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Wehmütiger Abschied mit launiger Lesung

Wehmütiger Abschied mit launiger Lesung

Mehr als ein Hauch von Melancholie wehte am Freitagabend durch die Kapelle des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses. Schließlich endete die kulturelle Aktivität des dafür toll geeigneten Raumes mit der Lesung von Wolfgang Ohler und Michael Dillinger. Zumindest vorerst. Sie gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Kapelle weiterhin genutzt werden könne, sagte die langjährige Krankenhauspfarrerin Suse Günther, schränkte allerdings ein: "Ich gehöre halt zu denjenigen, die die Hoffnung nie aufgeben." Das halbe Jahr mit Kulturveranstaltungen nach der EvK-Schließung habe sie aus dem Grund drangehängt, "damit sich vielleicht noch eine Lösung findet." Bisher gebe es aber niemanden, der die Kapelle von den Betriebskosten her übernehmen wolle.

Emotional reagierte Ursula Stiwitz, die 27 Jahre lang eine der Grünen Damen war, die sich ehrenamtlich um Patienten kümmerten: "In den fünf Jahren, in denen ich hier gearbeitet habe, war die Kapelle das Herzstück des Krankenhauses, deswegen tut das so weh! Dass eine Kirchengemeinde nicht in der Lage ist, so einen Raum zu erhalten, das ist unwürdig! Dem Landesverein ist das nichts mehr wert, die wollen das loshaben, das ist für die Ballast, das finde ich so furchtbar."

Auch in der Lesung gingen die Autoren Ohler und Dillinger auf die Schließung der Kapelle ein: Da schlug ein Papst namens Zinnocer die Kapelle für ein Stelldichein mit Ohlers Großmutter Friedel vor - doch die muss absagen, da die Kapelle ja geschlossen wird. Mit dem augenzwinkernden Briefwechsel dieser beiden Figuren endete der schöne Vortrag der Zweibrücker Schriftsteller; viel wurde gekichert, geschmunzelt und bisweilen laut gelacht bei der launigen Fabulierkunst. "Wenn man die beiden hört, ist das besser, als sie selber zu lesen, das war wunderbar aufeinander abgestimmt", sagte Kulturfreund Manfred Marx.

Am Ende der letzten Kulturveranstaltung in der Kapelle verbreitete sich noch eine interessante Information: Die Pfeifenorgel gehöre nicht dem Landesverein, sondern der evangelischen Kirchengemeinde. Der LVIM könne sie also gar nicht verkaufen. So jedenfalls stellte es Pfarrerin Suse Günther dar. Der Architekt der Kapelle, Horst Grub, habe in alten Unterlagen die Rechnung für das Instrument gefunden - ausgestellt auf die Kirchengemeinde.