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Wanderbäume in Zweibrücken aufgestellt

Zweibrücker Reaktion auf Klimawandel : Stadt schickt Bäume auf Wanderschaft

Ziele sind mehr Grün und besseres Klima in der Zweibrücker City. Doch das Wetter erfordert besondere Maßnahmen.

Mit vereinten Kräften zurrten die Mitglieder der Bürgerinitiative „Zweibrücken vernetzt“ am Freitagnachmittag an den Haltegurten. Diese sollen die sechs „Wanderbäume“, die seit Freitagmittag paarweise verteilt den Schlossplatz säumen, nicht etwa vor Diebstahl schützen, sondern aufrecht halten. „Eine Böe hat die ersten trotz Verstrebungen gleich umgekippt“, berichtet Stadtplanerin Barbara Kirsch-Hanisch.

Jetzt sind die sechs Exoten, die sich auch bei steigenden Temperaturen wohl fühlen und im ausgewachsenen Zustand eine so genannte Trockenheitsresistenz aufweisen, nach allen Seiten fixiert und werfen in den grellen Nachmittagssonne erste Schatten auf die chinesischen Marmorfliesen. „Grün hat was“, sagt Marold Wosnitza bei der offiziellen Einweihung. Der Zweibrücker Oberbürgermeister berichtet von seiner täglichen Joggingtour durch die heiße Stadt, die angenehmere Allee und den kühlen Fasaneriewald, um dann die Hitze zwischen den Häusern nur um so stärker zu empfinden.

Bäume schenken Sauerstoff, schaffen Wohltu-Atmosphäre und spenden Schatten. Doch nicht nur das. Die Zweibrückerin Kerstin Pick, bewandertes Gründungsmitglied bei „Zweibrücken vernetzt“, hat die sechs Wanderbäume ausgewählt. Gute Anpassungsfähigkeit und Klimaresistenz sowohl für heiße Sommer als auch für kalte Winter sowie bei Abgasen in der Luft waren dabei ein grundlegendes Kriterium.

Doch auch ihr Zierwert, die Schönheit fürs Auge, spielte eine Rolle. „Sie haben alle sehr schöne Blattzeichnungen, tragen einen wunderschönen Fruchtbehang oder leuchten in bunten Herbstfarben,“ sagt Kerstin Pick und beschreibt die einzelnen Bäume. Der höchste ist der nordamerikanische Amberbaum, der ahornähnliche Blätter in der prächtigen Herbstfärbung des Indian Summer bekommt, gefolgt von der chinesischen Birne. Dieser hübsche Klimawandel-Zukunftsbaum trotzt Hitze und Sturm und ist gut für Vögel sowie Bienen. Die kugelige Baumhasel bekommt Früchte, die an Haselnüsse erinnern. Die Blumenesche trägt puschelige Blüten und begeistert mit ihrem tollen Blattfarbspiel. Ihr Saft wird auch in der Medizin verwendet, zum Bespiel als insulin-unabhängiges Süßungsmittel, ähnlich wie Stevia. Die Mehlbeere gehört zu den Rosengewächsen. Sie ist der Hauptpreis für den Wettbewerb „Klimaanpassungspreis“, den die Stadt ausgeschrieben hat. Sie hat ebenso silbrige, kühlende Blattunterseiten, wie die Silberlinde.

Am 11. September werden die Bäume vom Herzogplatz in die Fußgängerzone „wandern“. Anschließend machen sie Station am Alexanderplatz und am Schlossplatz, bevor sie an ihrem endgültigen Standort eingepflanzt werden. Welcher das sein wird, ist noch offen.

Nur zwei Wochen dauerte es von der Idee bis zur Realisierung, an der neben „Zweibrücken vernetzt“ und der DRK-Biotopia auch die Stadt beteiligt war.

Das größte Problem für die mit sechs Jahren noch jungen Containerbäume ist jedoch aktuell die Bewässerung. 70 Liter Wasser benötigt jeder der Bäume bei über 30 Grad täglich. Die erste Gießaktion an diesem heißen Wochenende übernahm die Stadtspitze, Oberbürgermeister Marold Wosnitza und Bürgermeister Christian Gauf, persönlich.
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