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Wahlkreis-Abgeordnete Anita Schäfer aus Zweibrücken verlässt Bundestag

Anita Schäfer ab Dienstag nach 23 Jahren nicht mehr im Bundestag : Keine Angst vor — politischem — Ruhestand

Wenn sich am Dienstag der neue Bundestag konstituiert, ist Anita Schäfer erstmals seit 23 Jahren nicht mehr dabei.

Wenn am 26. Oktober der 20. Deutsche Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt, fehlt erstmals nach 23 Jahren Anita Schäfer. Die CDU-Politikerin hatte auf eine erneute Bundestagskandidatur verzichtet – sich mit 70 Jahren zurückgezogen.

„Der Abschied von Berlin fällt mir nicht schwer – der Abschied von politischen Freunden, egal aus welcher Fraktion, schon eher“, bekennt die aus Saalstadt stammende Christdemokratin, die heute in Zweibrücken wohnt.

Angst vor dem – politischen – Ruhestand hat sie nicht, denn sie will in der Bäckerei ihrer Familie mithelfen und viel von dem nachholen, was in den vergangenen Jahren nicht möglich war.

Viel Freizeit hat sie nicht gehabt, blickt Anita Schäfer auf die vergangenen Jahre und Jahrzehnte zurück. „Als Bundestagsabgeordnete musst Du immer für die Bürger da sein, Du musst immer ansprechbar sein“, macht sie deutlich, wie sie während sechs Legislaturperioden ihr politisches Mandat verstanden hat. Immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger aus ihrer Heimatregion habe sie gehabt, darauf ist die 70-jährige Politikerin stolz: „Bei mir sollte jeder wissen, dass ich meine Arbeit ernst nehme.“ Und das habe sie auch, davon ist sie fest überzeugt, denn eines habe ihr die meiste Befriedigung gegeben: „Wenn ich ein Problem für einen Bürger lösen konnte, hat mich das zufrieden und stolz gemacht.“ Und die Bürger selbst hätten erkennen können, dass Politiker doch etwas bewegen können.

23 Jahre hat Anita Schäfer in diesem Sinn ihr Bundestagsmandat gelebt – zu Beginn noch in Bonn, später in Berlin nach dem Umzug des Bundestags Ende der neuziger Jahre. „In Bonn, das war alles wie eine Familie“, erinnert sie sich. Gewöhnungsprobleme hatte sie nicht nach ihrer ersten Wahl, denn zuvor war sie für die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus-Dieter Uelhoff und Werner Marx tätig gewesen – dann veränderte sich ihr Blickwinkel, denn sie saß selbst im Bundestag: „Auch wenn ich nun auf der anderen Seite gesessen habe, ich bin herzlich aufgenommen worden in der Fraktion.“

 Treue Kämpferin für die Interessen der Bundeswehr: Anita Schäfer 2008 bei einem Truppenbesuch im afghanischen Kundus bei den Zweibrücker Fallschirmjägern.
Treue Kämpferin für die Interessen der Bundeswehr: Anita Schäfer 2008 bei einem Truppenbesuch im afghanischen Kundus bei den Zweibrücker Fallschirmjägern. Foto: picture-alliance/ dpa/Maurizio Gambarini

Ihr Start 1998 fiel in eine schwere Zeit für die Christdemokraten, die nach der 16-jährigen Ära von Bundeskanzler Helmut Kohl wieder in die Opposition mussten für sieben Jahre – gleichzeitig auch die ersten sieben Jahre von Anita Schäfer im Bundestag.

Ist es ein unglaublicher Zufall? Auf den Tag genau 23 Jahre später – am 26. Oktober – konstituiert sich der neue Bundestag, und wieder muss die CDU/CSU-Fraktion in die Opposition.

Und auch Schäfers Start war holprig: 1998 verfehlte sich den Gewinn des Direktmandats im Wahlkreis Pirmasens, sie zog „nur“ über die Landesliste ins Parlament ein. Aber schon vier Jahre später holte sie den Wahlkreis für ihre Partei zurück – und das gelang ihr danach noch vier Mal, bis zu ihrem freiwilligen Rückzug nun.

„Die ewige Abgeordnete“: Mit diesen Worten adelte sie der scheidende Wirtschaftsminister Peter Altmeier auf ihrer letzten Nominierung vor fünf Jahren.

