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VTZ-Übungsleiterin Hilde Grigat hält ihre Gruppe zusammen

VTZ-Übungsleiterin Hilde Grigat hält ihre Gruppe zusammen : Turnübungen per WhatsApp

Auch in Zeiten des Lockdowns hält VTZ-Übungsleiter-Urgestein Hilde Grigat ihre Sport-Nach-Krebs-Gruppe per WhatsApp fit und zusammen. Diese Aufgabe, die sie sich vor 33 Jahren selbst gewählt hat, liegt der fast 80-jährigen Zweibrückerin nach wie vor am Herzen.

„Bing!“ „Bing!“ Immer wieder sendet das Handy von Hilde Grigat das Signal, dass eine neue WhatsApp eingegangen ist. Das Urgestein bei der Vereinigten Turnerschaft Zweibrücken (VTZ) lacht. „Eine aus unserer Krebsgruppe hat heute Geburtstag und da gratulieren alle mit tollen Sprüchen oder Bildchen“, freut sie sich über den engen Zusammenhalt.

Seit nunmehr 33 Jahren leitet Hilde Grigat die Gruppe „Sport nach Krebs“, die sie nach ihrer eigenen Genesung ins Leben gerufen hatte. Mit vielfältigen Übungen am Boden, im Stehen oder in der Bewegung, mit Tüchern, Softbällen, Reifen oder ihrem Lieblingsgerät, den Keulen, hilft sie Frauen im Anschluss an ihre Krebserkrankung, ihre Muskeln wieder aufzubauen, die Gelenke zu „ölen“ und damit fit(ter) und beweglich(er) zu werden.

„Dazu gibt es immer fetzige Gute-Laune-Musik“, beschreibt die Übungsleiterin, die 1966 bei der VTZ begann. Denn eine positive Stimmung, das wieder erwachende Selbstvertrauen auch in die eigenen Kräfte, Zuversicht und Lebensfreude förderten die Genesung und stabilisierten auf körperlicher, seelischer sowie sozialer Ebene.

Nach dem ersten Todesfall in ihrer Gruppe ließ sich Hilde Grigat zusätzlich in Trauerbegleitung ausbilden und ist so auch seelisch für alle Fälle gerüstet. Sie erinnert sich: „Ich habe das damals beim Ausbildungsinstitut angeregt, denn das ist ja ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“ Sie weiß: „Unsere Geburtstagfeiern nach der Turnstunde mit einem Gläschen Sekt und Häppchen, unsere Jahresfeste im Rosengartenhotel und die Ausflüge sind mindestens genau so wichtig, wie die Übungsstunden selbst.“

Als die Corona-Verordnungen dieses gerade für die Nach-Krebs-Damen so wichtige Miteinander verboten, kam die Bitte, sich wenigstens in einer WhatsApp-Gruppe zu treffen, um in Verbindung zu bleiben. Ein wichtiger Halt in einer Zeit wie dieser. „Jeden Mittwoch schicke ich ihnen ein paar Übungen, damit sie nicht ganz einrosten.“

Behende demonstriert die fast 80-Jährige, wie man mit wenigen Übungen Muskelketten und Gelenke aktiviert. Täglich im Wohnzimmer oder auf der Terrasse auch ihre eigenen. Zum Schluss mache die Gruppe immer ein bisschen QiGong, das erde und bringe in die eigene Mitte. Mit Tennisbällen unter Rücken und Po werden die Faszien, also die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes, gelockert.

Über 30 Frauen gehören aktuell der „Krebs-Gruppe“ an. Viele schon seit langen Jahren. 2019 wurde die VTZ dafür bundesweit mit dem zweiten Preis im Krebs-Sport ausgezeichnet. Da diese Gruppe die einzige im weiten Umkreis ist, kommen die Frauen selbst aus der Nähe von Kusel oder aus Frankreich, für gewöhnlich jeden Mittwoch in die Turnhalle und freitags ins Schwimmbad. Nach der Schließung des Evangelischen Krankenhauses zog sie um ins Nardini Klinikum. „Im Wasser tun sich viele Frauen etwas leichter, gerade in der Anfangsphase oder auch mit höherem Körpergewicht“, beschreibt Hilde Grigat einen Vorteil, der aktuell allerdings nicht genutzt werden kann.

Ganz anders geht ihre zweite Gruppe, die Wirbelsäulen-Gymnastik mit den erlaubten 15 Teilnehmern, mit dem Lockdown um. „Die rufen mich alle immer wieder an, weil sie wissen, dass ich nach dem Tod meines Mannes im vergangenen Jahr allein bin.“ Hilde Grigat, in ihrer Jugend selbst aktive Geräteturnerin, liebt ihre Arbeit mit den Menschen. Sie freut sich darauf, wenn die Gruppen sich möglichst bald wieder persönlich treffen können. Ganz klar: „Das wird erst einmal gefeiert!“