1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

„Was soll ich in meinem Alter sonst machen?“

„Was soll ich in meinem Alter sonst machen?“

Interviews mit Lemmy Kilmister sind rar gesät. Der Motörhead-Frontmann war zuletzt gesundheitlich angeschlagen. Dieses hier fand per E-Mail statt. Fragen zu seiner Gesundheit waren nicht gestattet. Dennoch ließ sich Merkur-Mitarbeiter Kai Florian Becker die Gelegenheit nicht entgehen, Lemmy einige Fragen zu stellen, die er laut seiner Pressebetreuerin gut gelaunt beantwortete.

Dave Grohl , Frontmann der Rockband Foo Fighters, nannte Sie mal den "König des Rock'n'Roll". Sind Sie ein König bzw. eine Ikone?

Lemmy Kilmister : Oh nein, ich bin weder ein König, noch ein Gott oder irgendwas in der Art. Ich sehe mich auch nicht als Ikone. Ich bin lediglich ein Mann, der den Rock'n'Roll liebt. Ich bin in der glücklichen Lage, meinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten, Musik zu spielen und mit den Fans zu feiern. Vielleicht ist das bei Dave genauso.

Konnten Sie sich als Heranwachsender vorstellen, einmal als Kultfigur des Rock bzw. Heavy Metal zu gelten? Als jemand, zu dem viele Menschen aufsehen?

Lemmy Kilmister : Niemals. Ich wollte einfach nur Musik machen und natürlich Mädels kennenlernen. Wer hätte gedacht, dass ich nach 40 Jahren immer noch dasselbe machen würde - und das mit Motörhead !

Popstar Robbie Williams und Sie sind womöglich die bekanntesten Musiker aus dem englischen Stoke-on-Trent. Besuchen Sie noch ab und an Ihren Geburtsort? Welche Kindheitserinnerungen haben Sie an Stoke-on-Trent?

Lemmy Kilmister : Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal dort war. Ich habe so gar keine Erinnerungen an Stoke-on-Trent, da wir nach Stafford zogen als ich noch sehr klein war. Dann wohnten wir in Shropshire und später in Wales. Es war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Es gab nicht viel zu essen und es passierte nicht viel. Ehrlich gesagt möchte ich nicht daran zurückdenken.

Wenn Sie auf die 40 Jahre Motörhead zurückblicken, gibt es irgendetwas, das Sie nie zu träumen gewagt hätten? Welches war der beeindruckendste Moment Ihrer Karriere?

Lemmy Kilmister : Oha... Ich weiß nicht, ob ich da einen einzelnen Moment herauspicken kann. Es gab rückblickend viele davon. Ein herausragendes Ereignis war wohl, als wir damals in Großbritannien auf Platz eins standen (1981 mit dem Live-Album "No Sleep til Hammersmith" -d. Verf.). Oder als wir just mit unserem aktuellen Album "Bad Magic" in Deutschland, Österreich und Finnland die Chartspitzen eroberten.

Derzeit sind Sie auf Tournee, um das 40-jährige Jubiläum Ihrer Band zu feiern. Wie stellen Sie mit bisher 22 Studioalben eine Songliste zusammen?

Lemmy Kilmister : Das ist schwer. Wie Sie sicherlich wissen, werden Überraschungen gerne genommen. Aber am Ende wissen wir, was unsere Fans hören wollen und warum sie auf unser Konzert gekommen sind. Wir können nicht "Overkill" oder "Ace Of Spades" auslassen. Genauso wenig einige andere Songs, die sich über die Jahre bewährt haben. Hier und da gibt es kleinere Änderungen in der Setlist. Wir sind bemüht, stets auch einen Song des aktuellen Albums zu spielen.

Werden Sie in zehn Jahren immer noch mit Motörhead auf der Bühne stehen? Oder denken Sie mit 69 Jahren langsam an die Rente?

Lemmy Kilmister : Was sollte ich sonst machen? Wenn ich mich danach fühle und meine Gesundheit es zulässt, werde ich es durchziehen.

Motörhead live am 18. November, 19 Uhr, in der Saarlandhalle.

www.garage-sb.de

www.imotorhead.com

Zum Thema:

Zur PersonLemmy Kilmister wurde am 24. Dezember 1945 unter seinem bürgerlichen Namen Ian Fraser Kilmister im englischen Stoke-on-Trent geboren. Nachdem er 1975 bei Hawkwind rausgeworfen worden war, gründete er noch im gleichen Jahr Motörhead . Seit 1984 ist Gitarrist Phil Campbell, und seit 1992 ist Schlagzeuger Mikkey Dee an Bord. Bis dato haben Motörhead 22 Studioalben veröffentlicht und gelten seit Jahren als Ikonen des Heavy Metal . kfb