In den Verteidigungsausschuss schickte sie ihre Fraktion vor 23 Jahren, erinnert sich Anita Schäfer, nicht zuletzt weil der US-Flugplatz Ramstein in ihrem Wahlkreis liegt. Im Nachhinein keine schlechte Entscheidung für sie selbst und die Region, denn die CDU-Bundespolitikerin hat sich während ihrer gesamten Zeit im Parlament aufopferungsvoll um den Bundeswehrstandort Zweibrücken gekümmert, sich gegen den Abzug der Soldaten gewehrt und für die Sanierung der Kasernen gekämpft.

Eher gefremdelt hat Schäfer anfangs mit ihrer Mitgliedschaft im Tourismusausschuss – bis sie erkannt hat, dass sie die bundesweite Fremdenverkehrspolitik einfach herunterbrechen muss auf die regionale Ebene. Und sie hat aus den Informationen und Erkenntnissen auch eigene Projekte initiiert – wie den deutsch-französischen Helmut-Kohl-Wanderweg bei Eppenbrunn, auf den sie immer noch stolz ist.

 2016 überreichte der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert Anita Schäfer das Bundesverdienstkreuz.
2016 überreichte der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert Anita Schäfer das Bundesverdienstkreuz. Foto: MdB-Büro Schäfer

An regionalen Themen und Projekten hat es ohnehin nie gemangelt, für Anita Schäfer war ihre Zeit im Bundestag ohnehin immer geprägt von dem Gedanken, für die Westpfalz zu kämpfen. Natürlich nennt sie an erster Stelle den vierspurigen B 10-Ausbau. Der größte Erfolg sei es gewesen, diesen Ausbau in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans zu bekommen.

„Viele Nerven und intensives Klinkenputzen“, vor allem im Saarland, seien notwendig gewesen, um die S-Bahn-Verlängerung von Homburg nach Zweibrücken auf den Weg zu bringen, inzwischen läuft dieses Schienenverkehrsprojekt.

Aber auch für den Erhalt der Pirmasenser Messe, für das Technische Hilfswerk in der Südwestpfalz – sowohl in Pirmasens als auch Hauenstein sind die Ortsverbände in neue Unterkünfte gezogen – habe sie sich stark gemacht, erinnert die scheidende Bundestagsabgeordnete.

Ein Projekt aber, das sie für entscheidend für die Zukunft der Westpfalz hält, war allerdings nicht von Erfolg gekrönt gewesen: die Lösung der Altschuldenproblematik, von der gerade Städte (wie auch stark Pirmasens und Zweibrücken betroffen sind. Sie habe zu den ersten Politikern gehört, die sich dafür eingesetzt haben, betont die Bundespolitikerin. Eine Lösung zu finden, sei schwierig, weil Land und Bund involviert seien: „Und das Land begnügt sich damit, auf den Bund zu zeigen, statt die Kommunen finanziell besser auszustatten.“

23 Jahre im Bundestag, sechs Legislaturperioden, fünf Wahlkreissiege – Anita Schäfer blickt auf eine Erfolgsbilanz zurück. Was aber war ihr Rezept dafür? „Die Menschen in meinem Wahlkreis haben gewusst: Wenn ich zur Schäferin gehe, hilft die mir“, sagt Anita Schäfer: „Denn wer gut arbeitet, dem vertrauen die Leute.“

Das nehme sie auch mit in die neue Lebensphase, bekennt die CDU-Politikerin, die für ihr Engagement 2016 auch das Bundesverdienstkreuz bekommen hat. Für die Zukunft hat sie sich vor allem eines vorgenommen: „Ich will jetzt in Ruhe meinen Ruhestand genießen.“ Mit 70 Jahren habe sie sich das verdient. Im vergangenen Jahr habe sie den Entschluss gefasst, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten – und sie bedauere diese Entscheidung nicht.

Der „Ruhestand“ allerdings, der wird wohl nicht ganz so ruhig werden. Denn Anita Schäfer hat sich fest vorgenommen, im Bäckereibetrieb ihrer Familie in Saalstadt als helfende Hand aktiv zu sein, vor allem im neuen Café ihres Neffen Edgar junior in Rodalben. Dort will sie in den nächsten Jahren auch Vortragsabende mit politischen Freunden aus ihrer Zeit im Bundestag organisieren. Wichtig ist ihr aber auch die Pflege von Kontakten zu politischen Freunden aus 23 Jahren im Bundestag. Sie werde schon ab und zu nach Berlin fahren, um sich mit den „Ehemaligen“ zu treffen.