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Waldo Weathers in Zweibrücken vor 30 Zuschauern

Waldo Weathers in der ACH Halle : Gute Stimmung im kleinen Kreis

(sedi) James Brown hätte ihn wohl gefeuert, den jungen Musiker Henning Oppermann, der letzten Freitagabend ein Stück in der falschen Tonart begann. Der Bassist hat aber das Glück, nicht beim Godfather des Funk persönlich, sondern „nur“ bei dessen einstigem Saxofonisten, Sir Waldo Weathers, in der Band zu spielen.

Dieser ging in der ACH-Eventhalle locker über den Lapsus hinweg, zumal Oppermann und seine Mitstreiter Marcel Weishäupl (Schlagzeug), Marcel Weining (Gitarre) und Matthias Banse (Keyboards) ansonsten keinen Grund zur Klage gaben. Ganz im Gegenteil: Die Osnabrücker Begleitband, die noch nicht lange mit Weathers zusammenspielt, lieferte eine ganz starke Leistung ab. Schließlich ging es bei der Show darum, die große Zeit des Soul und Funk aufleben zu lassen – und das ist beileibe nicht einfach, wenn man’s richtig machen will.

Sir Waldo Weathers war immerhin ein Teil dieser Epoche, denn die letzten 13 Lebensjahre von James Brown stand er mit diesem auf der Bühne. Das muss eine harte Schule gewesen sein, denn Brown galt als absoluter Diktator in Sachen Führung einer Band. Ein bisschen was muss sich Weathers abgeschaut haben, denn er schaffte es mit kleinen Handbewegungen, die Band stoppen und wieder spielen zu lassen – so, als würde er Pause und Play auf einem CD-Player drücken.

Der 69-jährige beherrscht im Übrigen nicht nur das Saxofon, er singt auch sehr gut. In der ACH-Eventhalle waren aber vor allem seine Qualitäten als Entertainer gefragt. Keine leichte Aufgabe, denn: Wie schafft man es, Partystimmung in einer größeren Halle zu erzeugen, wenn sich darin nur 30 Zuhörer verlieren? Weathers gelang das mit Bravour. Für ihn schien es keinen Unterschied zu machen, ob da eine Handvoll oder 2000 Zuhörer vor der Bühne stehen. Das Publikum in der Halle war sofort Feuer und Flamme bei Titeln wie „Let’s Groove“ oder „It’s a Man’s Man’s Man’s World“. Zwischendurch brauchte der Senior eine Pause und überließ die Bühne den nicht mal halb so alten Begleitmusikern.

Die wollten zeigen, was sie draufhaben und übertrieben es dabei ein wenig mit einer völlig überladen komplizierten Begleitung zum Destiny’s Child-Song „Independent Woman“, dessen Gesang über das Spiel der Band geblendet wurde. Man hätte auch so gemerkt, dass da fantastische und akademisch ausgebildete Könner am Instrument sind. Gut, dass Weathers bald zurückkehrte mit seinem eigenen Song „Do You Wanna Dance“. Den Titel nahm er wörtlich und ging, ohne Mikrofon weitersingend, ins Publikum, wo er mit der Zuhörerin Bea Melendez ein Tänzchen absolvierte. Die sagte am Ende: „Es war großartig. Das war eine Veranstaltung, wie wir sie in Zweibrücken viel öfter haben sollten, unglaubliche Stimmung, Top-Musiker. Genau das, was man an einem Freitagabend braucht.“

Genial fand das Konzert auch Sabine Brenner-Schlachter: „Es ist halt meine Musik! Der Eintritt war vielleicht ein bisschen teurer als sonst, aber das musste einfach sein.“ Begeistert wie im Prinzip alle Zuhörer war Anna Sanfilippo. Sie meinte: „Es war für mich in diesem Jahr einfach das beste Konzert, das ich gehört habe. Ich fand’s traurig, dass nicht so viele Leute da waren, aber andererseits hatte man dann das Gefühl von einem Privatkonzert. Er hat sich ja auch unters Publikum gemischt, das war toll.“