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Warum Mona Delchambre mit Mitte 30 auf Lehrerin umsattelt

Von der Heilerziehungspflegerin zur Lehrerin : Große Liebe auf den zweiten Blick

Warum Mona Delchambre nach abgeschlossener Ausbildung und mit Mitte 30 einen beruflichen Neuanfang als Lehrerin gewagt hat.

„Das war eine sehr wertvolle Zeit für mich“, sagt Mona Delchambre über ihr dreiwöchiges Berufspraktikum an der Herzog-Wolfgang-Realschule HWRS plus in Zweibrücken. Die Sankt Ingberterin erfüllt sich in einem zweiten Ausbildungsgang ihren lang gehegten Traum und wird Lehrerin. Dass sie dabei mit Kommilitonen studiert, die gute zehn bis 15 Jahre jünger sind, stört die 34-Jährige überhaupt nicht. Sie lächelt: „Wir haben einen guten Austausch über WhatsApp.“ Zumal ja das Studium an der Technischen Hochschule in Kaiserslautern auf Grund der Corona-Einschränkungen aktuell ohnehin online stattfindet.

Dafür bringt die Saarländerin bereits umfassende Lebenserfahrung im Umgang mit jungen Menschen mit, von der die anderen nur träumen können. Sie berichtet: „Ich habe leider zu spät erkannt, dass ich unbedingt Lehrerin werden möchte und nur Fachabitur gemacht.“

Mit ihrer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, den passenden Notenwerten und zehn Jahren Berufserfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung erhielt sie dann die benötigte Allgemeine Hochschulreife und sattelt jetzt um. Obwohl die vielfache Saarlandpokalsiegerin und langjährige Oberligaspielerin des Basketballclubs ATSV Saarbrücken sich auch als Trainerin engagiert, war ihr wichtig, möglichst zu Beginn ihrer Studienzeit das erste der drei vorgeschriebenen Praktika zu absolvieren. Das empfiehlt sie auch allen Studienkollegen, um vor einer Klasse zu erfahren: Ist der Beruf wirklich etwas für mich? Kann und will ich mit Kindern und Jugendlichen zusammen arbeiten?

„Es hat mir viel Spaß gemacht“, bestätigt Mona Delchambre. Und das, obwohl sie Berufsschullehrerin werden und dort bei Berufseinsteigern Sport und Gesundheit unterrichten will. Sie findet: „Das ist noch einmal eine ganz wichtige und prägende Entwicklungsphase, die darüber entscheidet, wie leicht der Einstieg ins Berufsleben gelingt.“

Aus ihrer Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung hat die Studentin eine ganzheitliche Sicht auf einen Menschen und weiß, dass jeder seine ganz eigenen Stärken besitzt. Außerdem hat sie gelernt, dass jeder Mensch einen Grund hat für etwas, das er tut oder auch nicht tut. „Das kann man in einem respektvollen und wertschätzenden Gespräch auf Augenhöhe auch mit Schülern klären.“

In ihrem Praktikum hospitierte sie neben dem Sportunterricht auch in anderen Fächern. Im Sport stellte die erfahrene Trainerin, die sich neben dem regelmäßigen Training in der Lockdown-Zeit mit Joggen, Fahrradfahren und gezielten Gymnastikübungen fithält, fest: „Da ist mein Trainerrepertoir doch noch begrenzt. Ich brauche viel mehr Übungen.“ Denn ihr Ziel ist es, ihren Schülern als gutes Vorbild abwechslungsreichen Spaß und Freude an der Bewegung zu vermitteln.

Im Idealfall eine unter Umständen neue Sichtweise, die lebenslang anhält. Eine wichtige Grundlage für ihr zweites Thema, Gesundheit. Darüber hielt sie ihre erste Unterrichtsstunde bei Siebtklässlern. „Das lief gut.“ Insgesamt habe sie in den drei Wochen viel gelernt über den didaktischen Aufbau einer Stunde und den Umgang, selbst mit Störungen im Unterricht. „Diese Live-Erfahrung in der Realität lässt sich durch keine Online-Simulation ersetzen“, betont Mona Delchambre, dankbar für den Praktikumsplatz, den sie an der HWRS bekommen hat.

Die beiden weiteren Praktika in den sechs Studienjahren will sie an anderen Schulformen absolvieren, das nächste gerne an einer Berufsschule. Geht alles gut, hat sie mit Anfang 40 auch ihre beiden Jahre als Referendarin gemeistert. Ihren Lebensunterhalt verdient Mona Delchambre, indem sie Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderung begleitet. „Die Coronabeschränkungen machen es nicht gerade einfach“, hofft sie auf eine baldige Lockerung.