Wechselspiel barocker Klänge

Außergewöhnliche Klänge fluteten am Sonntagabend bei dem Konzert des Zweibrücker Kammerchors die mit rund 400 Zuhörern gut besetzte Alexanderskirche. Das Konzert überzeugte durch Präzision, Harmonie und Stimmgewalt.

Die 25 hochkarätigen Sängerinnen und Sänger des Zweibrücker Kammerchores hatten sich für ihr Barock-Konzert in der Alexanderskirche Unterstützung eingeladen. Neben vier professionellen Solisten kam auch ein Barockorchester mit Holzblasinstrumenten aus dem 16. Jahrhundert zum Einsatz. Ein Dulzian (Mechthild Alpers) mit einem leicht schnarrenden Klang und angespielt mit einen Doppelrohrblatt, unterstützte an Stelle eines Fagotts vielfach das Cello. Gleich zwei Zinken (Céline Jacob und Hans-Jakob Bollinger) übernahmen den Part von Trompeten. Besonders gut zur Geltung kamen sie bei dem Herzstück des 90-minütigen Konzerts, der Suite II für ein fünfstimmiges Instrumentalensemble von Johann H. Schein (1586 bis 1630). Er war der älteste der fünf Leipziger Thomaskantoren, deren weniger bekannten Werken die rund 40 Musiker unter Gesamtleitung der noch jungen Dirigentin Dorothea Jakob ihr Konzert widmeten. Den Auftakt für die vielfältigen, barocken Klangerlebnisse, machte die Motette "Erforsche mich, Gott" von Sebastian Knüpfer (1633 bis 1676) in der Tutti-Besetzung mit allen Mitwirkenden. Geschrieben ist sie nach dem Vorbild der norditalienischen Polyphonie für zwei vierstimmige Chöre, aufgeteilt in den Kammerchor und die vier Solisten. Trotz der opulenten Besetzung erinnert die getragene Melodieführung eher an die Schlichtheit deutscher Choräle. Als Kontrast perlten in der Bitte "Sende Dein Licht und Deine Wahrheit", nach der auch das Konzert betitelt war, die Coloraturen der Solisten im Wechselspiel mit den einfacher gehaltenen Echos oder Antworten des Chores. Synkopisch und reich verziert erklang der Wunsch "Der Herr erhöre Dich" von Johann Schein. Sehr klar verständlich und mitreißend gestand der Solo-Tenor Tobias Mäthger in Todesahnung: "Mein Verlangen ist, den Heiland zu empfangen" aus der Feder des wohl berühmtesten Thomas-Kantors, Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). In raschen Läufen brillierte das Duo der Sopranistin Eva-Maria Schappé und von Altistin Marine Fribourg in Bachs Kantate BWV 78 "Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten".

Dorothea Jakob, fast tänzerisch und mit vollem Körpereinsatz dirigierend, gelang es durchweg sehr gut, den Charakter einzelner Textpassagen herauszuarbeiten. So auch in "Gott, sei mir gnädig" von Bach-Vorgänger Johann Kuhnau (1660 bis 1722), dargebracht von Chor, Orchester und Solisten (Mathew Baker als Bass). Einem schwermütigen Schuldbekenntnis folgte tänzerisch jubelnd die Bitte um "Freud und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden". Mit dem sehr versöhnlichen, harmonischen und in weiten Melodiebögen schwingenden Bachwerk "O Jesu Christ" in Tutti-Besetzung, endete das höchst beeindruckende Konzert. "Es war fantastisch", schwärmte Nathalie Matheis. Die Riedelbergerin singt selbst im Kirchenchor und war voller Hochachtung für die Präzision, die Harmonie und Stimmgewalt von Solisten und Chor.

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