähige Maßnahmen, Waldschäden und Forstwirtschaftspläne informiert wird.

„Die Stärkung unseres Waldes bedeutet unmittelbaren Klimaschutz“, bekräftigt der Grüne Fraktionsvorsitzende Norbert Pohlmann. „Dies nicht allein vor dem Hintergrund, dass etwa elf Prozent der Treibhausgasemissionen auf den Verlust von Wäldern zurückgeht.“