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Warnstreikwelle der IG Metall soll in Zweibrücken beginnen

Warnstreikwelle der IG Metall soll in Zweibrücken beginnen

Die Metall- und Elektrobranche steuert auf einen heftigen Tarifkonflikt zu. Ein früher Warnstreik-Schwerpunkt wird dabei ab kommendem Freitag unsere Region, kündigt die IG Metall (IGM) an.

Die Positionen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei den Metall-Tarifverhandlungen liegen so weit voneinander entfernt wie noch nie, bedauerten IG-Metall-Saarpfalz-Chef Ralf Reinstädtler und sein Vize Ralf Cavelius gestern bei einer Pressekonferenz. Das Angebot von 0,9 Prozent mehr Gehalt (die Arbeitgeber sprechen von 1,2) sei "das niedrigste jemals", so Cavelius. Reinstädtler erinnerte daran, "dass selbst 2009 in der größten Krise aller Zeiten es ein Angebot und einen Abschluss von 2,7 Prozent gab".

Das 0,9-Prozent-Angebot werde auch von den Zweibrücker John-Deere-Beschäftigten "als Schlag ins Gesicht" empfunden, sagte der dortige IGM-Vertrauensleute-Vorsitzende Marc Möller. Denn die Metallbranche brumme, bei John Deere etwa "arbeiten wir zurzeit teils zehn Stunden am Tag, sollen samstags kommen und mussten sogar Aufträge ablehnen", weil man an die Kapazitätsgrenzen stoße. Auch bei Terex sei "die Lage wieder sehr gut", sagte Betriebsratschef Eduard Glass. Das Arbeitgeber-Angebot mache der Gewerkschaft das Mobilisieren leicht: "Die Terex-Beschäftigten ärgern sich, dass sie jetzt auf die Straße müssen. Aber 0,9 Prozent wird als Provokation empfunden!" Auch bei ThyssenKrupp Gerlach und Schaeffler in Homburg brummten die Geschäfte. Nur zwei Unternehmen in der Region hätten derzeit wirtschaftliche Schwierigkeiten, sagte Reinstädtler. Für diese wäre eine Lohnerhöhung von fünf Prozent, wie sie die IGM fordert, natürlich schwierig, räumte Reinstädtler ein. "Es gibt immer Firmen, für die auch ein 0,0-Abschluss zu hoch wäre." Aber in solchen Fällen seien IG Metall und Betriebsräte immer bereit, "nachzuverhandeln" und individuelle Lösungen zur Betriebs- und Arbeitsplatz-Sicherung zu finden, betonten Reinstädtler und Glass.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wirft der IG Metall vor, sie gaukele ihren Mitglieder "eine Scheinidylle" vor: Niedrige Ölpreise, günstige Wechselkurse und billiges Geld übertünchten "die strukturellen Kostenprobleme", mit denen die deutschen Metall-Unternehmen dem Weltmarkt ausgesetzt seien. Zudem seien seit der Krise 2008/09 die Löhne in der Metallindustrie um 20 Prozent gestiegen, die Produktivität hingegen nur um zwei Prozent. Die Fünf-Prozent-Forderung der IGM gefährde die Wettbewerbsfähigkeit. Die IG Metall Saarpfalz nennt diese Argumentation "absurd". Dass die Metallwirtschaft "auf stabilem Wachstumskurs" mit Gewinnzuwachsen von 20 Prozent im vergangenen Jahr und in 2016 sieben Prozent sei, beweise, dass vergangene Lohnerhöhungen der Branche nicht geschadet hätten.

Die Saarpfalz-Region sei bei den geplanten Arbeitskampfmaßnahmen auch wegen des weit überdurchschnittlichen Organisationsgrads der IGM hier "vorne dabei", sagte Cavelius. Die erste von mehreren Warnstreikwellen in der Saarpfalz beginne schon wenige Stunden nach Ende der Friedenspflicht - kommenden Freitag, 29. April, werde an den drei Terex-Standorten in Zweibrücken und Blieskastel ab 9.15 Uhr für eine Stunde die Arbeit niedergelegt, vor den Werkstoren gebe es Kundgebungen. John Deere werde am 3. und 10. Mai (dann auch wieder Terex) stundenweise bestreikt. Weitere Warnstreiks sind bis 12. Mai in Homburg bei Bosch, ThyssenKrupp Gerlach und Schaeffler geplant sowie bei Hager in Blieskastel. Gibt es kein Ergebnis am Verhandlungstisch, drohten ab 30. Mai 24-Stunden-Streiks, ein neues Instrument der IG Metall .